ENEMY INSIDE

von pistol

Enemy Inside, eine junge Band aus Aschaffenburg spielte zusammen mit unseren Freunden von Wolfen. Ein guter Zeitpunkt der Band mal auf den Zahn zu fühlen und ein Interview zu führen. Und so trafen wir uns vor dem Gig in der Groove Bar, um dann ein lauschiges Plätzchen zu finden, wo ich mich mit den beiden Gründern von Enemy Inside, Nastassja und Evan, ungestört unterhalten konnte.

Pistol: Hi! Könnt Ihr mir kurz etwas über die Entstehung der Band erzählen? Also wer darin mit spielt und so?

Evan: Also, am Anfang hat es als Zwei-Leute-Projekt angefangen. Nasti und ich haben ein paar Songs geschrieben, danach haben wir halt eine Platte aufgenommen. Ja, und dann haben wir irgendwie gemerkt, das gefällt uns doch ganz gut, was wir da machen. Dann wollten wir auch eine ganze Platte aufnehmen, was wir ja auch am Ende gemacht haben. Irgendwie kamen dann die anderen dazu, also haben wir uns entschieden, doch eine Band zu gründen. Es war uns schon wichtig, nicht nur ein Projekt zu haben, deswegen haben wir die anderen Leute dazu genommen. Erstmal haben wir Dominik gefunden, dann David und Feli, ja, und so sind wir zu Enemy Inside gekommen.

Pistol: Wenn ich richtig informiert bin, hast Du vorher bei Mystic Prophecy gespielt.

Evan: Ja, ich spiele immer noch dort.

Pistol: Also bist Du weiterhin in zwei Bands aktiv, nicht nur noch Enemy Inside?

Evan: Genau, Mystic Prophecy und Enemy Inside sind so die zwei Bands, wo ich spiele. Wobei Enemy Inside sozusagen mein eigenes Kind ist. Und Mystic Prophecy, die habe ich als Kind schon gerne gehört. Na ja, als die entstanden sind, war ich halt noch zu jung, bin dann aber später dort eingestiegen.

Pistol: Gut, wie ist denn Euer Background? Seid Ihr von der Familie so vorbelastet, eine Metal-Familie quasi?

Nastassja: Also, Metal-Familie nicht, aber mein Vater ist auch Musiker, jedoch eher im Blues Rock-Bereich. Daher kommt auch bei mir so dieses Interesse für Musik. Er hat mich relativ früh mit ins Tonstudio genommen, wo ich dann auch mit aufgenommen habe. So hat das bei mir dann mit der Musik angefangen. Zum Metal bin ich dann so mit zwölf, dreizehn etwa gekommen, ja, in der Pubertät, weil ich ja rebellieren wollte. Also gerade die ganze Nu Metal-Szene, da hat es bei mir eigentlich mit angefangen.

 

Evan: Bei mir war es so, also meine Eltern sind keine Musiker. Okay, mein Vater war Hobbymusiker. Irgendwie hat er öfter versucht, mir ein bisschen Keyboard beizubringen, wofür ich aber nie wirklich Interesse gezeigt habe. Danach war ich irgendwann auf einem Scorpions-Konzert, so mit elf, und das war so für mich „World Changing“.

Pistol: Die Initialzündung sozusagen?

Evan: Genau, ich hab´ gedacht, ich will so werden wie der mit der Flying V…

Pistol: So wie der Schenker, haha?

Evan: Genau, und am nächsten Tag habe ich gesagt, ich will genauso werden wie der Schenker und habe meinen Vater gefragt, ob er mir eine Flying V-Gitarre kaufen würde (Na, definitiv besser als eine Playstation! - Anm. des Verfassers), ja, und dann habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. So von Anfang an war mein Traum auf der Bühne zu stehen und ist seitdem auch gleich geblieben.

Pistol: Und welche Bands haben Euch beeinflusst? Von der Musikrichtung her waren es ja wahrscheinlich nicht unbedingt die Scorpions?

Nastassja: Ich glaube dadurch, dass halt jeder seine eigenen Vorstellungen mit reinbringt. Klar gibt es Parallelen zu anderen Bands, die wir halt mögen. Ich finde, dadurch ist es doch total vielfältig. Also, was mich jetzt so bewusst beeinflusst hat, kann ich gar nicht sagen. Ich denke, was ich eben gerne in meiner Jugend gehört habe, das wird mich wahrscheinlich im Unterbewusstsein beeinflussen. Aber so direkt kann ich Dir nicht sagen, ob es die oder die Band gewesen ist.

Pistol: Wie würdet Ihr Enemy Inside beschreiben für jemanden, der Euch nicht kennt?

Nastassja: Oh, gute Frage! Wir versuchen zu vermeiden „Es klingt wie…“, aber viele brauchen das irgendwie, so es ist jetzt für Fans wie Lacuna Coil zum Beispiel, oder für Fans von bla bla bla (lacht). Ich würde es als Kombination aus harten Gitarrenriffs mit weiblichem klarem Gesang, bezeichnen, und trotzdem sehr catchy gehalten; auch viele Pop-Einflüsse dadurch, dass es eigentlich auch sehr melodiös ist.

Evan: Genau, oder anders ausgedrückt: Sieh es als modernen Dark Rock. Also, Du kannst es nicht als normalen Dark Rock bezeichnen, da wir noch mehr Metal-Elemente darin haben, na, eben modern.

 

Pistol: Ja, die Leute brauchen ihre Schubladen, sonst geht gar nichts. Totaler Quatsch eigentlich.

Nastassja: Ja, genauso ist es aber.

Pistol: Was erwartet die Leute auf einer Enemy Inside-Show? Warum sollten die dorthin gehen?

Nastassja: Also, wir versuchen immer, unser Konzept nicht nur musikalisch umzusetzen, sondern eben auch die Showelemente daran anzupassen. Wir arbeiten gerade daran, dass wir in Zukunft noch mehr mit Lichtshow machen wollen. Für die paar Shows, die wir bis jetzt gezeigt haben, glaube ich aber, das wir schon ganz gut etwas auf die Beine gestellt haben.

Evan: Wir sind auch nicht die fünf Musiker, die so über ihrem Instrument stehen, sondern das gleichzeitig Auge und Ohr mit bedient wird.

Nastassja: Es fängt ja schon bei dem Outfit an und hört bei dem Stage-Bild auf. Wir machen auch wirklich fast alles alleine, egal ob Outfit Design oder auch, wie sich der Merchandise Stand präsentiert.

Pistol: Also eine richtige „Do It Yourself”-Band?

Nastassja: Genau richtig, „Do It Yourself”, und das ist uns auch sehr wichtig! Es soll halt alles bei uns bleiben, weil wir ja schließlich die Vision dazu haben.

Pistol: Das Songwriting macht Ihr beiden, nehme ich jetzt mal an?

Evan: Für die erste Platte haben wir beide das gemacht. Aber das heißt nicht, dass es unbedingt so weitergehen muss. Es hat halt so angefangen, weil zum Zeitpunkt des Songwritings die anderen noch nicht dabei waren. Mal sehen, wie es sich jetzt so entwickelt.

Nastassja: Wir kannten ja, wie schon gesagt, die anderen noch gar nicht. Ein Zwei-Mann-Projekt, und dann war es eben fertig, und ob das immer so bleibt, weiß man sowieso nicht.

Pistol: Aber Ihr probt noch old school, so richtig im Proberaum?

Nastassja: (lacht) Ja, noch nicht über Skype, haha!

Pistol: Ja, Du hast ja heute Bands, wo die Musiker hunderte Kilometer auseinander wohnen. Da geht es ja teilweise gar nicht anders.

 

Nastassja: Bei uns ist das Gott sei Dank nicht so, und das war uns auch wichtig. Die Jungs kommen alle aus dem Umkreis, und wir verstehen uns auch so gut und machen schon mal Dinge zusammen.

Pistol: Ihr habt jetzt ein gutes Jahr, wo Ihr zusammen seid. Wie kommt man so schnell dazu, ein Album aufzunehmen und ein - wie ich finde - exzellentes Video dazu?

Evan: Ja, etwas weniger, seit Dezember 2017, um genau zu sein.

Nastassja: Also, das Album war ja eigentlich schon vor der Bandgründung fertig, das heißt, die Songs standen ja schon, so wie sie sind.

Evan: Dieses Jahr dazwischen war einfach die Zeit, die wir brauchten, um das Ganze ein wenig zu organisieren. Weil vom dem Zeitpunkt, wo dein Album fertig ist, und bis du es dann letztlich herausbringst, sind tausend Sachen dazwischen. Und du denkst, es kann doch nicht sein, dass es noch so weit weg ist. Aber am Ende ist es wirklich so weit weg, bis es dann raus ist.

Pistol: Welche Erwartungen setzt Ihr in Euer Debüt-Album?

Nastassja: Also, ich für meinen Teil versuche, ganz realistisch daran zu gehen, und gar nicht erst so hohe Erwartungen zu setzen. Ich bin generell ein Mensch, der sich keine großen Erwartungen setzt, einfach damit ich nicht enttäuscht werde. Da lasse ich mich lieber positiv überraschen. Natürlich hofft jeder Musiker, der ein Album macht, dass es sich relativ gut verkauft, aber man muss heutzutage einfach realistisch bleiben. Wir hoffen für die Zukunft jetzt erst einmal, dass wir viel live spielen können. Ja, das wir uns eine Fan Base erspielen können, und dann hoffentlich bald auch eine Tour planen können.

Pistol: Womit wir bei der nächsten Frage wären: Viele Bands spielen heute um jeden Preis, in schäbigen Locations für ein Bier und ein Butterbrot oder für gar nichts und müssen teilweise noch die Technik stellen und werden dann als Support verheizt. Würdet Ihr darauf eingehen, oder sagen „Nein Danke, so ein Angebot brauchen wir nicht.“?

Nastassja: Ich finde und ich denke, ich kann da für alle sprechen: Es muss irgendeinen Nährwert für die Band haben. Also für Butterbrot und Bier würden wir jetzt sicher nirgendwo spielen. Es muss eben irgendeinen positiven Effekt für die Band haben.

Evan: Genau, und es muss auch ein gewisses Maß an Respekt da sein.

 

Pistol: Wie weit würdet Ihr für den Erfolg gehen? Und wo wäre die Grenze?

Nastassja: Hm, wie weit würde ich für den Erfolg gehen? Also, für meinen Teil einfach hart arbeiten, mir den Arsch aufreißen, aber nicht so, dass man seine Seele verkauft.

Pistol: Ja genau, so meinte ich das, also nicht in anderer Hinsicht; so nach dem Motto: Ihr müsst jetzt das so und so machen, das ist besser.

Nastassja: Nein, da war uns auch bei der Label-Findung sehr wichtig, dass wir eben ein Label finden, das uns unsere künstlerische Freiheit lässt. Wir hatten auch einige andere Angebote, aber da sollte dann etwas an den Songs verändert werden, das Image der Band oder dieses oder jenes.

Pistol: Dann bist Du Angestellter der Plattenfirma.

Nastassja: Genau, und da hatten wir keine Lust drauf. Das ist so etwas, das wird sich bei uns auch nicht ändern, glaube ich. Wir sind viel zu viele Sturköpfe in der Band und wollen das genauso haben, wie wir das eben haben wollen. Nee, das ist nicht unser Ding.

Pistol: Aber der Traum ist es, eines Tages von der Musik leben zu können, oder seht Ihr das eher nüchterner?

Evan: Das Ding ist, wir brauchen das nicht, und das macht auch die Band so, wie sie ist. Wir brauchen keinen Hit zu schreiben oder ein Album, das auf Platz zwei der Charts einsteigt.

Nastassja: Ist natürlich wünschenswert (lacht herzlich)! (Na, das will ich aber auch meinen! - Anm. des Verfassers)

Evan: Ja, natürlich wird das sehr schön sein, wenn es sich ergibt, es ist aber nicht so, dass wir fest daran glauben…

Nastassja: Davon auszugehen, dass das jetzt so eintritt, ist in der heutigen Zeit auch etwas utopisch.

Evan: Und es gibt so viel, viel größere und ältere Bands, die schon ewig unterwegs sind und es immer noch nicht geschafft haben, davon zu leben

 

Pistol: Die ewigen Supporter eben.

Nastassja: Also, ich glaube, da muss man einfach realistisch bleiben. Natürlich wünscht man sich das, und klar, das ist bei uns allen ja ein Kindheitstraum, aber man muss einfach auf dem Boden der Tatsachen bleiben, damit man später nicht enttäuscht wird.

Pistol: Sex, Drugs and Rock ’N’ Roll. Wie ist eure Einstellung dazu?

Evan: Voll dagegen! (beide können sich aber ein Grinsen nicht verkneifen)

Nastassja: Ich glaube, wir sind da echt relativ spießig für unser Alter, muss ich sagen. Alkohol, klar, nach dem Gig. Ich bin da relativ streng und sehe nicht gerne, wenn vor dem Gig getrunken wird.

Evan: Ich mag auch Alkohol allgemein nicht so, und Drogen sowieso nicht! Das ist ein totales No Go (Sehr lobenswert! - Anm. des Verfassers)

Nastassja: Und Sex wird daheim gemacht! (laut lachend)

Pistol: Haha, so genau wollte ich das jetzt auch gar nicht wissen.

Nastassja: Ja, Spaß haben, aber man soll dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Also jetzt nur im Proberaum sitzen, sich betrinken und denken, das ist Rock’n’Roll? Da wird wohl nicht so viel bei rumkommen wahrscheinlich.

Evan: Nein, wir hätten auch keinen in die Band genommen, der solche Ambitionen hat.

Nastassja: Nee, auf gar keinen Fall!

Pistol: Ich bin ja noch ein richtiger Oldie und habe am liebsten Tonträger auf Vinyl oder notfalls auf CD. Dabei wird ja heute alles gestreamt oder runtergeladen, meist noch illegal. Was bevorzugt ihr: Tonträger oder als alternatives Format Streamings und Downloads für Musik?

Nastassja: Also, wir sind selber Personen, die auf jeden Fall noch CDs kaufen. Ich glaube, das wäre auch ein wenig kontrovers, wenn man das als Musiker nicht macht.

 

Evan: Vinyl ist natürlich noch schöner!

Pistol: Die meisten Musiker, die ich kenne, sind nur noch bei Spotify und ähnlichen Plattformen.

Evan: Ja, ich muss sagen, dass ich parallel auch Spotify benutze. Es ist jetzt nicht so, dass ich das eine oder das andere nehme, sondern beides. Ich kaufe halt CDs, die ich dann im Auto oder so anhöre, aber auf dem PC, da brauche ich halt Spotify.

Pistol: Auf Tour ist das natürlich praktisch: Du machst Dein Smartphone an und gut.

Evan: Genau, wenn man das beides machen kann, ist es perfekt.

Nastassja: Und es ist ja auch manchmal ganz schön, neue Musik zu entdecken und zu sagen, okay, mir gefällt das sehr gut. Und dann kaufe ich auch die CD, weil ich den Künstler unterstützen möchte. Ja, und weil ich auch etwas in der Hand haben will (Du sprichst mir aus der Seele – Anm. des Verfassers).

Evan: Du kannst es besser filtern mit Spotify. Ich muss jetzt nicht die XY-Platte vom XY-Künstler, der seit den Achtzigern unterwegs ist, und wahrscheinlich seit zwanzig Jahren dieselben Songs rausbringt, dann blind kaufen. Ich kann es mir erst einmal anhören.

Nastassja und Evan gleichzeitig: Es ist auf jeden Fall viel, viel schöner, Musik in der Hand zu haben. Das hat einfach etwas.

Pistol: Jede Band lebt von ihren Fans, die das Merchandise kaufen, zu den Konzerten gehen und die Tonträger kaufen oder legale Downloads erwerben. Wie steht ihr zu der Sache mit den „Meet & Greet“-Tickets, zum Beispiel eine große amerikanische Band die für ihre Tour im nächsten Jahr Preise von 2200 €, für ein „Shake Hands“ und ein Foto, aufrufen?

Nastassja: Ich muss sagen, ich habe mir da noch nicht so megagroße Gedanken drüber gemacht, weil das für uns noch so ein bisschen weit weg ist. Und man sollte das immer so machen, dass es wertemäßig noch vertretbar ist. Also, jetzt jemanden auszunehmen, nur um mal Hände zu schütteln, also ich weiß nicht. Es gibt natürlich viele Fans, die so etwas auch möchten.

Pistol: Klar, sonst würde so etwas ja nicht angeboten, aber ich meine es ist schon recht dekadent.

 

Nastassja: Ja, aber ich denke, man muss das einfach mit seinen Werten vereinbaren.

Evan: Die Frage ist: Von welcher Perspektive ist es schlimmer? Von dem, der es anbietet oder von demjenigen, der es annimmt? Da hat wohl jeder seine eigene Sichtweise.

Nastassja: Und es gibt ja viele, die freuen sich da wahnsinnig drüber und geben gerne Geld dafür aus. Ja, okay.

Evan: Man kann nicht sagen, ob es richtig oder falsch ist.

Pistol: Es steht ja vom Preis in keiner Relation, wenn es zwanzig oder dreißig Euro wären, aber doch keine zweitausend. Da gehen die meisten einen ganzen Monat für arbeiten.

Nastassja: Ja, das ist es, was ich meinte: Es müsste für mich noch vertretbar sein, zumindest ein Preis, wo ich sage „Ja“.

Evan: Hm, ich würde es nicht machen.

Pistol: Früher war Rock Musik immer ein Teil Revolution. Glaubt Ihr, dass Rockmusik heute noch irgendetwas bewirken oder verändern kann?

Nastassja: Schwierig… Evan, was sagst Du dazu?

Evan: Ja, schwierig… Ich finde, dass das Business gerade bei Rockmusik heute etwas anders ist, also nicht so offen, und es ist alles irgendwie kleiner geworden. Also, das weiß ich jetzt nicht wirklich, ob etwas passieren könnte, auf jeden Fall bleibt es immer so eine kleinere Revolution, da Rockmusik nicht wirklich Mainstream geblieben ist. Es ist nichts, was die dreizehn, vierzehnjährigen Kinder berührt. Es sind eher Leute, die Lust darauf haben und es als Hobby betreiben. Das ist an sich so eine kleine Revolution. Aber ob es nochmal ein Woodstock oder ähnliches geben wird, das glaube ich eher nicht.

Pistol: Das Musikerleben ist manchmal recht stressig, Auftritte, Proben, Studio, langweilige Interviews. (beide lachen und verneinen) Bleibt da noch Zeit für eine Beziehung oder ein normales Familienleben?

Nastassja: Ja! Klar, das muss manchmal zurückstecken, aber ich denke, das macht man dann auch gerne, wenn man seine Zeit für die Band opfert. Aber egal in welchem Bereich, wenn Du Zeit in Deine Arbeit investierst, muss immer wer zurückstecken. Aber wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringen will, dann nehme ich mir einfach die Zeit dafür. Das ist ja das Gute am Musikerberuf: Man kann sich das ja einteilen; meistens, wie man möchte, aber klar, desto mehr Gigs anstehen, umso mehr muss das Privatleben halt zurückstecken.

 

Pistol: Jetzt mal abgesehen von der Musik: Was macht Ihr denn so im Privatleben? Womit beschäftigt Ihr Euch denn, wenn mal keine Musik ansteht, zum Beispiel Hobbys und sowas?

Evan: Also, wir machen nur Musik… (lacht)

Nastassja: Also, was ich ganz gerne mache, obwohl das auch wieder sehr Band bezogen ist: Ich habe so ein kleines Hobbyzimmer, da bastele ich dann zum Beispiel Haarkronen, ich mache Outfits…

Pistol: Haarkronen?

Nastassja: Ja, zum Beispiel die auf dem Cover, die habe ich selber angefertigt. Ich lebe mich da kreativ komplett aus. Ich nähe, ich schneidere an den Outfits herum.

Pistol: Also wirklich alles „Do It Yourself“?

Nastassja: Ja, definitiv! Da lebe ich mich so ein bisschen aus. Das ist für mich dann in dem Moment auch keine Arbeit, sondern mehr so ein Hobby. Alles, was kreativ ist, mache ich einfach gerne.

Evan: Was ich gerne mache, ist Sport, beziehungsweise Fußball eher. Ich gehe auch gerne ins Stadion und schaue zu, also wenn ich Zeit habe oder mal in Griechenland bin. Ich bin aber auch gerne mal in meiner freien Zeit mit Leuten zusammen, die nichts mit Musik zu tun haben; auch auf dem Job. Wir sind halt beide Musiker beruflich, und da will man sich in der Freizeit auch mal mit etwas anderem beschäftigen.

Pistol: Engagiert Ihr Euch auch für andere Projekte, also beispielsweise im Umweltschutz, politisch oder für caritative Zwecke?

Nastassja: Ich bin auch Mitglied bei PETA, wo ich monatlich spende und mich im Moment immer mehr rein lebe. Ich bin auch seit 21 Jahren Vegetarierin…

Pistol: Seit 21 Jahren? Hat man Dir als Kind Fleisch verweigert? Ich denke, mit vier Jahren kann man das doch noch nicht selber entscheiden?

Nastassja: Nee, aber doch, das war meine Entscheidung. Meine Familie stammt zum einen Teil aus Italien, und ich war immer auf dem Dorf, auch im Urlaub. Ja, und mein Onkel hatte viele Hühner, und ich war immer von Tieren umgeben. Na ja, und irgendwann saßen wir mal bei McDonalds, und meine Tante hat mir erzählt, was so alles in meinen geliebten Chicken McNuggets drin ist. Das war für mich echt ein Schock, und da habe ich gesagt, nee, möchte ich nicht mehr. Das ist das, wo ich mich gerade immer mehr rein lebe, also auch nur noch Kosmetik benutze, die ohne Tierversuche hergestellt wird. Ich bin da jetzt aber noch lange nicht 100 Prozent und sehe mich als Samariter. Aber ich versuche halt, so ein wenig das zu beherzigen.

Evan: Also, ich spende bei UNICEF, ja, oder allgemein, wenn es um Krebshilfe oder so geht. Da bin ich auch dabei, das heißt ich helfe dann freiwillig auf Veranstaltungen gegen Brustkrebs zum Beispiel, oder auch Benefizkonzerte oder ein Marathon. Ansonsten, was Politik angeht…

Nastassja: Das ist eigentlich ein No Go-Thema! (lacht)

Evan: Es gibt schon Zeiten, wo ich mich damit beschäftige, aber es gibt auch Tage, an denen ich das total langweilig finde.

Pistol: Ich finde, man sollte sich als Band auch nicht da einspannen lassen; also nicht vor einen Karren spannen lassen, weil Du ganz schnell ins falsche Licht gerückt wirst.

Nastassja: Ja, Politik ist echt so ein Thema, das sollte man als Band nicht unbedingt mitmachen.

Evan: Vielleicht nur so als dritte Person oder Außenstehender, also nicht wirklich irgendwie selber aktiv werden.

Pistol: Gibt es eine Frage, die Ihr gerne beantworte möchtet, aber die euch noch nie gestellt wurde?

Nastassja: Das ist eine gute Frage! (Evan lacht laut) Die hat tatsächlich noch keiner gestellt! Nee, aber mir fällt jetzt spontan nichts ein, vielleicht fällt mir ja nach dem Konzert noch etwas ein… (lachend)

Evan: Mit welchem Act wollen wir zusammen spielen?

Nastassja: Das wurde schon mal gefragt.

 

Evan: Echt?

Pistol: Ja, das ist genau das Problem: In den meisten Interviews wird zwanzigmal das gleiche gefragt: Was meinst Du mit dem Song oder mit der Platte, zum Beispiel. Und ich finde das so öde, weil das liest irgendwann kein Mensch mehr. Du liest zehn Interviews und überall steht dasselbe. Das hast du im Pressetext ja schon alles drin.

Nastassja und Evan: Stimmt, aber Deine Fragen waren eigentlich alle mehr so auf uns bezogen, sehr persönliche Fragen.

Pistol: Gut, dann wären wir auch soweit. Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Euch weiterhin viel Erfolg! Möchtet Ihr noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

Nastassja: Klar, checkt unsere Facebook-Seite aus, hört euch unser Album an und schaut euch unsere Videos auf YouTube an!

Evan: Und unterstützt einig die Szene, denn die braucht das gerade!

Nastassja: Kauft Euch CDs! <p< Evan: Und allgemein: Hört Musik, weil das ist das Wichtigste, nicht nur beim Metal-Publikum! Es fehlt ein bisschen in dieser Zeit.

Pistol: Ja, es ist leider ein reines Konsumgut geworden, ein Wegwerfprodukt fast schon.

Nastassja: Es ist einfach zu leicht zugänglich geworden. Es gibt zu viel Angebot, und die Leute haben keine Geduld mehr, sich mal einen Song von drei Minuten anzuhören. Wenn die ersten zwei Sekunden nicht überzeugen, dann wird halt nicht angeklickt oder halt irgendeine Bloggertante auf YouTube angeklickt.

Pistol: Ja, haha! Das Erlebnis hatte ich auf dem Rock Hard Festival. Da kam so eine Tussi und meinte, „Ich bin Influenza.“. Ich sagte, „Wat hast Du? Geh mal zum Arzt!“.

Nastassja und Evan lachen schallend!

 

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VENUES

von pistol

Seit längerem schon habe ich die Band VENUES auf dem Schirm, aber leider bisher nie das Glück gehabt, das sich ein für mich passender Termin in unserer Gegend ergeben hat. Da trifft sich der Auftritt in Köln als Support Akt für die Berliner Desaster Kids doch prima. Zumal ich direkt noch ein Interview mit vereinbaren konnte. Dass natürlich genau zu dieser Zeit, ein zweitägiges Straßenfest in unmittelbarer Umgebung stattfindet, bedeutet leicht erhöhten Aufwand bei der Parkplatzsuche. Also direkt ins Rheinau Parkhaus und die 600 Meter vorbei am Stollwerck bis hin zum Tsunami Club. Und dort lief ich schon direkt meiner quirligen Interviewpartnerin Nyves in die Arme. Das Goldkehlchen kam mir mit einem Blubber Becher entgegen, da ihre Stimmbänder ziemlich gereizt waren. Trotz allem wollte sie aber nicht kneifen und meine Frage beantworten. Hut ab vor so viel Einsatz. Der kleine und auch schon recht alte Kellerclub gab jetzt natürlich keinen ruhigen Raum her, und so versuchten wir unser Glück auf der Straße. Um nicht im Lärm des Straßenfestes zu stranden, dachte ich an ein nettes Café oder ähnliches. Gab es aber nicht, nur hochpreisige Restaurants. Letztlich landeten wir auf einer Bank vor den Türen einer Weinhandlung, und es entwickelte sich ein sehr nettes Gespräch mit der überaus sympathischen Nyves.

Pistol: So ich bin bereit, es kann losgehen.

Nyves: Ja ok. Lass uns beginnen.

Pistol: Kannst du mir kurz etwas über die Entstehung der Band erzählen? Und wie ist die aktuelle Besetzung?

Nyves: Kurz? OK also die Gründungsmitglieder sind Constantin und ich. Wir haben die damals, also vor etwa 10 Jahren gegründet, allerdings mit einem ganz anderen Namen. Wir waren eine Proberaumband und haben erst einmal versucht uns zu finden. Ja und dann so nach und nach kamen mehr Mitglieder dazu. Jetzt die aktuelle Besetzung besteht seit etwa zwei Jahren. Da haben wir Robin Baumann als Sänger, Toni Lixx und Constantin Rabnis an den Gitarren, unseren Basser Florian Brett und am Schlagzeug Dennis Vanhöfen.

Pistol: Als ich das erste Mal von euch hörte, ich sollte eure EP besprechen, war der Bandname noch „Break Down A Venue“ Warum wurde der geändert? War er einfach zu lang?

Nyves: Ja das war auch einer der Gründe, aber nicht der wichtigste Grund. Uns war einfach wichtiger einen neutraleren Namen zu haben. Der alte Name war schon viel zu sehr Genrespezifisch, aber da wir uns damals schon musikalisch weiter entwickelt hatten, wollten wir einfach ein wenig offener sein. Und natürlich so für die Leute einen einfacheren zugänglicheren Namen haben. Natürlich auch mit einer Bedeutung die uns widerspiegelt. Naja und wo noch ein Stückchen vom alten Bandnamen „Break Down A Venue“ mit drin ist. So haben wir eben das Venues behalten.

Pistol: Und ich dachte es wäre so, das euch keiner bucht weil die Clubbesitzer denke ihr reißt die Bude ab.

Nyves: hahahaha

Pistol: Kannst du uns etwas über deinen Background erzählen, kommst du aus einer musikalischen Familie?

Nyves: Gar nicht, also eigentlich nicht. Ich habe auch niemals Gesangsunterricht gehabt, oder allgemein Unterricht in Sachen Musik.

Pistol: Wie würdest du eure Band beschreiben, für jemanden der Venues nicht kennt?

Nyves: Also du meinst rein musikalisch jetzt? O.k. wir sind eigentlich bunt gemischt, jeder von uns kommt aus einer anderen Musikrichtung und bringt dann natürlich auch dementsprechend seine Einflüsse mit rein. Also das ist jetzt echt schwierig das tatsächlich in irgendein Genre zu packen. Wir kommen ursprünglich aus dem Post Hardcore, haben aber mittlerweile sehr viel Rockelemente. Ja sogar Pop und Alternative, Modern Metal ja also ziemlich gemischt. Aber das ist es was mir jetzt so dazu einfällt.

Pistol: Was erwartet die Leute auf einer Venues Show? Warum sollten sie dahin kommen?

Nyves: (lacht) ja wieso sollten sie dahin kommen, also normalerweise wir sind immer sehr gut gelaunt. Wir haben sehr viel Spaß und geben einfach alles auf der Bühne. Und live versuchen wir eben diese Energie die wir spüren auch den Leuten im Publikum zu vermitteln. Wir sind ziemlich direkt und ehrlich auf der Bühne, es kommt alles so wie es kommt. Ich plane zum Beispiel nie was ich sage, sondern immer sehr spontan.

Pistol: Also keine vorgefertigten Ansagen?

Nyves: Ja tatsächlich! Klar wenn du auf einer Tour bist, gibt es natürlich bestimmte Sachen, die du auch jeden Tag den Leuten mitteilen möchtest. Aber generell ist es nichts Vorprogrammiertes oder so.

Pistol: Wer ist denn für das Songwriting zuständig, und trefft ihr euch noch so richtig Old School im Proberaum oder läuft das alles online?

Nyves: Nee wir proben Old School definitive! Die Songs schreibt größtenteils der Constantin, also er macht die instrumentale Seite und dann übernehme ich die Songs und mache die Clean Vocals drauf und die Texte dazu. Dann gebe ich es an Robin weiter und er macht seine Parts dazu. Natürlich sprechen wir das vorher so ein bisschen ab, in welche Richtung es dann thematisch gehen soll, naja wie ich es mir vorstelle, wie es sein sollte. So entstehen die Songs dann, dann kommen noch die anderen dazu und wir proben die Stücke dann. Dann fügt halt noch jeder seine Einflüsse oder besser gesagt seinen Touch hinzu.

Pistol: Heute sind die meisten Musiker ja in mehreren Bands, unterrichten an Musikschulen oder haben ganz normale Jobs. Wie ist das bei euch, ich vermute mal genauso?

Nyves: Ja tatsächlich (grinst) natürlich.

Pistol: Ja ich hatte zuletzt in den Niederlanden ein Interview mit einer Sängerin. Und sie sagte sie macht nur die Band und gibt Gesangsunterricht. Und sie war noch sehr jung.

Nyves: Ja also mit Gesangsunterricht kann man schon gut verdienen. Nee, aber wir sind alle noch hauptberuflich tätig.

Pistol: Ihr seid jetzt bei Arising Empire unter Vertrag. Fühlt ihr euch dort gut aufgehoben?

Nyves: Ja auf jeden Fall! Wir sind echt zufrieden, sie geben uns genau die Unterstützung die wir jetzt gebraucht haben. Und ich hoffe, dass es auch in Zukunft weiterhin eine gute Zusammenarbeit bleiben wird.

Pistol: Heute wird die meiste Musik ja gestreamt, oder als download Datei angeboten. Ich bin ja mehr so ein Rock Dinosaurier und habe lieber ein schönes Album auf Vinyl. Kann ich darauf hoffen eure Scheibe auch mal als Vinyl zu bekommen?

Nyves: Tatsächlich ja haha, also unser Basser ist ein unglaublicher Vinyl Fan und er hat sie tatsächlich bestellt.

Pistol: Cool also ich nehme auf jeden Fall eine!

Nyves: Ja also ich hoffe das alles klappt, dann sollte es die demnächst zu kaufen geben

Pistol: Ok jetzt mal eine spezielle Frage. Jede Band lebt mehr oder weniger von ihren Fans, die das Merchandise kaufen, zu den Konzerten gehen und die CDs kaufen oder legale Downloads erwerben. In der letzten Zeit gibt es diese komische Unart der „Meet & Greet“ Tickets, wo den Leuten teilweise unverschämte Beträge von Tausend Euro und mehr für ein Foto und ein schnelles Shake Hands abgenommen werden? Wie stehst du dazu oder wie findest du das?

Nyves: Wie ich das finde? Also ich persönlich würde das nicht machen (sehr lobenswerte Einstellung – Anm. des Verfassers) aber ich kritisiere auch nicht die Bands die es machen. Ich kenne Bands wo es so läuft, und das sind echt gute Jungs. Ich meine es ist natürlich für die Bands wenn man lange auf Tour ist ein kleines Zusatzeinkommen. Es ist ja sowieso alles schlecht bezahlt, und um die Tour überhaupt möglich zu machen ist das in Ordnung.

Pistol: Klar so gesehen ja, aber ich rede jetzt von Bands die Preise im vierstelligen Bereich aufrufen. Bei 20 € wäre es ja noch ok, das ließe ich mir ja gerade so gefallen. Aber wenn du 1500 € oder 2000 € für ein Foto mit deinem Star zahlen sollst.

Nyves: Was oh das wusste ich nicht!

Pistol: Ja und manche Musiker sind richtig angepisst wenn du sie danach fragst. Und andere, zum Beispiel Dave Meniketti von Y&T sagt, das geht gar nicht. Ich müsste euch Geld zahlen wenn ihr euch mit mir fotografieren lasst. Schließlich habt ihr als Fans mir dieses Leben ermöglicht!

Nyves: Ja stimmt eigentlich

Pistol: Wo waren wir stehen geblieben, ach so ja. Wie siehst du die derzeitige Entwicklung, speziell bei den Jüngeren vermisse ich oft Rücksichtnahme. Sie sehen nur sich selbst ohne auf andere zu achten, also auch auf Konzerten.

Nyves: Hm das ist schwierig. Ich finde es ist oft recht unterschiedlich. So auf Gigs in den Mosh Pits sehe ich eigentlich schon, dass die Leute sich helfen. Wenn einer hinfällt oder so sind meist direkt welche da die ihn aufheben. Ich persönlich habe jetzt auf Konzerten direkt kein unmoralisches, ja oder schlechtes Verhalten gesehen. Außer das alle sehr viel trinken, klar aber das ist eben so. Ich will jetzt nicht auf allgemein Jugendliche gehen. Bisher habe ich da keine schlechte Erfahrung gemacht, dass die Leute nicht aufeinander geachtet haben.

Pistol: In der Vergangenheit war Rock Musik immer ein Teil Revolution. Glaubst du das Rockmusik heute noch irgendetwas verändern kann bei den Leuten? Ein Umdenken oder so?

Nyves: Also ich glaube, das das schon eigentlich vorbei ist. Damals war ja Rock Musik auch eigentlich die Musik die jeder gehört hat. So Siebziger, Achtziger ja jeder hat Rock gehört. So wie heute Popmusik so ein bisschen. Du hast eben eine größere Masse erreicht, allein dadurch hat es in dieser Hinsicht viel mehr bewirkt. Obwohl ich denke ein großer Teil hat dann doch nicht so die tiefgründige Message verbreitet. Außer vielleicht Sex, Drugs and Rock ’N‘ Roll. Ich habe das schon mal in einem Interview gesagt, dass meiner Meinung nach diese Zeit jetzt vorbei ist und unsere Generation eine ganz andere Message verbreitet.

Pistol: Ja da stimme ich dir zu was die jüngeren Bands betrifft. Man geht halt nicht mehr betrunken auf die Bühne, und auch im Backstage herrscht eher gähnende Langeweile, als die Party die manche Leute sich vorstellen.

Nyves: Es gibt da sehr unterschiedliche Bands, wir sind da tatsächlich wirklich viel ruhiger, alleine schon weil drei von uns gar keinen Alkohol trinken.

Pistol: Mal abgesehen von der Musik, was macht dich glücklich?

Nyves: Ich verbringe sehr, sehr gerne Zeit mit meiner Familie. Es ist schon eine große Familie, und natürlich verbringe ich gerne Zeit mit meinem Partner. Ich lese auch sehr gerne, wirklich sehr, sehr gerne...(Nyves macht eine kleine Pause) und ich versuche etwas zu bewirken. Aber belassen wir es dabei, sonst würde das etwas länger dauern.

Pistol: Nein ist schon gut, du musst ja auch deine Stimme etwas schonen. Ok die Folgefrage bezieht sich auf das Musikerleben, welches ja oft recht stressig ist. Auftritte, Proben, Studio….Interviews. Bleibt da noch Zeit für eine Beziehung oder ein normales Familienleben?

Nyves: Ja! Also zumindest bei uns, weil wir sind ja noch ziemliche Newcomer. Vielleicht nicht so jung im Alter (auf alle Fälle jung genug – Anm. des Verfassers), aber als Band sind wir noch sehr jung. Naja so viel ist jetzt noch nicht, das wir jetzt beispielsweise drei Monate am Stück auf Tour sind oder so. Aber es ist schwierig mit dem Job tatsächlich, ich finde es ist mit Abstand das Schwierigste es so zu kombinieren, das du deinen Job behalten kannst. Du brauchst ja nun mal ein festes Einkommen, willst aber ja gleichzeitig auch keine Touren oder Konzerte absagen müssen.

Pistol: Nee ne, das ist genau diese Gratwanderung. Du planst irgendetwas, und dann kommt dein Booker und sagt „Ey ihr habt da und da einen Auftritt“

Nyves: Ja genau so, das ist echt sehr schwierig.

Pistol: Wie gesagt ihr seid noch eine sehr junge Band, auch wenn du meinst altersmäßig nicht haha, dafür sterben die alten Supergroups aus. Wie siehst du die Entwicklung dort? Wer wird in zehn Jahren an der Spitze sein? Ich sehe da zurzeit gar keinen Nachwuchs der diese Klasse erreichen kann.

Nyves: Ja echt schwierig, ich habe mir schon öfters Gedanken darüber gemacht wer das sein könnte. Also von den neuen Bands kann ich mir gerade echt keine vorstellen, die so wirklich bleibt. Außer vielleicht die die schon da sind, aber auch nicht mehr so neu sind, und auch schon zehn Jahre existieren wie zum Beispiel Parkway Drive. Ich denke die werden definitiv bleiben, oder Bring Me The Horizon haben echt ein krasses Level erreicht. Speziell jetzt in dieser Szene.

Pistol: Ja die Frage die ich mir stelle ist nach der Beständigkeit. Es sind keine Metallica, oder Iron Maiden von mir aus auch die Rolling Stones. Das ist nochmal eine ganz andere Ebene.

Nyves: Ja aber die Bands die ich eben erwähnte ziehen schon sehr, sehr viel Leute. Ich glaube die kommen dem schon ziemlich nahe. Ich kenne jetzt nicht so viele amerikanische Bands. Zugegebener Weise höre ich aber privat auch selten Core Musik.

Pistol: Engagiert du dich auch für andere Projekte, also beispielsweise im Umweltschutz, politisch oder für caritative Zwecke?

Nyves: Sagen wir mal so, ich versuche sehr meinen Geist zu entwickeln. Aber mehr privat nicht unbedingt im öffentlichen Bereich. Ich male sehr gerne, und wie ich schon sagte lese ich eben sehr gerne. Darauf baue ich auf, naja und plane natürlich auch einiges für die Zukunft da sin diese Richtung geht. Das wird definitiv mein nächster Lebensabschnitt sein, auf den ich mich vorbereite.

Pistol: Also lasst ihr euch auch nicht vor einen Karren spannen, also wenn irgendeine Veranstaltung, jetzt mal ungeachtet welcher Ausrichtung, sagt wir wollen euch als Venues auf unserem Event damit ihr für uns Werbung macht?

Nyves: Mit der Band sind wir politisch zum Beispiel da raus, wir möchten neutral bleiben. Definitiv auf jeden Fall! Das Einzige, was wir vielleicht machen würden, sofern denn eine Anfrage in dieser Richtung kommen würde, wäre gegen rechts zum Beispiel. Da denke ich ja auf jeden Fall!

Pistol: Das gibt es ja in Köln auch schon ewig, dieses „Arsch huh, Zäng ussenander“ da machen dann auch die ganzen lokalen Bands dann mit. Diese Aktion jetzt in Chemnitz, da habe ich persönlich den Eindruck, die Leute sind da in erster Linie wegen der Party hin, und nicht wegen dem Hintergrund.

Nyves: Das ist meistens das Problem.

Pistol: Ich finde wenn da 65.000 Leute sind, schauen sich die Toten Hosen an und lassen es dann alkoholmäßig krachen, das geht irgendwo am Ziel vorbei.

Nyves: Naja man hat wohl auch Geld gesammelt was dagegen wirken soll. Eigentlich traurig, aber ja so ist es eben.

Pistol: Gut, gibt es eine Frage die du gerne mal beantworten möchtest, die dir aber noch nie jemand gestellt hat?

Nyves: Oh (überrascher Gesichtsausdruck)

Pistol: Haha da sagen fast alle „Oh!“

Nyves: Fällt mir jetzt spontan nichts ein, mir wurden ja schon einige Fragen gestellt, aber dazu fällt mir tatsächlich jetzt überhaupt nichts ein was ich gerne beantworten würde.

Pistol: Siehst du, deswegen meine Frage danach was dich glücklich macht. Das habe ich zuletzt in einem anderen Interview als Antwort bekomme. Nie fragt jemand danach! Alle wollen immer nur wissen, wie ist die nächste Platte, was soll dieses und jenes bedeuten und so weiter.

Nyves: Ja das war auch eine sehr schöne Frage, klar. Wirklich sehr schön!

Pistol: Gut, dann bedanke ich mich für deine Zeit und das Interview trotz deiner angeschlagene Stimme. Möchtest du noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

Nyves: Also erst einmal danke für deine Zeit. Ja die Stimme ich muss jetzt gleich noch zum Soundcheck oh jeh. Ansonsten gebe ich euch mit, was ich immer mitgebe. Bleibt euch treu besonders in dieser Zeit. Versucht tatsächlich euch selbst zu finden, in euch nicht außerhalb von euch und entgegnet allem mit offenem Herzen. Einfach Offenheit im Allgemeinen!

 

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SPOIL ENGINE

von pistol

Der heutige Interview-Termin mit Sängerin Iris Goessens von Spoil Engine führte mich in das benachbarte Landgraaf in den Niederlanden. Genauer gesagt, zum Oefenbunker. Dort findet heute das alljährliche Bunkerpop statt, quasi die Eröffnungsparty der diesjährigen Konzertsaison in dem kleinen, aber feinen Club. Den Kontakt hatte unser Freund Theo Samson arrangiert, vielen vielleicht noch bekannt aus dem ehemaligen Rock Temple in Kerkrade. Nachdem ich mit den Bandmitgliedern schon am Merchandise-Tisch geredet hatte, erschien dann Front-Lady Iris und nahm mich direkt mit in den Backstage-Bereich. Und ich war dann doch überrascht, wie jung dieses überaus sympathische Mädel noch ist. In den offiziellen Videos oder auf Pressefotos wirkt sie teilweise viel älter. Da die Band im Anschluss an den Auftritt in Landgraaf noch eine Show in Charleroi anstehen hatten, verloren wir dann auch keine Zeit und suchten uns eine ruhige Ecke zum Plauschen. Es ergab sich ein amüsantes Gespräch, in dem Iris mir teilweise schon die Antworten auf Fragen gab, die ich noch gar nicht gestellt hatte. Aber lest selbst!

Pistol: Hallo Iris! So, ich bin bereit. Wir können starten!

Iris: Yeah, lass uns beginnen!

Pistol: Kannst Du mir etwas über die Entstehung der Band erzählen? Und wie ist die aktuelle Besetzung?

Iris: Gut, also ich bin vor etwa zweieinhalb Jahren zu Spoil Engine gekommen, allerdings gibt es die Band schon viele Jahre. Aber sie hatten einen Mann als Sänger. Mit mir gibt es bisher ein Album, „Stormsleeper“, welches von Arising Empire veröffentlicht wurde.

Pistol: Ja, das habe ich auf Vinyl.

Iris: (lacht) Yeah, das dachte ich mir schon. Die Hälfte der Band ist übrigens aus Belgien und die andere Hälfte aus den Niederlanden. Das ist ein sehr schöner Mix, weil jeder seine eigenen musikalischen Einflüsse hat. Da kommen manchmal sehr interessante Songideen zustande.

Pistol: Es gab also keine Besetzungswechsel mehr in der letzten Zeit?

Iris: Eigentlich nicht. Unser letzter Line Up-Wechsel war Dave, unser Bassist. Aber er ist jetzt auch schon über ein Jahr dabei. Ansonsten ist alles so geblieben.

Pistol: Wie Du gerade schon gesagt hast, habt Ihr mit einem männlichen Sänger angefangen; also ähnlich wie Holy Moses oder auch Arch Enemy zum Beispiel. Was war der Grund dafür, nun mit einer Frau als Sängerin weiterzumachen? Eine sehr gute Wahl übrigens!

Iris: Jaja, yeah! (lacht herzlich) Ja, sie haben dreißig Castings gemacht, mit männlichen und weiblichen Vocals. Sie wollten einen speziellen Sound und waren daher offen für jede Art von Sängerinnen und Sänger. Dann haben sie gedacht, ich wäre wohl die beste Wahl, für die Richtung, die sie einschlagen wollten. Deswegen wählten sie mich aus. Sie haben über ein Jahr gesucht, mit vielen, vielen Castings, Live-Interviews und so was alles. Ich musste zwei Stücke aufnehmen, also zu Hause. Dann gingen wir ins Studio und haben ein Stück richtig aufgenommen; so richtig professionell, verstehst du?Ja, so war das, wie sie mich ausgewählt haben. Unabhängig von meinem Geschlecht, es war nicht so das die Band sagte, „Oh, wir müssen jetzt eine Frau als Sängerin haben!“.

Pistol: Nein, das habe ich auch nicht gedacht. Gut, wie Du eben auch schon vorweg genommen hast, kommen die Bandmitglieder aus Belgien und den Niederlanden. Wie verständigt Ihr Euch untereinander? Sprecht Ihr Niederländisch, Flämisch oder Englisch?

Iris: Gut, sie kommen von dem niederländischen Teil Belgiens, und so sprechen wir die gleiche Sprache.

Pistol: Okay, also nicht aus dem französischsprachigen Teil Belgiens…

Iris: Oh nein, nein, nein, das wäre um einiges schwieriger (kann sich das Lachen nicht verkneifen)! Gut, ab und zu haben wir schon einmal Dialekt-Probleme, und ich denke, „Hm, was sagt er da gerade?“ Aber das klappt schon. Wir kommunizieren Niederländisch.

Pistol: Kannst Du uns etwas über Deinen Background erzählen, kommst Du aus einer musikalischen Familie? Und wann hast Du damit angefangen, Metal zu singen?

Iris: Ich glaube, ich war so vierzehn oder fünfzehn Jahre alt, als ich mit dem gutturalen Singen angefangen habe.

Pistol: Also im letzten Jahr quasi, haha!

Iris: (lacht) Nein, aber ich habe damit angefangen, bevor ich den Klargesang trainiert habe. Erst habe ich diese harte Art zu singen gelernt und dann das Klare. Die meisten Sänger machen das genau umgekehrt. Zuerst lernen sie sehr klar zu singen, und dann erst das Gutturale. Ich war sehr interessiert daran, wie das überhaupt funktioniert. Weil ich wusste nicht, wie ich es machte. Ich machte eben einen bestimmten Sound. Du, so habe ich vor etwa anderthalb Jahren damit begonnen, andere Leute zu unterrichten. Eigentlich für mich selbst, um zu sehen, kann ich den Leuten damit helfen, wenn ich sie unterrichte. Dann gibt es hier eine große Firma, das „Vocal Center“, und sie zeigten mir, wie man unterrichtet. Ich wusste vorher nicht, wie man das anstellt. So wurde die Musik zur Hauptsache. Zu meinem musikalischen Hintergrund: Also, meine Eltern hören zwar Musik, sind aber keine Musiker. Ich begann mit etwa zwölf Jahren, Gitarre zu spielen, entdeckte dann aber das Singen für mich. Dann dachte ich, okay, es gibt so viele Gitarristen, und wir brauchen eine Sängerin. Man kann es ja mal mit mir versuchen, haha!

Pistol: In den letzten Jahren habt Ihr auf vielen großen Festivals gespielt, wie zum Beispiel auf Wacken, beim Summer Breeze, Graspop Metal Meeting und einige mehr. Wie sieht es denn mal mit einer Headliner-Tour aus?

Iris: Ich denke, wir werden wahrscheinlich anfangen, neues Material zu komponieren. Klar, wir könnten jetzt eine Headliner-Tour machen, aber wir waren ja gerade in Frankreich, Deutschland und England. Wir werden wohl neue Songs machen, aber das müssen wir noch diskutieren. Wir haben aber noch ein paar Termine in Belgien und den Niederlanden. Vielleicht organisieren wir noch etwas zum Jahresende; das wird dann aber Dezember. Es steht aber noch nichts fest. Es ist alles noch in Planung.

Pistol: Warum sollten Leute sich eine Spoil Engine-Show ansehen?

Iris: (lacht lauthals los) Weil es ein Riesenspaß ist! Wir versuchen immer, eine große Party daraus zu machen, also nicht die fünf seriösen Leute auf der Bühne, die das bierernst nehmen wie manche andere Metal-Band (Da musste ich mal kurz die Manowar-Faustbewegung machen – Anm. des Verfassers), ja genau, so mit Dauergrinsen und die Fäuste in der Luft. Die Fans sollen einfach eine gute Zeit haben.

Pistol: Brothers and Sisters of Metal…

Iris: Ja, haha, in der Tat!

Pistol: Heute geht es nach der Show noch nach Charleroi zu einem Festival. Ist das nicht stressig zwei Auftritte am gleichen Tag?

Iris: Ja, mal sehen. Ich habe das noch nie gemacht. Ich habe den Jungs schon gesagt, dass ich nicht weiß, wie das funktioniert. Aber wir werden es versuchen, obwohl ich echt nicht weiß, wie es werden wird. Für mich ist es das erste Mal, zwei Auftritte hintereinander zu singen.

Pistol: Wer ist denn für das Songwriting zuständig? Und trefft Ihr Euch regelmäßig zum Proben, oder läuft das alles online?

Iris: Wir proben in Antwerpen. Das ist so ziemlich in der Mitte. Aber am Anfang läuft das schon online. Wir senden uns Dateien hin und her und schauen, was passt; ich sage mal so achtzig Prozent etwa. Dann treffen wir uns natürlich nachher im Proberaum, spielen und perfektionieren den Song.

Pistol: Heute sind die meisten Musiker ja in mehreren Bands, unterrichten an Musikschulen, so wie Du, oder haben ganz normale Jobs. Das wäre eigentlich die Frage gewesen, die Du aber ja schon fast vorhin beantwortet hast. Hast Du denn noch einen normalen Job?

Iris: Nein, ich mache nur Musik und unterrichte. Da liegt mein Fokus drauf. Wenn ich unterrichte, da geht es die ganze Woche um Musik. So bin ich immer mit Musik beschäftigt. Das ist mein Ziel. Ich gehe jetzt auf Tour durch Belgien und die Niederlande, um zu unterrichten. Das ist wirklich gut!

Pistol: Ja, das verstehe ich. Eine Freundin von mir hat auch eine Musikschule. Nebenbei spielt sie Gitarre bei Evanescence und hat noch eine eigene Band.

Iris: Oh wirklich? Das hört sich gut an!

Pistol: Vorher spielte sie noch in einigen anderen Bands, aber jetzt nur noch zwei und eben der Unterricht. Man muss eben sehen, dass man genug Geld zum Leben verdient.

Iris: Ja klar! Es macht großen Spaß, Leute zu unterrichten und ihnen etwas beizubringen. Und sicher, heutzutage es ist natürlich sehr schwer, mit Live-Musik genug zu verdienen. Und man möchte ja auch noch etwas für sich haben, wenn man viel spielt.

Pistol: Ihr seid jetzt bei Arising Empire unter Vertrag. Fühlt Ihr Euch dort gut aufgehoben?

Iris: Oh ja, sie kümmern sich um uns. Wir haben sehr guten Kontakt, speziell wenn wir in Deutschland auf Festivals spielen wie Wacken oder das Summer Breeze. Dann treffen wir immer wieder Leute vom Label, und es gibt ein herzliches „Hallo wie geht es euch? Habt ihr schon neue Pläne?“, und solche Dinge eben. Das ist wirklich schön.

Pistol: Sie unterstützen Euch also richtig?

Iris: Ja, definitiv!

Pistol: Heute wird die meiste Musik ja gestreamt. Da ist es für mich als alten Rock Dino super, Euer Album auf Vinyl zu haben. Schließlich werden meine Augen nicht besser mit dem Alter. Welche Art Tonträger bevorzugst Du?

Iris: (Lacht) Also wenn ich ehrlich bin, ich habe jede Menge digitale Musik. Das ist alles auf meinem Telefon. Und wenn ich die ganze Zeit unterwegs bin, kann ich ja schlecht meine Vinyls oder CDs mit auf Tour nehmen. Aber klar, wenn ich auf einem Konzert bin, kaufe ich auch schon mal eine CD oder sowas. Die ist dann aber mehr für die Vitrine. Sonst höre ich meist nur Spotify die ganze Zeit.

Pistol: Ja klar, wenn du auf Tour bist, ist das schon wesentlich praktischer.

Iris: Ja, genauso ist es!

Pistol: Aber mal weg von den üblichen Fragen: Wie siehst Du die derzeitige Entwicklung, speziell bei den Jüngeren? Ich spiele da ein wenig auf den Text von „Disconnect“ an.

Iris: Das ist wirklich ein Problem. Ich glaube, ich gehöre noch zu einer Generation irgendwo dazwischen. Aber wenn ich die Jugendlichen sehe, also Leute so acht Jahre jünger als ich, die hängen nur noch an ihren mobilen Telefonen. Wirklich die ganze Zeit! Instagram und soziale Medien, die ganze Zeit, unfassbar! Sie machen nur Fotos, es wird untereinander geliked.

Pistol: Das ist ihr ganzes Leben 24/7/365.

Iris: Ja, wirklich! So ist das! Ich verstehe das nicht! Ich bin froh, dass ich normal aufgewachsen bin, weißt Du, in Zeiten, wo man noch hinausging, um sich zu treffen, und nicht gestresst zu sein, wie man aussieht, weil man vielleicht nicht gerade up-to-date gestylt ist. Ich kenne Kids, die machen sich wirklich einen Kopf darüber, ob sie gut genug für Instagram aussehen. Da haben sie Zeit für. Sicher, ich schaue auch, was ich für eine Show anziehe, aber doch nicht jeden Tag. Ich weiß es nicht, aber ich denke, es ist nicht sehr hilfreich für sie, einfach weil sie dauernd die Bestätigung brauchen, dass sie gut aussehen, sie cool sind und so. Sie messen den Kommentaren der anderen Leute so viel Bedeutung bei. Wie soll sich das entwickeln, wenn sie mal älter sind? Wenn sie mal keine Freunde mehr in der Schule haben oder auf Instagram? Und die Eltern sind genauso drauf heutzutage: immer dieses, „Oh, lass uns ein Foto machen!“. Ich kenne Leute mit zweijährigen Kindern, und sie machen ständig Bilder von den Kids, egal was zur Hölle sie gerade tun. Das kann doch nicht positiv für die sein.

Pistol: Wie in einer Isolation, in einer großen Blase.

Iris: Ja, genau so! Also, ich sehe da wirklich einiges an Problemen kommen.

Pistol: Ihr seid noch eine sehr junge Band. Dafür sterben die alten Supergroups aus. Wie siehst Du die Entwicklung dort?

Iris: Das ist die große Frage. Natürlich hast Du einige Bands, wie zum Beispiel Avenged Sevenfold, die schon recht hoch im Kurs stehen zurzeit. Aber sie sind keine Metallica. Das ist echt die große Frage: Wer werden die nächsten Slayer oder Metallica sein?

Pistol: Oder Motörhead, Iron Maiden, Judas Priest?

Iris: Ja, oder auch Gojira jetzt. Die gehen im Moment steil nach oben, oder Parkway Drive, die höre ich sehr gerne. Obwohl ich denke, für viele ältere Metalheads sind sie schon zu modern. Ich weiß nicht, ob sie die gleiche Anerkennung bekommen werden, ob überhaupt noch Bands kommen, die Anerkennung in diesem Maß bekommen werden.

Pistol: Ich glaube es auch nicht. Derzeit sehe ich keine Band die diesen Level erreichen kann.

Iris: Ja, das ist wahr!

Pistol: Es gibt schon eine Menge gute Bands. Kennst du zum Beispiel Jinjer (Iris bestätigt)? Eine wirklich fantastische Band! Ich liebe sie!

Iris: Absolut, da hast du Recht. Ich habe Arch Enemy gesehen. Sie spielen ja auch auf den großen Bühnen.

Pistol: Ja, das tun sie, aber manchmal sind sie sehr seltsam, vor allem hinter der Bühne. Aber das ist eine andere Geschichte (Iris bestätigendes Lachen sagt mehr als tausend Worte – Anm. d. Verfassers), aber mal abgesehen von der Musik: Was macht Dich glücklich?

Iris: Also, in erster Linie bin ich eine Person, die in der Musik aufgeht. Aber heute nach den zwei Shows gehe ich mit meiner Freundin campen; einfach etwas chillen, Zeit miteinander verbringen. Das macht mich auch glücklich. Spaziergänge in der Natur, Anfang des Jahres reiste ich nach Neuseeland. Wir haben eine Rundreise dort gemacht. Das gab mir so viel Frieden und inneres Gleichgewicht. Alles, was man sich vorstellen kann. Wenn ich zulange allein bin, zu Hause zum Beispiel, dann werde ich… aarrgh, haha! Das ist etwas, was mich nicht glücklich macht. Ich muss zurück auf die Straße, auf Tour sein, reisen, solche Sachen eben, verstehst Du? Wenn ich das tun kann, dann ist es gut für mich.

Pistol: Das Musikerleben ist nicht immer einfach: Auftritte, Proben, Studio. Bleibt da noch Zeit für eine Beziehung oder ein normales Familienleben?

Iris: Ja, für mich auf jeden Fall! Meine Freundin und ich, wir haben beide unser eigenes Leben und geben uns auch reichlich Freiheit. Das ist der einzige Weg, wie eine Partnerschaft funktioniert, ohne dem anderen das Gefühl zu geben, daran zu ersticken. Aber so ist es wunderbar.

Pistol: Engagiert Ihr/Du euch auch für andere Projekte, also beispielsweise im Umweltschutz oder für caritative Zwecke?

Iris: Nein, also im Moment nicht. Aber ich versuche mein Bestes zu geben, den Müll zu trennen. Ich denke, es ist sehr wichtig, sorgsam mit der Umwelt umzugehen.

Pistol: Wahrscheinlich schon ein wenig zu spät…

Iris: Wohl wahr! Aber gestern noch schickte mir jemand einen Link, wo es darum geht, dass sie beginnen, die Ozeane zu säubern. Niederländische Studenten haben da etwas entwickelt, und vielleicht wird daraus etwas Großes in einigen Jahren.

Pistol: Gibt es eine Frage, die Du gerne beantworten möchtest, aber die Dir noch nie gestellt wurde?

Iris: Oh (lachend)! Nein, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Ich weiß nicht wirklich…

Pistol: Deswegen meine Frage, danach was Dich glücklich macht. Ich interviewte Lena von Infected Rain und fragte sie diese Frage. Darauf antwortete sie, dass niemand sie jemals gefragt habe, was sie glücklich macht.

Iris: Haha! Aber das ist etwas, was mich auch noch nie jemand gefragt hat, ja. Immer nur über die Band und die Musik, niemals über andere Dinge wie Beziehungen oder andere Dinge. Da fragt keiner nach.

Pistol: Nein, immer das gleiche: Was soll der Song bedeuten? Wann kommt das nächste Album?, und so weiter.

Iris: Ja, exakt! So ist das. Also, Du machst einen sehr guten Job hier heute!

Pistol: Da fühle ich mich geehrt! Aber es ist wirklich so: Du liest zehn Interviews, und immer werden die gleichen Fragen gestellt. Das ist einfach langweilig.

Iris: Du hast Recht. Da kommt nie mal etwas Neues.

Pistol: Gut, dann wollen wir mal zum Ende kommen. Du musst ja gleich noch auf die Bühne. Ich bedanke mich für dieses nette Gespräch und wünsche Dir und der Band weiterhin viel Erfolg! Möchtest Du noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

Iris: Sicher! Checkt unsere Band Spoil Engine!

https://www.arising-empire.com/artists/spoil-engine/

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Jutta Weinhold / Velvet Viper

von pistol

Meine liebe Freundin Jutta Weinhold hat eine neue Velvet Viper Platte am Start, und absolviert einige Gigs in diesem Herbst, darunter auch in NRW. So fand ich es einen idealen Zeitpunkt für ein Interview und heraus kam dabei ein netter Plausch mit viel Information, und einem großartigen Schlusswort von der Queen des Dramatic Metals. Juttas Antworten habe ich genauso gelassen, wie sie von ihr beantwortet wurden. Da blitzt immer wieder der Charme des jungen Mädchens durch, und sie hat dabei eine Menge zu erzählen. Aber lest selbst!

Pistol: Hallo Jutta, nun kennen wir uns schon viele Jahre, erst war ich ja nur ein Fan und dann hat sich ja im Laufe der Zeit so etwas wie eine Freundschaft entwickelt. Nun habe ich die ehrenvolle Aufgabe dich zu interviewen. Starten wir also mit der ersten Frage; wenn du die Zeit zurückdrehen könntest, was würdest du anders machen in deinem Leben?

Jutta: Ich würde mir die Zeit nehmen ein Instrument zu lernen, dazu kam ich NIE. Bands gründen, halten, neu besetzen ist ein Fulltimejob und ich kann sagen, ich habe 50 Jahre damit verbracht…. Lernen, ja, Klavier oder Gitarre. Außerdem würde ich mich verpflichten ein oder zwei Jahre in England zu leben, der schönen Sprache wegen….Übrigens freue ich mich sehr, dass ich Dich und Andrea kennengelernt habe, dass wir befreundet sind und so manchen Sturm überstanden haben -smile-

Pistol: Ich schätze dich als eine Person mit Rückgrat ein, aber nur mal angenommen, man hätte dir damals eine glorreiche Karriere als Schlagersängerin garantiert. Wäre dann eine Band wie Zed Yago entstanden?

Jutta, Nein natürlich wäre dann Zed Yago nicht entstanden. Ich wäre vielleicht Moderatorin im Fernsehgarten Sonntags am Mittag – Brüller- Ok. Spaß bei Seite, man fängt an zu singen und wird erst mal viele Frösche küssen bevor man weiß, wer am besten küsst -smile- Hair und auch Jesus Christ Superstar waren ja die ersten Rockmusicals. Und das war für mich die beste Lehrzeit überhaupt. In jeder Beziehung. Man musste unbedingt fit sein, sonst war die Rolle weg. Es war manchmal grenzwertig, da „Klein-Jutti“ all das kennenlernte, das sie noch nicht kannte und das was ziemlich schwindelig macht. Da war Disziplin angebracht -trotz all dem ausprobieren wie weit kann es gehen. Aber Dinge zu Ende zu bringen hatte ich aber eigentlich schon in der Wiege. 1963 – 1966/67 habe ich Industriekaufmann gelernt und auch damals hatte ich nur das Singen im Kopf, Schülerbands etc. Aber es war klar, dass ich die Prüfung schaffen werde. Ich musste es mir selbst beweisen. Alles was ich anfange wird auch beendet. Das ist meine Ehrfurcht vor meinem Leben. Wo waren wir stehen geblieben? Ach so, die Schlager: Als ich die Songs mit Michael Holm aufgenommen hatte, wusste ich eigentlich, dass ich eine andere Musik machen will. Ich will „Cadillac“ nicht in die Tonne treten, aber ich hatte etwas Revolutionäres in mir und das konnte ich nur in der Rockmusik finden. Diese Musik hat nämlich etwas ganz Besonderes. Roots, fette Roots. Meine Mutter hat noch vor ein paar Jahren gesagt: Jutta, wenn Du Schlager gesungen hättest und schöne Kleider angezogen hättest, dann hättest Du auch viel Erfolg...ja...meine Mama, hat den Durchblick -smile- Sie hat ja recht: Deutschland einig Schlagerland. Aber mein Weg war schon vorbereitet durch meine Kulturrevolution, die ich ab Mitte der 60ziger erlebt habe. Diese Bands, diese Gitarrensounds.... die man zum ersten Mal gehört hat…. Hammer!

Pistol: Die wilden Zeiten im Rock ’N’ Roll mit Drogen, Sex und Alkohol sind ja bei den meisten Profimusikern heute augenscheinlich vorbei. Was gibst du jungen Musikern mit auf den Weg in dieser Hinsicht?

Jutta: Drogen gehen gar nicht. Dazu gehört auch Alkohol. Ich bedauere es sehr, dass es viele Bands gibt, die Alkohol total mit Musik verbinden. Ich würde Drogen nie glorifizieren. Allerdings glaube ich, dass dieses „Saufen“ um jeden Preis oft auch nur zum Artikel „sich wichtig zu machen“ gehört. Ich selbst trinke keinen Alk seit 1982, rauche nicht mehr und nehme keine Drogen. Natürlich habe ich ALLES probiert auch ausgiebig. Ich bin wie Obelix, der mal in den Kessel mit dem Zaubertrank gefallen ist und seitdem nichts mehr braucht -smile- Ich habe mir mal Gedanken über Drogen gemacht und habe vielleicht etwas herausgefunden: dass die Drogen damals in der Hippie Zeit nicht so heavy und gefährlich waren….möchte es aber nicht beschwören, ist nur meine kleine Meinung. Wenn ich damals nicht aufgehört hätte mit den „Little Helpers“ dann wäre ich sicher nicht mehr in der allerbesten Verfassung zu singen, was ich singen will und hätte sicher auch meine Energie und Leidenschaft verloren.

Pistol: Du bist seit vielen Jahrzehnten mit einem, meiner Meinung nach, der weltbesten Tontechniker zusammen ja sogar verheiratet Wie bekommt man das über so viele Jahre hin im Musikerbereich? Als attraktive Sängerin hattest du doch bestimmt massig Avancen von anderen Herren oder?

Jutta: Ja, eigentlich bin ich ein treuer Mensch und Ralf und ich passen gut zusammen, ich die Plaudertasche und er der typische Hamburger, der Moin sagt, würde er Moin Moin sagen, wäre er ein Schwätzer…Er ist ein großartiger Tontechniker und empfindet Musik auch, er hört sie nicht nur......Seit 1974 sind wir zusammen. Das ist gut so. Ganz ehrlich, es gab immer viele Groupies aber nur für die Musiker. Jungs sind schüchtern und so war die Gefahr für mich nicht so groß. Aber ich habe keinen Heiligenschein, man macht auch mal etwas sehr Dummes, aber man kann es auch reparieren.

Pistol: Deiner Bio entnehme ich, dass du nächste Jahr dein 50jährges Bühnen Jubiläum hast. Gibt es da eine Feier oder ein besonderes Konzert?

Jutta: Mal sehen. Unser Manager Willi Wrede wollte etwas auf die Beine stellen, aber ich kann noch nichts Genaues darüber sagen. Es ist schwer heute für einen alten Rock-Indianer genug Publikum zu ziehen. Da steht und fällt die Möglichkeit erfolgreiche Veranstaltungen zu machen. Es gibt viele gute junge Bands und die alten sind auch noch voll da und so bleibt nicht mehr viel übrig von dem Live-Kuchen. Heute ist es so, dass die etwas größeren Clubs oder Festivals sagen: wir wollen erst mal abwarten wie Velvet Viper so läuft. CD-Verkauf etc. Na da beißt sich die Katze in den Schwanz. Alles wird umsonst im Netz runtergeladen. Unsere Platte war noch nicht in den Läden, da war die ganze CD bei You Tube kostenlos zu haben. Ich verstehe das nicht, warum gönnen diese „Hochlader“ den Bands nicht ein paar Euro zu verdienen. Wir haben getextet, komponiert, produziert, finanziert…. und da sollte doch auch etwas reinkommen in die Geld-Börse. Ich sage Dir, mir tun die jungen kreativen Bands leid, die keine Möglichkeit mehr haben von ihrer Musik zu leben. Solange du einen anderen Job hast, der die Miete bezahlt, solange wird Musik nur noch an 2.oder 3. Stelle stehen und somit hat sie nicht mehr den Stellenwert, den sie, den die Kunst, braucht. Musik gehört ausschließlich an die 1. Stelle. Ein großes Thema Pistol....

Pistol: Du bist jetzt wieder mit Velvet Viper auf Tour, während viele jüngere Bands nicht so wirklich Interesse daran haben, oder sich teilweise sogar nach kurzer Zeit auflösen, weil ihnen der Tourstreß zu viel wird. Glaubst du es wird in einigen Jahren noch Konzerte in kleineren Locations geben?

Jutta: Ja. Zu meinem 70 Geburtstag am 19.10.2017 konnte ich mir den Wunsch erfüllen noch mal eine Metal Platte zu machen. Das alleine gibt mir schon ein warmes Gefühl in den Bauch -smile- Ich habe eine super Band, halb so alt wie ich und unser Gitarrist Holger Marx ist ein absoluter Schatz. Mit ihm zusammen entstehen die Songs und alles andere auch. Wir sind ein prima Team und ich freue mich, dass ich ihn vor ein paar Jahren geentert habe. Wir spielen wann immer es geht und versuchen den Gagen-Ball flach zu halten, denn das ist auch ein Problem unserer Zeit. Wenn du nicht in der 1.oder 2. Liga spielst, dann ist es schwer Festgagen zu bekommen. Meistens gibt es Abendkassenbeteiligung. Dann hat die Band 100 % Risiko. Das ist mega unfair, aber Realität. Take it or leave it. Wir ziehen es durch. Ich liebe die Bühne und das Publikum und wenn der Funke überspringt, dann ist doch alles ok. Dann schei..... auf die Gage -smile- Wir haben eine super neue Platte mit Velvet Viper und ein tolles Line Up: neben Holger ist Micha Fromm an den Drums und Ron Oberbandscheid am Bass dabei. Ich glaube es ist ein Zeichen unserer Zeit, dass die Leute keine Ausdauer mehr haben und wenn die Karriere nicht gleich da ist, dann geben sie auf. Aber es ist halt auch schwierig zu überleben…. Ich finde es schadet unserer Gesellschaft, denn dadurch geht viel künstlerisches Potential verloren. Ohne Geduld geht’s nicht. Geduld ist die halbe Miete. Ich habe mal einen Song von Alex Parche gesungen.... „Ich zieh' es durch bis zum Exzess“…. ja, bis ich beim zweigestrichenen C mal platze. Es ist erstaunlich, aber diese Musik ist immer noch meine Leidenschaft und Energie. Ich möchte nichts anderes machen. Mein kreativer Brunnen schöpft sich nicht leer und ich freue mich riesig, wenn ich einen guten Text geschrieben habe oder eine gute Melodie dazu gefunden habe…das ist für mich mehr wert als irgendetwas Materielles. Zum Beispiel Holger und ich haben jetzt 11 neue Songs in der Arbeit für eine nächste Produktion und wir sind begeistert. Mann, Mann, Mann, was für ein Hammer-Spaß und was für eine Satisfaktion.

Pistol: Wie ist das für dich, die alten Songs wieder zu spielen? Vielleicht erinnerst du dich an ein Gespräch, das wir mal vor einigen Jahren geführt haben, damals sagte ich dir, dass du die Zed Yago / Velvet Viper Sachen wiederaufleben lassen solltest. War das vielleicht mit ein unbewusster Ansporn für die Reinkarnation von Velvet Viper?

Jutta: Das kann sein Pistol, ich erinnere mich. Ich habe seit dem Split mit Zed Yago nie wieder meine Songs gesungen. Bis zu dem Moment als ich mein Buch „Die Tochter des Fliegenden Holländers auf der Suche nach der verlorenen Phantasie“ in den Händen hielt. Da hat ja auch Deine Frau Andrea Breitenbach das Cover dazu entwickelt.......Auf jeden Fall ist da ist der Knoten geplatzt. War bereit Zed Yago ohne den Kloss im Hals zu singen. Habe Musiker für die Jutta Weinhold Band gesucht und alles ging wieder los. Bald kam auch mein Bubi The Schmied dazu und wir hatten wie damals den Spirit. Bubi wäre auch bei Velvet Viper dabei, aber leider hat er am 2.1.2018 aufgehört zu atmen. So ein Schei......Ich kann es eigentlich immer noch nicht richtig glauben, dass er nicht mehr da ist. Ich denke sehr oft in ihn. R.I.P. mein alter Freund. Die Idee eine neue CD mit Velvet Viper zu machen kam durch Holger, weil ich in ihm einen Partner habe, der es mit mir durchzieht….

Pistol: Die Old School Dinos wie ich, die ein Album als physikalischen Tonträger besitzen möchten, werden immer weniger. Fast alles wird gestreamt oder ist in digitaler Form auf einem Speichermedium. Können wir trotzdem auf eine Vinylausgabe der Respice Finem hoffen?

Jutta: Es ist geplant für den Herbst Pistol.... Genaues weiß ich allerdings noch nicht. Das Label sagt: wenn die CD gut läuft, dann gibt’s auch Vinyl.

Pistol: Was viele Fans schon immer mal wissen wollten, spielst du eigentlich ein Instrument? Viele Musiker brauchen das ja zum Komponieren ihrer Songs, wie läuft das bei dir ab?

 

Jutta: Seit 1994 leite ich meinen Gospel-Rock-Chor in der Musikschule und dort habe ich mir ein bisschen etwas beigebracht. Ich hatte auch mal 1 Jahr Klavier-Unterricht, habe aber bald gemerkt, dass ich nie so gut spielen werde, wie ich singe.... also war diese Motivation gestorben. -smile- Ich befasse mit sehr intensiv und das regelmäßig mit Gesang. Mit der Technik, mit dem Atmen, mit der Intonation etc.…. alles was dazu gehört. Singen schüttelt man nicht aus dem Ärmel, es ist mit Fleiß verbunden…und mit Ernsthaftigkeit. Heiter ist das Leben, Ernst ist die Kunst -smile- (beide Zitate von Goethe ausgeliehen) Vor den Applaus haben die Götter den Schweiß gesetzt. Meine Arbeitsweise: ich habe eine Idee schreibe den Text und dabei entsteht schon mal eine Melodie für Strophe, Bridge oder Refrain…ich gebe mir die Töne auf meinem Klavier und guck ob es mich kickt......das alles singe ich dann Holger vor und er findet das Riff und die Gitarren-Begleitung, die dazu passt. Das ist ein großartiges Arbeiten. Oder Holger hat ein Riff, spielt es mir vor und ich überlege welcher Text passen würde…Ich mag das Zusammenspiel. Ich finde auch das ist ein Teil der Rockmusik. Gemeinsam entsteht das worum es geht. Miteinander...

Pistol: Aber mal weg von den ständig gleichen Fragen der meisten Interviews, wie können sich die Fans den Alltag einer Jutta Weinhold denn so vorstellen? Hast du noch andere Hobbys außer dem Singen, oder engagierst dich für bestimmte Dinge?

Jutta: Hm, eigentlich dreht sich im Moment alles um die Musik. Das hat Priorität. Ralf und ich haben ein Haus mit Garten und Katzen. Da gibt es viel zu tun. Ich bin -wahrscheinlich ein Gen von Mama- sehr ordentlich und alles muss tip top sein. Der Garten macht mir viel Spaß und ich als altes Landei, meine Eltern waren ja Weinbauern, habe es nicht verlernt. Seit zwei Jahren gibt’s auch Beeren bei uns. Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren, und ein paar Erdbeeren. Heute habe ich den ersten Stachelbeer-Gelee gekocht. -smile- Ich habe ganz großen Spaß daran morgens aufzustehen und direkt am Strauch die Himbeeren zu pflücken und natürlich auch zu verspeisen. Da schmecken Früchte am besten. Ich koche auch ganz gerne. Keine vor gefertigten Speisen, alles selbst zubereitet mit viel Gemüse und Salat. Fleisch höchsten 1-2-mal in der Woche und dann auch kleine Portionen. Meine Kuchen sind die besten Rezepte von meiner Mama......handgemachte Buttercremetorte der Hammer. Wird meistens von meinen Elfen vom Chor zum Geburtstag gewünscht. Ach ja, Brot backe ich auch. Schon seit 25 Jahren -smile- Also alles ziemlich normal. Ja, und ansonsten bin ich eine Leseratte. Jede freie Minute gehört den Büchern. Ich bin sehr begeistert von russischer Literatur und natürlich auch die deutschen Klassiker, außerdem Fan von Stephen King. Krimis lese ich gerne. Gedichte ja und dann sitze ich oft sehr lange am Computer und beantworte Interviews -smile- Bin auch bei Facebook ziemlich aktiv. Ich finde Facebook ok. Es ist eine kostenlose Werbung, man bringt sich ins Gespräch und kann für die Gigs etc. ein bisschen klappern -smile- Man hat auch viel Kontakt mit Menschen. Ich beantworte jeden Kommentar und auch jede Persönliche Nachricht. Ehrensache. Mir macht es Spaß zu lesen, was die Freunde so schreiben......Jemand gibt mir Aufmerksamkeit, dann bekommt er Aufmerksamkeit auch von mir zurück. Ist nur fair. Partei-Politisch engagiert bin ich nicht, höchstens Gesellschaftspolitisch, da treibt es mir manchmal die Tränen in die Augen, wenn ich sehe was so abgeht......Mann, Mann, Mann, da denke ich manchmal, gut dass ich keine 18 mehr bin. Das ist jetzt auch wieder ein sehr komplexes Thema lieber Pistol…wir schreiben ja kein Buch -smile- Was ich wichtig finde: Jeder Mensch wird dazu geboren für sich zu sorgen. Das ist seine Pflicht. Wenn er sich daran hält dann hat er auch alle Rechte, die das Land ihm bietet, verdient. Und ob diese Einstellung heute noch vorherrscht? Da habe ich oft meine Zweifel. Ein gutes Zitat von Seneca: Was das Gesetz nicht verbietet, verbietet der Anstand.

Pistol: Du wohnst ja in einem sehr schönen ländlichen Bereich. Könntest du dir vorstellen in der pulsierenden Hektik einer Großstadt, wie das nahe Hamburg beispielsweise, zu leben, oder brauchst du diesen ruhigen Ort um dich auch mal rauszunehmen?

Jutta: Oh je, denke ich an Hamburg, eine tolle Stadt......ich glaube ich würde keinen Parkplatz mehr finden -smile- allerdings habe ich eine Vespa und damit könnte es gehen. Es war eine super Zeit mitten in Hamburg von 1974 – 1993 aber auf dem Land hier in der Nordheide ein bisschen südlich von Hamburg, ist es auch sehr schön und wir fühlen uns zu Hause. Wir sind auch in 30 Minuten mitten drin in Hamburg. Ich bin ja sowieso das Landleben gewöhnt und konnte mich auch ganz schnell hier zurechtfinden. Kontaktaufnahme bereits am ersten Tag und 2 Wochen später kam schon die Musikschule, der Chor und so kenne ich alle und die Heidjer kennen mich. Alles gut!

Pistol: Die Welt von heute ist in ständiger Aufruhr, es gibt Kriege, Katastrophen, Hungersnöte, Epidemien und immer wieder Umweltereignisse bis hin zu nuklearen Zwischenfällen. Wie siehst du die Zukunft für dich und dein Umfeld?

Jutta: Wenn wir nicht aufpassen, dann sägt der Mensch den Ast ab auf dem er sitzt. Wenn man mal zurückschaut: jede Kultur hat sich bis heute selbst zerstört, nicht von außen, sondern von innen ging sie zugrunde. Jeder muss bei sich selbst anfangen Dinge zu verändern und dann an sein Umfeld rangehen. Ich bin Mitglied bei Greenpeace und finde, die machen eine gute Sache. Es ist erschreckend, dass die Gier nach Geld und Macht keine Rücksicht nimmt auf Klima, Umwelt etc. Leider werden die „Warner“ nicht ernst genommen und so macht der Mensch immer wieder dieselben Fehler Und auch was politische Tendenzen angeht, hallo -nichts dazu gelernt-?

Pistol: Jetzt mal eine rein hypothetische Frage, der Wahlkandidat deiner Heimatregion bittet dich darum, seinen Wahlkampf zu unterstützen, und mit deinem guten Namen für ihn zu werben. Unabhängig von der Zugehörigkeit der Partei, wie wäre deine Reaktion?

Jutta: Würde ich nicht machen, denn Politik ist nicht mein Beruf.

Pistol: OK ich bedanke mich für deine Zeit, und wenn du möchtest kannst du noch ein paar Worte an unsere Leser richten. Wir sehen uns dann im Wuppertaler LCB am 14ten Dezember.

Jutta: Ich bedanke mich für Deine Fragen Pistol, die waren mal ein bisschen anders…cool. Für die jungen Musiker: mein Rat: ihr müsst eine Musik machen, die eurer Mentalität entspricht. Dann seid ihr ein Original und darum geht’s in der Musik. Bitte nicht so viel covern, eigene Songs, eigene Texte berühren Herz und Verstand und geben die wirkliche Satisfaktion. Für die Leser: Leute bitte geht in die Clubs hört euch Bands an, die ihre eigene Musik spielen, nur so kann man die Veranstaltungen durchziehen, die Musiker ernähren und letzten Endes diese geile Musik am Leben erhalten. Noch etwas. Live Musik ist nur für den Moment gemacht und soll nicht konserviert werden, also lasst eure Handys in der Jacke, konzentriert euch auf die Musiker und die Musik, denn deswegen seid ihr doch im Club. Nur mit euch, den Fans, den Freunden, dem Publikum wird Live-Musik zum GANZEN. -ohne Handy! Ganz privat: ich bitte euch keine Live-Aufnahmen bei you Tube hochzuladen. Ich bin zum Beispiel ein Handy-Banause, besitze keins und lebe -smile- Everything is possible with the power of soul. Musik, egal welcher Stil muss berühren. Das ist der Sinn des Ganzen. Ja, ich freue mich, wenn euch meine Worte etwas bedeuten, dann sehen wir uns am 14.12. in Wuppertal.

Pistol Schmidt

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Pokerface

von pistol

Nachdem ich vor einiger Zeit das aktuelle Pokerface-Album „Game On“ rezensieren durfte und davon total geflasht war, freute ich mich wie Bolle auf die anstehende Tour. Dass dabei noch ein Interview-Termin mit Alexandra „Lady Owl“ Orlova herauskam, bedeute natürlich die Krönung des Ganzen. Wir, also die komplette Band und ich, trafen uns bei Theo im Biergarten des Café Zaal De Reunie in Holland zum zwanglosen Plausch; nicht ohne vorher Theos Angebot wahrzunehmen und mal ordentlich bei dem Gegrillten zuzulangen. Auf jeden Fall ergab sich ein sehr nettes Gespräch, auch mit den Mitgliedern von Feelament, die am Nachbartisch speisten. Die leichten Hindernisse, wenn zwei total unterschiedliche Muttersprachen zusammentreffen und man sich in einer dritten Sprache unterhält, meisterten wir mit Bravour. Manche Fragen musste ich des Verständnisses wegen ein wenig abwandeln, aber trotz allem wurde viel gelacht. Aber lest selbst!

Pistol: Hallo Alexandra, schön Dich hier zu treffen! Ich habe ein paar Fragen die die Fans interessieren. Wann wurde die Band gegründet, und wer sind die derzeitigen Mitglieder?

Alexandra: Hallo Pistol! Die Band wurde in 2013 gegründet, aber von den ursprünglichen Mitgliedern ist heute keiner mehr dabei. Es gibt also keine Gründungsmitglieder mehr in der Band, da alle Positionen neu besetzt wurden. Zurzeit bin ich, Alex, die Sängerin, dann Xen Ritter die Gitarristin, Dmitry spielt den Bass, Roman am Schlagzeug und unser neuer Gitarrist Michael. Wie ich schon sagte, wurde die Band 2013 von Doctor unserem Ex-Schlagzeuger gegründet. Er ist aber immer noch Mitglied; sozusagen ein Seelenverwandter.

Pistol: Und denkst Du, das es jetzt das endgültige Line-Up für Pokerface ist?

Alexandra: Hahaha! Ich hoffe das sehr, aber ich bin mir nicht sicher, ob es das endgültige Line-Up ist. Ich denke, es kann immer wieder mal Besetzungswechsel geben. Ich kann das so genau gar nicht sagen. Wir sind eben immer auf der Suche nach interessanten Musikern, die die Band weiter nach vorne bringen können und sie auch perfektionieren.

Pistol: Ihr kommt aus Russland; ein sehr weiter Weg. Kannst Du mir etwas über die Metal-Szene dort erzählen? Ist dort überhaupt eine Szene für Metal?

Alexandra: Hm, es ist verdammt schwierig über etwas zu erzählen, was eigentlich nicht existiert. (lacht herzlich) Ja, wir haben schon einige große Bands und auch Labels für Metal-Musik. Aber da gehören Pokerface und andere Underground Bands definitiv nicht zu. Die meisten Leute in Russland lieben es, Rap oder Hip Hop oder ähnliche Sachen zu hören. Die Metal-Szene ist recht armselig. Ja okay, sie existiert, aber es gibt wirklich nur einige wenige große Namen. Die sind aber schon immer da, also leider nichts wirklich Neues. Es ist sehr, sehr hart, dort eine neue Metal-Band von Bedeutung werden zu wollen. Es ist ein klein wenig einfacher als Metalcore-Band, weil wir das Metal-Label Booking Machine haben, wenn ich mich richtig an den Namen erinnere (ja, korrekt, Alex, das stimmt so – Anm. d. Verf.). So gibt es ein paar Möglichkeiten für Metalcore-Bands, aber trotzdem kann man nicht von einer richtigen Metal-Szene sprechen. Klar sie existiert, aber sie ist nicht wirklich von Bedeutung.

Pistol: Also gibt es durchaus Venues, wo man spielen könnte, aber es ist schwierig Gigs zu bekommen?

 

Alexandra: In Russland, meinst Du?

Pistol: Ja, genau.

Alexandra: Nein, es ist nicht schwierig, aber die Leute erwarten keine andere Band außer dem Headliner. Du kannst zum Beispiel den Support für eine bekannte Band spielen, aber das Publikum nimmt keine Notiz von Dir. Sie wollen nur den Headliner sehen. Sie erwarten nicht, dass noch jemand anderes dort spielt. Und die meisten mögen Dich einfach nicht. Trotzdem sind wir glücklich darüber, auch einige Shows in Russland spielen zu können. Wir sind glücklich darüber, dass manche Veranstalter uns haben wollen. Meistens ist es zwar nicht in Moskau, aber in Regionen, wo wir durchaus als neuer Headliner für neue russische Metal Festivals eingeladen werden. Ich hoffe, dass es positiv für uns ist.

Pistol: Und wie ist das durch Europa zu touren? Magst Du das? 

Alexandra: Ja, sicher! Für uns ist das eine ganz neue Erfahrung, durch West-Europa zu touren. Bisher waren wir nur in Ost-Europa unterwegs, und das ist eine total andere Erfahrung. Es ist wirklich gut! Aber zu touren ist immer schön.

Pistol: Ich habe vorher noch nie von Euch gehört, bis ich euer Album „Game On“ letztes Jahr für eine Rezension bekommen habe. Und dann war ich total geflasht, und ich denke, ich habe eine sehr gute Bewertung geschrieben (Alex wirft ein „Oh Danke“ ein) Warum gibt es so wenig Werbung für Pokerface?

Alexandra: Du meinst, in Europa? Ja, wir sind halt eine Independent-Band und haben kein Label oder einen Vertrag. Wir müssen alles selber machen, und wir tun wirklich alles, was uns möglich ist, um die Platte zu promoten. Wir versuchen alles, was uns in dieser Hinsicht möglich ist. Es gab auch schon mehrere Versuche, bei einem Label zu unterschreiben, aber das klappte nicht so richtig. Gut, wir haben bei einem französischen Label, M&O Music, unterschrieben. Das ist jedoch mehr so eine Partnerschaft. Sie sind also nicht unser Boss, sondern mehr ein Vertriebspartner. Das ist alles. Ja, wir suchen weiter nach einem guten Label.

Pistol: Warum sollten die Leute zu einer Live-Show von Pokerface gehen?

Alexandra: Weil (sehr langgezogen), hahahaha, es einfach gute Musik ist! Wir bieten eine gute Live-Show, und während der Show leben wir unsere Leidenschaft aus und versuchen, es den Leuten zu vermitteln. Und die Leute lieben es. Du kannst Dich nicht mehr an eine Show erinnern, wenn Du sie nicht gemocht hättest, oder? Es ist einfach gut, eben Qualität! (lacht)

Pistol: Und was macht einen Pokerface-Song aus? Um was geht es dabei? Manche Bands singen über Wikinger, Kriege und wieder andere über Liebe. Wie ist das bei Euch?

  Alexandra: Ach so, jetzt verstehe ich! Die meisten unserer Texte handeln überwiegend von dem inneren Krieg, den jeder irgendwann einmal mit sich führt; die eigenen Dämonen und Monster, weißt du? Das aktuelle Album handelt größtenteils vom Kampf mit den inneren Dämonen. Falls Du unseren aktuellen Videoclip „Creepy Guests“ gesehen hast, weißt Du, was ich meine. Ich spiele da mehrere Charaktere, die mit sich selber kämpfen. Und das ist es, wobei es in den meisten Stücken geht.

Pistol: Jetzt habe ich mal eine mehr private Frage an Dich: Du trägst den Spitznamen „Owl“ oder auch „Lady Owl“. Nun ist die Bezeichnung „Eule“ für eine Frau im Deutschen alles andere als nett gemeint. Wie kommt eine so sympathische, hübsche Frau wie Du zu diesem Spitznamen?

Alexandra: Haha, das kommt noch aus meiner Kindheit. Ich habe einfach immer alles mit Eulen gesammelt. Es ist wie mein Avatar. Aber ernsthaft: Ich habe als Kind in einem Biologie-Buch gelesen und sah auf einmal dieses Bild der weißen Eulen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Als ich später meinen ersten Computer hatte, habe ich angefangen, alles an Fotos und Videoclips über diese wundervollen Tiere runterzuladen. Dann begann ich, alles zu sammeln, was mit Eulen zu tun hatte, und ich tue das bis heute.

Pistol: Na, das ist doch eine interessante Geschichte! Gut, zur nächsten Frage: Hat sich der Ehrgeiz der Band seit Beginn verändert?

Alexandra: Nun, ich bin ja kein Gründungsmitglied, aber wenn ich mich recht erinnere, startete Pokerface als Cover-Band. Dann erst begann der Wechsel in Richtung einer starken Independent-Band. Die Band fing an zu touren. Klar sie wurden ehrgeiziger, und die Ziele änderten sich.

Pistol: Ja, genau das meinte ich. Wie weit würdet Ihr für den Erfolg gehen, und wo wäre die Grenze?

Alexandra: Ich bin mir nicht sicher, ob wir eine Grenze ziehen würden. Wir haben immer eine Menge an Herausforderungen, wenn wir auf Tour sind. Zum Beispiel ist unser Van aktuell defekt und steht in Lünen in der Werkstatt. Wir waren gezwungen, nach einer Lösung zu suchen, also mussten wir, um weiterzukommen, einen Ersatzwagen anmieten. So sehen wir uns öfter irgendwelchen Schwierigkeiten gegenüber, aber wir werden deswegen nicht aufhören, an uns zu glauben. Eine Menge Dinge, die wir eigentlich so nicht geplant hatten, aber deswegen werden wir nicht stoppen. Das sind die Dinge, die die meisten Leute ja gar nicht mitbekommen. Wir tun alles dafür, dass es weitergeht. Aufhören? Warum? Vergleiche es mit anderen Bands, die auch Erfolg haben. Nein, wir wollen keine Grenze ziehen.

Pistol: Und was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Alexandra: Also, im Moment touren wir, und ich denke, dass wir im Herbst wieder kommen. Nach der Tour fangen wir dann damit an, ein neues Album zu schreiben. Dabei schauen wir auch einmal nach anderen Richtungen. Zurzeit spielen wir ja reinen Thrash Metal, aber ich denke, auf dem neuen Album werden wir auch ein paar Experimente wagen; mal mit verschiedenen Stilen herumprobieren, zum Beispiel mehr Melodic Death Metal-Elemente außer dem Thrash, wobei der Thrash-Stil aber immer noch die Hauptrolle spielen wird. Doch, wir möchten uns ja auch weiterentwickeln.

Pistol: Klar, Ihr habt ja jetzt schon eine gute Mischung. Was bevorzugst Du? Spielst du lieber in einem Club mit gemütlicher Atmosphäre oder auf großen Festivals weit weg vom Publikum?

Alexandra: Beides! Definitiv beides!

Pistol: Nun, viele Bands lieben den direkten Kontakt zum Publikum und wollen nicht ewig weit davon weg sein.

Alexandra: Na ja, es ist eine unterschiedliche Situation. Ich liebe beides, und ich liebe es, auf großen Bühne zu performen, weil du einfach mehr Platz zum Bewegen hast. Du kannst Deine Gefühle durch die Bewegung ganz anders ausdrücken. Und ich will mich bewegen! Auf kleineren Bühne habe ich einfach zu wenig Platz. Klar ist es auch toll, in einer kleinen Location direkt vor den Zuschauern zu stehen, aber es ist eben ganz anders.

Pistol: Heutzutage ist es sehr schwierig, von der Musik allein zu leben. Wie sieht das bei Euch aus? Habt Ihr noch normale Jobs?

Alexandra: Ja, natürlich! Wir haben ganz normale Jobs. Schließlich müssen wir ja die Band damit unterstützen. Na ja, Du weißt schon: nach vorne bringen. Die anderen haben alle normale Jobs. In meinem Fall ist es aber so, dass ich Musikerin bin. Ich habe viele Aufträge als Session-Sängerin für die unterschiedlichsten Projekte. Meine Arbeit ist die Musik. Derzeit hilft es natürlich, die Band zu fördern. Aber wir sind auch dabei, die Band auf das nächste Level zu bringen. Diese Tour läuft unter ganz anderen Bedingungen, weitaus besser als vorher. Derzeit brauchen wir unsere Jobs aber weiterhin.

Pistol: Letztes Jahr habe ich mit Eugene von Jinjer gesprochen. Er sagte mir, dass sie in der Ukraine ganz gut von dem Leben können, was eine Tour durch Europa einbringt.

Alexandra: Ja, das wäre schön! Alles Geld, was wir verdienen oder einnehmen, stecken wir in die Band. Manche von uns verkaufen Dinge, nur um die Band weiter nach vorne zu bringen. Es ist wie es ist, aber es ist gut, weil es nun mal unser Traum ist.

Pistol: Das ist Rock’n’Roll!

Alexandra: Ja, genau! Das ist es!

Pistol: Wer ist verantwortlich für das Schreiben der Songs, und wo probt Ihr?

Alexandra: Ja, wir mieten einen Raum. Wir haben keinen eigenen. Aber in Moskau gibt es sehr viele Proberäume, und Du kannst einen Raum für einige Stunden mieten oder für mehrere Monate. Bei der Produktion des letzten Albums haben wir unheimlich viel geprobt, teilweise jeden Tag. So konnten wir besser zusammen arbeiten, viel besser, als wenn jeder zuhause probt. Aber natürlich hat auch jeder zuhause daran gearbeitet oder komponiert. Dann wurde es zu jedem geschickt, und bei den Proben haben wir es dann zusammen gespielt. Für drei Songs von „Game On“ hatten wir einen Produzenten, haben uns dann aber entschlossen, es selber in die Hand zu nehmen. Wir haben recht schnell verstanden, wie es funktioniert. Natürlich haben wir auch jetzt vor der Tour unser Programm geprobt, aber nicht so extrem wie bei der Album-Produktion.

Pistol: Manchmal sind ja auch die Distanzen recht groß. Ich habe eine Bekannte, die in einer großen amerikanischen Band spielt. Sie lebt aber in Deutschland. Es ist also recht schwierig zu proben.

Alexandra: Vielleicht werden wir das in ferner Zukunft auch einmal so praktizieren müssen. Uns schweben da ein paar europäische Musiker vor, mit denen wir gerne einmal zusammen arbeiten würden. Wir werden sehen. Jedenfalls funktioniert dieses System auch. Ich denke, wir sind jetzt auf einem Stand, so dass wir auch als internationale Band arbeiten können.

Pistol: Wenn Leute Fotos von der Band sehen, reduzieren sie euch auf eine „Female-Fronted“-Gruppe. Ich finde das ziemlich dumm. Wie siehst Du das?

Alexandra: Ja, da stimme ich Dir zu. Es ist eine Musikgruppe, unabhängig davon, wer die Frontperson ist. Nimm zum Beispiel Nightwish und Arch Enemy: Das sind zwei vollkommen unterschiedliche Musikrichtungen. „Female-Fronted“ ist doch kein Musikstil; vielleicht eine Gruppe von Bands oder so. Ja klar, wir gehören auch zu dieser Gruppe. Wir haben sogar zwei Mädels in der Band, aber das spielt keine Rolle. Schließlich spielen wir keinen Pussy Metal oder sowas. Du weißt, was ich meine!

Pistol: Auf jeden Fall! Eine Bekannte wurde mal in einem Interview gefragt, wie es denn wäre, als Frau Musik zu machen. „Ganz normal“, sagte sie. Ich kann nicht beurteilen, wie es als Mann wäre.

Alexandra: Oh ja, es ist einfach ein Mensch, der Musik macht.

Pistol: Gibt es eine Frage, die Du gerne beantworten würdest, aber die Dir noch nie jemand gestellt hat? Und wie wäre Deine Antwort?

Alexandra: Oh je, das ist eine einzigartige Frage! Ich hatte etwas im Kopf, aber es ist weg. Nein, tut mir leid. Da fällt mir gerade nichts zu ein.

Pistol: Macht ja nichts! Dann bin ich auch mit meinen Fragen am Ende angekommen. Möchtest Du noch etwas zu unseren Lesern sagen?

Alexandra: Als allererstes danke ich Dir dafür, dass Du gekommen bist und Deine Zeit für uns geopfert hast! Danke dafür, dass Du Dich mit Pokerface auseinander gesetzt hast und mich als eine interessante Person ansiehst, mit der Du ein Interview führen wolltest! Hört Euch gute Musik an, unterstützt die lokalen Bands, geht zu den Shows und lasst Euer Haar wachsen, um zu headbangen!

Pistol Schmidt

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Jon Oliva´s Pain - Jon Oliva (März 2007)

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Wenige Stunden bevor für JON OLIVA und seiner Band JON OLIVA´S PAIN die "Maniacal Renderings"-Tour began, traf ich den bestens aufgelegten Sänger in den Backstageräumen der Bonner Klangstation zum gemütlichen Plausch.

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Ra - Karsten und Roman (August 2006)

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Sabaton - Joakim (Juli 2007)

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SABATON sind momentan eine der Bands der Stunde. Ich traf mich mit dem sehr relaxten und sympathischen Frontmann der Schweden, Joakim Brodén, während der Heavy Summernight in Euskirchen zu einem kleinen Interview.

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von honk

Jan Müller ist nicht nur als der quirlige Schlagzeuger der Hessen DRAGONSFIRE bekannt, sondern auch mit seiner Bookingagentur A Chance For Metal und dem gleichnamigen Festival in Sachen Metal unterwegs. Wenige Tage vor der Zwei-Tages-Premiere des Festivals in Andernach trafen wir uns mit Jan, um das Thema A Chance For Metal und das kommende Festival etwas zu beleuchten.

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Metal Militia Essen - Domme (Dezember 2009)

von honk

Was wäre unsere geliebte Musik ohne Fans, die diese tatkräftig unterstützen? Zu diesen Leuten gehört auch Domme, der vor einigen Jahren Metal Militia Essen gegründet und mit diesem Club nun bereits zum fünften Mal das Borbeck Metal Madness-Konzert veranstaltet hat.

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