Tankard/ Fabulous Desaster/ Crusher, Andernach Juz 03.11.2018

von honk

Let there be Thrash! So könnte eine passende Überschrift zum Konzert lauten, zu dem das Team von A Chance For Metal wieder einmal ins heimelige Andernacher Juz geladen hatte. Als Headliner des Abends stand die Frankfurter Institution TANKARD auf ihrer "One Foot In The Grave"-Tour auf dem Programm, zwei ebenfalls im Thrashmetal angesiedelte Vorbands rundeten das Billing ab.

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Enemy Inside, Wolfen, Köln - Porz, Groove Bar

von pistol

Sachen gibt es, die glaubt man einfach nicht. Da ist man in Köln geboren, wohnt seit Jahrzehnten in der Region und findet nach all den Jahren eine Location, die bisher an einem vorbei gegangen ist. Dabei bietet die Groove Bar die wahrscheinlich größte Getränkeauswahl in Porz. Außerdem gehören kleine Speisen wie Nachos, Pommes und Pizza zum Sortiment. Und natürlich nicht zu vergessen, die dort stattfindenden Partys und Live Konzerte. Entgegen aller Erwartungen fluppte es heute auf der Autobahn wie geschmiert, und bereits nach zwanzig Minuten erreichte ich die Groove Bar. Dazu eine Parklücke vor der Türe, was will man mehr? Wohltuend auch der Großteil des Publikums, ehrliche Metalheads und Rockmusiker, keinen Gin mit Gurke schlürfende Hipster, wie es leider mittlerweile in den gentrifizierten Vierteln vieler Großstädte an der Tagessordnung ist. Unter anderem im Publikum zu sehen, der aktuelle Almanac-Sänger Patrick Sühl und RA-Schlagzeuger Karsten Drexler.

Nun wird es Zeit für Wolfen,die heute in aktueller Besetzung mit Frank J. Noras und Andreas „The Wicked" Doetsch an der Gitarre, Siggi „Panzer" Grütz am Schlagwerk, Nico Filter am Bass und last but not least der Herr von Lipinski am Gesang. Die neue Scheibe „Rise Of The Lycans“ sagt mir auch sehr zu. Der kleine Besetzungswechsel wirkt auf die Truppe, meiner Meinung nach, wie eine notwendige Frischzellenkur. Selten habe ich die Songs so homogen und wie aus einem Guss gehört. Das macht richtig Laune und kommt druckvoll rüber. Die Groove Bar hat einen recht ordentlichen Sound, nur der Mann am Lichtpult hat wohl noch leichte Koordinationsprobleme mit den Reglern der Beleuchtung. Es hängt genug Material an der Saaldecke, man muß es eben nur benutzen und auch ein wenig an die Musik anpassen. Dramaturgisch ist hier noch deutlich Luft nach oben. Dadurch lassen sich die Anwesenden natürlich nicht den Spaß verderben und feiern die Jungs gut ab. So vergeht die Zeit ziemlich schnell, natürlich nicht, ohne zwischendurch dass eine oder andere Kaltgetränk zu goutieren. Die Herren von Wolfen heizen die Raumtemperatur gehörig an und sind nebenbei gesagt in bester Spiellaune.

Setlist: Rebirth Of The Regulators, Genetic Sleepers, Forgotten Dreams, h, Time Keeper, Irish Brigade, Succubus, Schwarz, Wolfen, New World Order

Jetzt wird zügig umgebaut, das übliche Schlagzeug anpassen, und zusätzlich stellt man ein paar Podeste an den Bühnenrand. Die „Newcomer“ Enemy Inside präsentieren ihr heute veröffentlichtes Album Phoenix. Nun ist Newcomer nur die halbe Wahrheit, da Gitarrist Evan K. auch bei Mystic Prophecy die Gitarre bedient. Des Weiteren war er Mitstreiter beim Exit Eden Projekt und spielte schon bei der Melodic Death Metal-Band Cypecore. Hier und heute aber steht eine junge Band auf der Bühne, die erst im Jahr 2017 von Sängerin Nastassja Giulia und Evan K. gegründet wurde. Dafür finde ich es mehr als erstaunlich, wie professionell hier gearbeitet wird, zumal wenn man bedenkt das es sich quasi um eine „Do It Yourself“-Band handelt. Angefangen bei dem geschmackvollen Merchandise, dazu das Debüt-Album auf CD im Digipack mit ausführlichem Booklet und das Vinyl in schwarz oder als Splatter-Version. Auch das Bühnenoutfit wurde von Sängerin Nastassja entworfen, und so wirken Evan K. und David Hadarick an den Gitarren, Dominik Stotzem am Bass, Feli Keith am Schlagzeug und natürlich die hübsche Frontelfe wie eine routinierte Combo, die schon seit langen im Geschäft ist. Die dem aufmerksamen Beobachter nicht entgangene anfängliche Nervosität schwindet dann auch recht schnell, und die Songs des Debüt-Albums werden kraftvoll präsentiert. Ein guter Effekt sind auch die Podeste mit den darunterliegenden Nebelfontänen. Da die Front Lady zwar eine große Stimme hat, aber figürlich eher wie eine schlanke und selbstredend deutlich jüngere Version von Doro daherkommt, ist so die optische Wirkung für das Publikum optimiert. Bevor jetzt irgendwelche Unkenrufe ertönen: Das soll kein Vergleich zwischen Nastassja und Doro sein, da jede der beiden Damen ihre eigene Persönlichkeit und eine jeweils individuelle Performance bietet. Eine knappe Stunde dauert das Set, dann hat man alle Songs des Albums gespielt. Beim Blick ins Publikum sehe ich nur zufriedene Gesichter. Die sympathische Band aus Aschaffenburg hat einen guten Einstand in Köln-Porz hingelegt. Um sich langfristig etwas aus der großen Spielwiese ähnlich klingender Gruppen herauszukristallisieren, fände ich es persönlich nicht schlecht, wenn man bei der Live-Performance die Stücke vielleicht geringfügig mehr variiert und ein wenig von der Studioversion abweicht. Ansonsten alles prima, und auch am Merchandise ist man sofort nach der Show für die Fans bereit. So macht man sich Freunde.

Setlist: Falling Away, Bleeding Out, Lullaby, Angel’s Suicide, Doorway To Salvation, Oblivion, Halo, Dark Skies, Death Of Me, Summer Son, Phoenix

 

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Nervosa/ Hopelezz, Köln MTC 26.07.2018

von honk

Die Sonne brennt vom Himmel, die Festivalsaison liegt in vollen Zügen – nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Gig in einem Kellerraum. Trotzdem hat sich zur im Vorfeld angegeben Einlasszeit schon eine beachtliche Anzahl an Menschen vor dem Kölner MTC eingefunden und versorgt sich am danebenliegenden Büdchen mit gekühlten Getränken.

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HOLLYWOOD VAMPIRES, THE DARKNESS - MG, Sparkassenpark 14.06.2018

von pistol

Nun bin ich eigentlich kein großer Freund von Open Air Konzerten oder Stadion Veranstaltungen, aber die Hollywood Vampires wollten wir uns nun mal nicht entgehen lassen. Und wie könnte es anders sein, auf dem Weg zum Sparkassenpark nach Mönchengladbach schüttet es wie aus Eimern, obwohl die Wetter App eigentlich nur etwas Bewölkung ansagt. Nun gut, scheinbar die falsche App rausgesucht. Erfreulicherweise gibt es für die Presse schon mal einen kostenlosen Parkplatz direkt vor dem Hauptportal, den roten Teppich suche ich zwar vergebens, aber so brauchen wir zumindest nicht im Regen stehen bis zum Einlass. Glücklicherweise hat der Wettergott aber ein Einsehen, und stellt kurz vor Showbeginn den Wasserspender ab. Etwas Verwirrung gibt es beim ersten Fotocall, aber letztlich wird dann doch noch alles gut.

Pünktlich um 20:00 stürmen dann auch The Darkness auf die Bühne, und beginnen ihre kunterbunte Bubblegum Show. Die Spandexanzüge der Anfangszeit trägt Sänger Justin Hawkins zwar nicht mehr, aber dafür glänzt Bass Spieler Frankie Poullain durch sein modebewusstes Auftreten mit Afrolook und quietschgelben Outfit. Die Jungs zocken auch direkt los und spielen ihre Glam Rock orientierten Songs frisch und voller Spielfreude runter. Justin versucht immer wieder mit dem Publikum zu interagieren, aber das ist scheinbar nicht wirklich der englischen Sprache mächtig und versteht die humoristischen Einlagen nicht unbedingt. Jedenfalls bleiben die erwarteten Lacher größtenteils aus. Aber egal, die Jungs machen Spaß und es kommt nicht von ungefähr, dass ich das eine oder andere Mal an eine liebevolle Hommage an Queen denke. Immerhin sitzt mit Rufus Taylor einer der Söhne Roger Taylors am Schlagzeug. Die zurückliegenden Querelen innerhalb der Band sind jedenfalls Schnee von gestern, man hatte sich ja seinerzeit vom Sänger getrennt, ist aber seit 2011 wieder am Ball, wie auch das 2012 erschienene Album „Hot Cakes“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Ein schöner Gig auf alle Fälle, der zeitlich allerdings keine Zugabe mehr vorsieht. Ein straffer Zeitplan zwingt The Darkness leider von der Bühne.

Setlist: Solid Gold, Growing on Me, Love Is Only a Feeling, Japanese Prisoner of Love, One Way Ticket, Barbarian, Buccaneers of Hispaniola, Get Your Hands Off My Woman, I Believe in a Thing Called Love

Nach raschem Umbau erscheint nun die wohl derzeit am besten bezahlte Coverband der Welt, die Hollywood Vampires in der Besetzung Alice Cooper, Johnny Depp, Joe Perry, Chris Wyse, Tommi Henrikson, Glen Sobel und Buck Johnson auf der Bühne. Nach dem Intro von Bela Lugosi's „Dead, The Last Vampire“ kristallisiert sich ziemlich schnell heraus, dass ein Großteil des Publikums wegen Johnny Depp und Alice Cooper gekommen ist. Und der wie immer äußerst charismatische Alice hat die Menge auch direkt in der Hand, egal ob er mit seinem eigenen Programm auftritt oder wie heute eben als Teil der Vampires. Somit steht der ultimativen Vollbedienung mit Gassenhauern von Supergroups wie Aerosmith, The Doors, AC/DC, The Who und vielen anderen nichts mehr im Wege. Und zu meinem Erstaunen glänzt auch Piratenkönig Johnny Depp durch virtuoses Spiel und hervorragenden Gesang. Es gibt nicht viele Musiker, denen ich zugestehen würde „Heroes“ von David Bowie zu covern. Gut, Lemmy Kilmister durfte das, ich denke er sitzt mit Bowie jetzt sowieso an der Bar irgendwo im Universum. Aber Johnny Depp macht seine Sache extrem gut und interpretiert den Song wirklich beeindruckend mit echtem Gänsehautfeeling. Überhaupt kommen die Klassiker der Rockgeschichte unheimlich frisch rüber, mit viel Spielfreude und Liebe interpretiert. Genial auch die Videoshow zu „People Who Died“, die auf der großen Leinwand alle unsere liebgewonnenen Helden der Vergangenheit zeigt. Einerseits traurig alle diese großen Charakteren von Jimi Hendrix über David Bowie bis hin zu Lemmy Kilmister noch einmal übergroß zu sehen, immer mit dem Bewusstsein dass sie nie wieder auf der Bühne stehen werden, gut außer Alice Cooper als letzter der Untoten, wie er so schön zwischendurch anmerkte. Das hat schon etwas Ergreifendes, und man sieht die eine oder andere Träne kullern. Und wenn man schon Joe Perry dabei hat, müssen natürlich auch Aerosmith Klassiker wie „Sweet Emotions“ zum Besten gegeben werden, gar keine Frage. Selbst diese Stücke funktionieren hervorragend gut, auch ohne Steven Tyler. Selbst Gitarrist Tommi Henriksen, der jetzt nicht durch die große Bühnenpräsenz glänzt, versteht sein Handwerk vortrefflich. Spielte er doch schon mit Doro, Lady Gaga, George Lynch und vielen anderen zusammen. Das ganze Ensemble lässt keine Minute das Gefühl aufkommen, das sich hier ein paar alternde Rockstars wegen des Geldes zusammen getan haben, sondern einfach aus Spaß am gemeinsamen Musizieren. So geht eine kurzweilige Show dann leider zu Ende. Aber es gibt ja noch eine Zugabe, ja und wenn Alice Cooper auf der Bühne steht kann ja eigentlich nur noch „Schools Out“ folgen. Dazu werden riesige Luftballons in die Menge geworfen, und das wachsame Auge bemerkt sofort, das man selbst für diesen Job eine prominente Mitarbeiterin angeworben hat. Als amtliche Ballonschubserin war nämlich Jen Majura, die Gitarristin von Evanescence mit am Start. Alles in allem ein wunderbares Konzerterlebnis, das mit dem Outro „Anarchy In The UK“ von den Sex Pistols würdig ausklang.

Setlist: I Want My Now, Raise the Dead, Five to One / Break On Through (The Doors cover), The Jack (AC/DC cover), Ace of Spades (Motörhead cover), Baba O'Riley (The Who cover), As Bad As I Am, The Boogieman Surprise, I'm Eighteen (Alice Cooper cover), Combination (Aerosmith cover), People Who Died (The Jim Carroll Band cover), Sweet Emotion (Aerosmith cover), Heroes (David Bowie cover), Train Kept A-Rollin' (Tiny Bradshaw cover), School's Out / Another Brick in the Wall

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Rock Hard Festival 2018

von pistol

Es ist unglaublich wie schnell doch schon wieder Pfingsten ist, und somit der Ruf des Amphitheaters in Gelsenkirchen nicht ungehört verhallt. Und so ziehen wir wie immer mit Sack und Pack zum Rock Hard Festival. Das mit Abstand gemütlichste Festival seiner Art. Keine Kirmes, Bungee-Jumping oder gar Halfpipes mindern den Genuss. Hier ist noch alles richtig Metal und keine norddeutsche Sauf ‚N’ Touri Veranstaltung. Man kennt einander, fast ein Familientreffen in entspannter Atmosphäre. Die Preise sind weitgehend erträglich, da bin ich von vielen Veranstaltungen anderes gewohnt. Und sowieso unschlagbar ist einfach die geile Lage der Location am Rhein-Herne-Kanal. Headbangen und dabei den Schiffen hinterherschauen, unbezahlbar! Dazu die Security der Herzen, die Jungs und Mädels machen einfach einen super Job. Ob als beste Grabencrew der Welt, oder als freundliche Einlasskontrolle einfach top! Und mal ehrlich, wer von uns würde sich schon so relaxt den ganzen Tag dämliche Sprüche von Besuchern anhören, die immer noch nicht den Sinn einer Taschenkontrolle verstanden haben? Der einzige wirkliche Kritikpunkt, ist die Vergabe bzw. der Verkauf von Unmengen an Photopässen. Hier sind die ernsthaften Berichterstatter und Presse-Fotografen wirklich gearscht, es sei denn man ist im Besitz eines streng kontengierten Triple „A“ Passes. Für alle anderen ist es ein echtes Ärgernis, wenn Leute mit dem Handy oder Minikameras im Graben stehen und die Arbeit behindern. Einhand Fotografierer, die in der anderen Hand den vollen Bierbecher halten und damit rumschwappen. Null Rücksichtnahme, Headbangen im Fotograben oder einfach nur dumm herumstehen, Selfies in einer Tour mit dem Publikum oder gar so genannte Influencer die ständig im Weg stehen? Hier sollte man mal nach einer praktikablen Lösung suchen, zum Beispiel eine Aufteilung in Gruppen. Erster Song die Amateure, zweiter Song die Leute, die für Print Magazine, Webzines usw. schreiben und fotografieren.

Hier der link zu den Fotos von Andrea Breitenbach Fotos Rock Hard Festival 2018

 

Freitag, 18.05.2018

Dawn of Disease

Als Opener dieses Mal eine Death Metal Band, auch nicht schlecht. Wie mir ein kleines Vögelchen zu gezwitschert hat, haben die Jungs aus Osnabrück sogar kurzzeitig einen Charteintritt geschafft. Das Album „Ascencion Gate“ machte dies möglich. Jedenfalls machten Dawn Of Disease ziemlich Gas, und die Menge feierte die Herren in schwarz. Ein kurzweiliges Set, was bei diesem Genre auch schon selten ist. So wurde die Todeskapelle dann auch ordentlich vom Publikum abgefeiert.

Attic

Als nächstes sind Attic an der Reihe, und hier hört das aufmerksame Ohr direkt die kaum abzustreitende Nähe zu King Diamond respektive Mercyful Fate. Die wären natürlich auch der Burner gewesen, aber passten eventuell nicht ins Budget des Rock Hard Festivals. Wer weiß das schon. So gibt es großartigen Old School Metal, der sich mit viel Dramatik in Szene setzt. Fronter Meister Cagliostro versteht es jedenfalls sich ordentlich in Szene zu setzen, und das Publikum feiert alte wie neue Songs begeistert ab.

Setlist: Sanctimonious, Sinless, Join The Coven, The hound of heaven, Dark Hosanna, Funeral In The Woods, The Headless Horseman

Dool

Bei Bands die extrem gehypt werden bin ich immer etwas misstrauisch, so auch bei den Niederländern von Dool. Aber schon nach den ersten Takten, macht sich ein breites Grinsen auf meinem Gesicht breit. Hey hier geht ja richtig der Punk ab! Frontfrau Ryanne van Dorst kommt rüber, wie eine Mischung aus Patti Smith und Chrissie Hynde (The Pretenders). Und das nicht nur im optisch herben Look der beiden Damen, sondern auch mit ihrer Art zu singen und Gitarre zu spielen. Bekannt ist sie in den Niederlanden schon lange als Elle Bandita aber auch ihre Punkwurzeln aus der Zeit als Gitarristin für die Band „Anne Frank Zappa“, kann sie nicht verleugnen. Und so präsentieren Dool heute eine absolut energiegeladene Show, die an Intensität ihresgleichen sucht. Ohne große Schnörkel, sondern mit voller Wucht mitten rein. Das ist Musik, die einfach live am besten kommt.

Setlist: The Alpha, Golden Serpents, She Goat, In Her Darkest Hour, Vantablack, Oweynagat

Diamond Head

Nun kommt eine meiner Favoriten des diesjährigen Festivals, die NWOBHM Legende Diamond Head auf die Bretter. Leider wurde ihnen nie der große Ruhm zuteil, den sie eigentlich verdient hätten. Erst als Metallica ihren Song „Am I Evil“ coverten, wurde der eine oder andere auf diese geniale Ausnahmekapelle aufmerksam. Der hervorragende Shouter machte den Auftritt zu einem wahren Vergnügen, und die in den Himmel gereckten Pommes Gabeln, Bierbecher und fliegende Haarmähnen zeigen mehr als deutlich welchen Spaßfaktor die Truppe aus Stourbridge rüberbringt. Souverän spielen sich die Jungs durch ihr Set aus alten aber auch neueren Songs. Ein wahres Urgestein zeigt, dass man immer noch auf sie zählen kann. Gutgelaunter Metal bei hervorragendem Wetter, ein kaltes Bier dazu was will das Banger Herz mehr.

Setlist: Play It Loud, Borrowed Time, Bones, Helpless, In The Heat Of The Night, Lightning To The Nations, Set My Soul On Fire, Shoot Out The Lights, It’s Electric, The Prince, Am I Evil?

Tiamat

Wie jetzt? Der Typ mit der Kopfsocke ist wirklich Johan Edlund? Der Sänger meiner beiden Lieblingsalben „Wildhoney“ und „Clouds“. Ja er ist es tatsächlich, wieder einmal mehr ein Zeichen das wir alle altern, auch Rockstars. Aber wer nicht alt werden will, muss früh sterben. Auch keine wirklich gute Option. Und so genieße ich den Best Of Querschnitt der eingangs erwähnten Alben. Die Faszination der Songs ist immer noch ungebrochen, auch nach all den Jahren. Atmosphärische und mit Roots Sounds durchzogene Perlen der Musik. Vielleicht nicht unbedingt Musik zum abfeiern, eher zum abheben und dahinschwelgen.

Setlist: In A Dream, Clouds, Smell Of Incense, A Caress Of Stars, The sleeping Beauty, Forever Burning Flames, The Scapegoat, Undressed, Wildhoney, Whatever That Hurts, The Ar, Do You Dream Of Me?, Visionaire, Gaia

Sodom

Nun steigt die Spannung ins Unermessliche, stellt doch Tom Angel Ripper heute sein neu besetztes Sodom vor. Nach dem Überraschenden Austausch von Makka und Bernemann gegen Frank Blackfire, Husky und Yorck sind die Lauscher natürlich gespitzt auf das was da kommt. Ja und was soll ich sagen, zwei Gitarren sind einfach um einiges fetter, und schrauben gerade das Songmaterial aus der Anfangsphase in ungeahnte Höhen. Und so feiert das Publikum die neu formierten und verjüngten Ruhrgebietsthrasher mit dem nötigen Respekt. Auch wenn die Neuzugänge das eine oder andere Mal danebenhauen, das kommt vor und ich schreibe es mal der Aufregung des ersten öffentlichen Auftrittes zu. Das ist eben live und nicht aus der Konserve. Das Amphitheater verwandelt sich jedenfalls in einen überdimensionalen Moshpit, eine wabernde Menschenfleischmasse und die Security hat alle Hände voll zu tun, damit auch alles ohne ernsthafte Verletzungen abläuft. Ein würdiger Abschluss des ersten Tages allemal.

Setlist: My Atonement/Conqueror, Sodomy And Lust, Nuclear Winter, Outbreak Of Evil, Christ Passion, The Saw Is The Law, City Of God, Blasphemer, One Step Over The Line, Agent Orange, Strange Lost World, Tired And Red, Lifeline, Remember The Fallen, Silence Is Consent, Ausgebombt, Bombenhagel

Samstag, 19.05.2018

Traitor

Noch ein wenig geschafft von den Anstrengungen des ersten Tages, Hitze und Bier sind nicht immer die besten Freunde, lassen wir uns nun die Ohren von den netten Jungs aus Balingen freiblasen. Die Thrasher von Traitor lassen sich nicht lange bitten und ballern drauflos als ob es kein Morgen mehr gäbe. Genau das Richtige um wach zu werden, obwohl doch schon recht viele Headbanger den Weg zur Bühne gefunden haben. Das war in den letzten Jahren oft nicht der Fall, und er Tagesopener stand vor einer sehr überschaubaren Personengruppe. Jedenfalls haben die Jungs Spaß und auch der Ton Mann macht schon einen geilen Job. Klasse!

Nocturnal Rites

Sachen gibt es manchmal, die Schweden von Nocturnal Rates existieren bereits seit 28 Jahren, haben es aber bisher geschafft sich komplett meiner Aufmerksamkeit zu entziehen. Soll heißen, dass ich bis eben noch nicht einmal den Namen kannte. Frontmann Jonny Lindqvist präsenteierte den kraftvollen Powermetal jedenfalls erstklassig und hätte garantiert das Zeug dazu, auch in einer weitaus größeren Kapelle zu singen. Erstklassige Mitgröhlnummern und ein gutes Feeling schaffen es in der Kürze der Zeit ein gutes Bild der Band darzustellen. Da werde ich mir dann doch mal einen Tonträger von zulegen müssen.

Setlist: Before We Waste Away, Never Again, Still Alive, Repent My Sins, Call Out To The World, A Heart As Black As Coal, Fools Never Die

The New Roses

Nun kommt die Kapelle, die ich am Anfang ihrer Karriere sehr genossen habe aber im Laufe der Zeit stellt sich dann doch ein gewisser Abnutzungseffekt ein. Sei es, weil alles irgendwie geklaut klingt, sei es, weil sie einfach keine krachigen Songs spielen können. Oder weil ich sie einfach schon zu oft gesehen habe, da sie ja alle Nase lang große Bands supporten. Ich weiß es nicht, ihre Halbballaden sind jedenfalls immer noch top, auch wenn jeder Song an eine andere bekannte Band aus diesem Genre erinnert. Quasi eine Coverband die keine Cover spielt. Zeit für mich mal etwas die Leere im Magen zu bekämpfen.

Setlist: Every Wildheart, Forever Never Comes, Dancing On A Razorblade, Gimme Your Love, It’s A Long Way, Life Ain’t Easy, Devil’s Toys, One More For The Road, Thirsty

Leatherwolf

Und wieder mal ein wirklicher Oldie unter den Metalbands, die drei Gitarrenfraktion von Leatherwolf sind seit fast 40 Jahren unterwegs. Die Amerikaner sind allerdings auch recht faul, was das rausbringen von neuem Material angeht. So liegt das letzte Studioalbum mehr als 10 Jahre zurück, scheinbar baut man auf das altbewährte und den Sonderstatus der drei Klampfen. Das Publikum feiert die Band jedenfalls ordentlich ab, ich muß allerdings zu meiner Schande gestehen das mir keiner der Songs so richtig bekannt ist. Ebenso wenig ist mir bekannt, wer noch der Urbesetzung angehört. Optisch hat man sich jedenfalls deutlich verjüngt.

Setlist: Spiter, Endangered Species, Season Of The Witch, Street Ready, Princess Of love, Spirits In The Wind, Cry Out, Thunder, Hideaway, Leatherwolf, Wicked Ways, The Calling

Cirith Ungol

Einer meiner Favoriten des diesjährigen Rock Hard Festival, waren die Jungs von Cirith Ungol, die ich noch nie live in Europa gesehen habe. Der Bandname stammt übrigens aus dem tolkienschen Epos „Der Herr Der Ringe“ und bedeutet “Pass der Spinne“ (im Roman mit ‚Kankras Lauer‘ übersetzt). Jedenfalls zocken die Amis um Jarvis Leatherby (Night Demon) ordentlich los, und präsentieren eine bunte Mischung ihres vorzüglichen Songmaterials der bisher veröffentlichten vier Kultalben Heute hilft noch Armand von Night Demon an der Gitarre aus, was den Genuss aber in keiner Weise schmälert. Sänger Tim Baker überzeugt damals wie heute mit seinem sehr charakteristischen Gesang, schreiend und heulend ja fast schon beschwörend. Das hat Klasse, und ich sauge förmlich jede Note in mich auf, da die Chance auf eine Wiederholung oder gar einer Europa-Tour doch sehr gering ist. Es ist schon immer wieder erstaunlich was die „alten Herren“ der Metal Szene live noch so in Gang setzen können.

Setlist: Atom Smasher, Join the Legion, Blood and Iron, I'm Alive, Black Machine, Frost and Fire, Cirith Ungol, Chaos Descends , Fire (The Crazy World of Arthur Brown Cover), Master of the Pi, King of the Dead

Marduk

Der jetzige Schwedenstahl ist nun überhaupt nicht meine Welt, nicht das ich extremer Musik abgeneigt bin im Gegenteil. Aber dieses Blast Beat getriebene Gebolze, dass sich fast ausschließlich mit der Thematik des Zweiten Weltkrieges, ich will jetzt nicht sagen verherrlicht geht mir einfach auf den Sack. Zumal die Darbietung bei strahlender Sonne einfach lächerlich wirkte, und mit miserablem Sound glänzte.

Axel Rudi Pell

Ja der Pellen Rudi, ist zwar auch ein Original aus Wattenscheid, aber man hat ihn schon so oft gesehen, dass wir nach dem Fotocall vorzogen eine Runde über das Gelände zu drehen. Bekannte treffen, da seine oder andere schnabulieren und den Flüssigkeitshaushalt ausgleichen. Axel Rudi liefert natürlich wie gewohnt Qualität ab, so kennt man ihn einfach. Und auch sein Hang zu Balladen hielt sich in erträglichen Grenzen. Aber man sieht ihn bestimmt bald mal wieder als Headliner.

Overkill

Und auch der Samstag nähert sich irgendwann dem Finale, das heute mit Overkill eingeläutet wird. Bobby und sein Jungs sind einfach immer erste Sahne live. Einer der besten Headliner die das Rock Hard jemals gesehen hat. Und es ist nicht vermessen zu behaupten, dass ein Großteil der Zuschauer alleine wegen diesem Auftritt heute hier ist. Giftgrüne Overkill Schriftzüge wohin das Auge auch blickt. Eine würdige Audience die noch mehr gefeiert wird, und erst das Songmaterial überwiegend aus den Alben der Anfangstage. Pure Energie wie man das von Herrn Blitz kennt, so und nicht anders geht das. Ein klasse Abschluss des zweiten Tages!

Setlist: Coma, Infectious, Blood Money, Thanx For Nothin‘, Raise The Dead, Rotten To The Core, There’s No Tomorrow, Feel The Fire, Horrorscope, Hammerhead, Nice Day For A Funeral, Overkill, In Union We Stand, Elimination, Fuck You, Sonic Reducer

Sonntag, 20.05.2018

Thundermother

Eigentlich ein sehr undankbarer Job, den sonntags Opener beim Rock Hard Festival zu belegen. Aber die vier drallen Schweden Mädels von Thundermother, haben abends noch einen Auftritt im Speicher in Husum, das heißt nach dem Gig mal eben schlappe 500 Kilometer über die meist staugeplagten deutschen Autobahnen zu reiten. Erstaunlicherweise sind aber zu dieser frühen Stunde schon echt viele Metalheads am Start und die gut aufgelegten Damen um Filippa Nässil, einzig verbliebenes Original Mitglied der Ur-Besetzung, sorgen direkt für eine Vollbedienung. Wenn man den Phönix aus der Asche sucht, hier ist er soeben gelandet. Und wie, da zerschneiden die präzisen Riffs von Filippa die landschaftliche Idylle. Eine auf den Punkt spielende Rhythmus Abteilung, gekrönt von der sagenhaften Rotzröhre von Guernica Mancini verheißen „Schluss mit Lustig“. Jetzt gibt es auf die Zwölf! So bietet man einen schönen Querschnitt durch die drei bisher veröffentlichten Alben und die Mädels haben sichtlich Spaß daran. Ebenso das bereits gut aufgelegt Publikum, die die Songs im AC/DC Stil gebührend abfeiern. Ein Highlight ist natürlich auch Filippas Ausflug einmal quer durch das Amphitheater, sehr zur Freude der Fans. Sehr schade, dass aus bereits erwähnten terminlichen Gründen kein späterer Slot mit mehr Spielzeit möglich war. Das holen die Donnermütter dann sicher beim Nikolaut 2018 in Oberhausen nach.

Memorian

Nach den grandiosen Schwedenmädels kommt jetzt eher eine recht durchschnittliche Kapelle an den Start, zum Glück ist ja alles Geschmacksache, aber mich überzeugen Memorian nicht wirklich. Auch wenn sie so ein kräftiges Geschütz wie den ehemaligen Bolt Thrower Sänger Karl Willets vorweisen können. Den Songs fehlt einfach das gewisse Etwas. Haben dir Thundermother gerade noch so richtig den Arsch versohlt, ist mir jetzt gerade eher nach Gähnen zumute. Ein klangvoller Name aus alten Zeiten, ist eben kein Garant für gutes Songwriting oder eine geile Live Performance. Da muß noch viel passieren, um die Massen zu begeistern.

Night Demon

Nachdem es im letzten Jahr einige Verzögerungen beim Einlass gab, Sicherheit geht nun mal vor in unserer heutigen Terrorzeit, durften die Jungs von Night Demon erneut auf dem diesjährigen Festival spielen und bekamen daher einen späteren Slot zugewiesen. Und wie nicht anders zu erwarten, gab es auch direkt die Vollbedienung mit durchgetretenem Gaspedal. Ein rundum gelungener Auftritt, trotz einiger kleinerer Technischer Problem zwischendurch. Die Menge kam auf ihre Kosten und feierten die Band um Sänger Jarvis gebührend ab.

Setlist: Welcome To The Night, Hallowed Ground, Life On The Run, Save Me Now, Curse Of The Damned, Stranger In The Room, Heavy Metal Heat, Dawn Rider, Screams In The Night, The Chalice, Darkness Remains, Night Demon

Uli Jon Roth

Der Altmeister an der Gitarre und verschrobener Alt Hippie Uli Jon Roth beglückte uns heute mit einem Set aus alten Scorpions Krachern. Das kennt natürlich hier fast jeder, selbst die jüngeren Metalheads sind recht textsicher. Der Mann ist einfach eine Legende und gleichzeitig ein Unikum. Legendär seine Pedalerie verpackt in der Aldi Tüte, die er dem fassungslosen Stage Techniker in die Hand drück mit den Worten „Bau schon mal auf“ Dazu ein über die Jahrzehnte malträtiertes Gehör, was ihn immer wieder zu wahnwitzigen Pegeln greifen lässt. Das ist auf einem Festival zum Glück nicht so schmerzhaft wie in kleineren Klubs. Ich habe schon Auftritte erlebt, die deutlich über der Schmerzgrenze lagen trotz Gehörschutz. Nun gut, jedenfalls fiedelt er sauber und präzise und einmal mehr zeigt sich, wie gut die alten Scorpions Lieder doch waren. Kein Vergleich mit der Sülze die heute aus Hannover kommt. Als krönenden Abschluss lässt Meister Uli dann noch mal Jimi Hendrix wiederaufleben.

Setlist: All Night Long, The Sails Of Charon, Sun In My Hand, We’ll Burn The Sky, In Trance, Fly To The Rainbow, Pictured Life, Catch Your Train, All Along The Watchtower, Little Wing

Coroner

Die nächste reanimierte Kapelle aus den Achtzigern kann jedenfalls direkt besser punkten. Coroner bieten Old School Thrash der feinen Art. Die Schweizer hatten schon immer ein Händchen dafür irgendwie Jazz lastige Gitarrenparts von Tommy Vetterli in ihrem ansonsten losbolzenden Thrash einzuflechten. Da die Band ja offiziell schon 1995 aufgelöst wurde, und eine Wiedervereinigung bis heute von Vetterli kategorisch ausgeschlossen wird, wundert man sich umso mehr über den Auftritt. Getreu der Devise Never say Never haben die Jungs nämlich in den letzten Jahren immer mal wieder sporadisch ein Gig gespielt, zum Beispiel auf dem Hellfest, Bloodstock oder bei der 70000 Tons of Metal Cruise. Und so bieten sie auch heute einen überraschend guten Auftritt den das Publikum zu schätzen weiß.

Setlist: Internal Conflicts, Serpent Moves, Divine Step, Semtex Revolution, Tunnel Of Pain, Metamorphosis, Masked Jackal, Grin, Reborn Through Hate, Die By My Hand

Backyard Babies

Wieder so eine total überbewertete Truppe, die ihre Glanzzeit lange hinter sich haben, aber scheinbar immer noch eine Art Die Hard Fan Fraktion hinter sich haben. Da wundert man sich, warum man die Jungs nicht viel früher hat spielen lassen, und dafür anderen mehr Zeit einräumt. Zumal auch soundtechnisch sich gerade kein Orgasmus einstellen will, dazu eine langweilige Performance. Aber da ein Großteil des Publikums trotzdem ordentlich abgeht, lassen wir es mal gut sein. Geschmäcker sind halt verschieden, ich meine zu Helene Fischer pilgern ja auch zigtausende. Die hat zumindest optisch einen nicht übersehbaren Vorteil.

Armored Saint

Aber jetzt kommt endlich die volle Entschädigung für so eine Himbeerbubenkapelle wie die Backyard Babies, die alten Recken von Armored Saint zeigen wo der Hammer hängt. Sänger John Bush ist vielleicht modisch nicht unbedingt auf der Gewinner Seite für den Heavy Metal Couture Award, überzeugt dafür einmal mehr mit seinem durchdringenden Organ. Heavy Metal in Reinkultur. Die Jungs aus Kalifornien haben es immer noch drauf, und auch wenn ihnen nie höhere Weihen zu Teil wurden, gehören ihre Scheiben in jede ernst zu nehmende Plattensammlung. Eine der besten Auftritte des heutigen Tages!

Setlist: March Of The Saint, Reign Of Fire, Nervous Man, Pay Dirt, Last Train Home, On The Way, Symbol Of Salvation, Book Of Blood, Spineless, Aftermath, Left Hook From Right Field, Chemical Euphoria, Win Hands Down, Can U Deliver

Saxon

Die letzte Band des diesjährigen Festivals ist diesmal Saxon. Muß man über diese Truppe eigentlich noch irgendetwas schreiben? Wo Saxon draufsteht ist Saxon drin. Eine Live Kapelle allererster Sahne, mit einem in Würde gealterten Frontmann der weiß worauf es ankommt. Natürlich darf man bei den Briten keine Überraschungen erwarten, außer vielleicht bei der Songauswahl. Aber mal ehrlich, manchmal tut so ein wenig Tradition auch richtig gut. Man kann sie abfeiern, sich fallen lassen und alte Gassenhauer sowie neue Songs gehörig abfeiern. Ich sage nur „Thunderbolt“…wieder mal neues Material das direkt zündet. Und so spielt es überhaupt keine Rolle, welche Songs Baff anstimmt. Man kennt sie alle und sie alle machen Spaß. Klar, dass wieder irgendwer seine Kutte auf die Bühne wirft und Biff sie sich überzieht, und damit weiterrockt. Das kommt schon fast einer Segnung des besagten Kleidungstückes nahe, und ich denke mal, es beschert dem Besitzer der Kutte eine unvergessliche Erinnerung an einen wieder mal gelungenen Auftritt von Saxon. Man merkte der Band an, dass sie gerade eine Tour mit Judas Priest hinter sich hatten. Das wirkte alles extrem eingespielt. Frontmann Biff war gut bei Stimme und bei der Sache. Als ihm – wie üblich anscheinend – eine Kutte zugeworfen wurde, zog er sie an und trug sie bis zum Ende des Konzerts.

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THE NEW ROSES, HEAVY TIGER, Bonn, Harmonie, 17.03.2018

von pistol

Heute geht es in die nahe gelegene Harmonie, eine nette Gaststätte mit angeschlossenem Saal, der gerne vom WDR für die Rockpalast Aufzeichnungen genutzt wird. Auch das derzeit stattfindende Crossroads Festival ist eine WDR Produktion, daher fahren wir schon zeitig los um noch einen Parkplatz zu ergattern. Der Parkraum ist hier sowieso schon sehr spärlich, und bei solchen Veranstaltungen zusätzlich durch den Fuhrpark des Senders belegt. Aber mal wieder Glück gehabt, gerade noch den letzten Platz ergattert und schon sind wir in der Location. Das übliche „Hallo“ bei den anwesenden bekannten Gesichtern, und Freunden aus den Niederlanden von The Dirty Denims lässt die Wartezeit bis zum Einlass schnell verstreichen.

Pünktlich um 19:30 betritt das schwedische Hard-Rock-Trio Heavy Tiger aus Stockholm die Bühne. Die 2010 gegründete Band um Sängerin und Gitarristin Maja Linn Samuelsson, Bassistin Sara Frendin und die Schlagzeugerin Astrid Carsbring nennen Bands wie Thin Lizzy, AC/DC, die Rolling Stones und The Who als musikalische Einflüsse. Aber auch die Backyard Babies, Hellacopters, New York Dolls, Suzie Quadro und Joan Jett gehören garantiert dazu. Ein toller Blickfang sind auch ihre glitzernden Bühnenoutfits, die ja schon einen legendären Ruf haben. Und so knallen uns die drei Gören sofort ihren Rotzrock um die Ohren. Mir gefällt das, auch wenn im Publikum nicht unbedingt nur positive Stimme zu hören sind. Es liegt wohl an dem doch recht hohem Altersdurchschnitt in dieser Veranstaltungshalle, scheinbar sind nicht alle hier anwesenden Senioren so aufgeschlossen, einer jungen Band auch mal nachzusehen, dass man eben noch keine 5 Jahrzehnte Bühnenerfahrung hat. Dafür machen die Mädels aber sehr gut Alarm, die eigenen Stücke rocken frisch und klingen trotz aller oben genannten Einflüsse nicht altbacken oder nur Retro. Ein paar eingestreute Coverversionen von The Ark oder auch Led Zeppelin lockern das Set zusätzlich auf. Schließlich soll so ein Auftritt ja auch Spaß machen, und nicht nur lediglich reine Routine sein. An Spielfreude mangelt es den Ladies definitiv nicht, und so geht der kurzweiliege Auftritt eigentlich auch viel zu schnell vorbei.

Setlist: Saigon Kiss, Feline Feeling, Superstar (The Ark cover), I Go for the Cheap Ones, Chinatown, Heavy Tiger (The Flaming Sideburns cover), Shake Me, Little Sister, No Tears in Tokyo, Living Loving Maid (She's Just a Woman) (Led Zeppelin cover), Tallahassee Lassie (Freddy Cannon cover), Keeper of the Flame, Jemma, The Only Way is up, Highway Knees, Girls Got Balls, Tonight

Wenn das Fernsehen mitschneidet, ist alles im Zeitplan, und so entern auch The New Roses genau im Zeitfenster die Bühne. Den Hype um die Band aus dem hessischen Rheingau, haben sie wohl der Kultserie „Sons Of Anarchy“ zu verdanken. Auf dem Soundtrack zur Serie und ebenso in dem deutschen Trailer dazu, sind sie mit dem Stück „Without A Trace“ vertreten, als Einzige nicht amerikanische Rock Band. Jetzt ist die Stimmung natürlich direkt auf dem Siedepunkt, und das anwesende Publikum feiert die Truppe euphorisch. Nun ist Musik ja zum Glück immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich sehe sie mehr so als eine Art Coverband an, die gar keine Coverband ist. Trotzdem kommt mir bei jedem Song eine frappierende Ähnlichkeit, zu bereits bestehenden Originalen ins Bewusstsein. Mal klingt es ein wenig nach Aerosmith, dann wieder wie Bon Jovi oder Kid Rock, und manchmal auch nach den Black Crowes. Wahrscheinlich auch ein Baustein des immensen Erfolges den die Truppe derzeit hat. Selbstredend liefern sie auch heute wieder eine beindruckende Live Performance ab, die musikalischen Qualitäten sind ohne Frage tadellos. Sänger Timmy Rough unternimmt ein ums andere Mal Ausflüge ins Publikum, und die Kameraleute haben eine Menge zu tun, um das alles in Bild und Ton einzufangen. Eine wahrlich schweißtreibende Angelegenheit, die nach großen Mengen isotonischer Getränke verlangt. Und so liegen sich die Fans auch selig in den Armen und applaudieren ihren Helden. So soll es ja nun auch sein, und trotz der steigenden Berühmtheit mischen sich die neuen Rosen nach der Show direkt unter die Zuschauer.

Setlist: Every Wildheart, Forever Never Comes, Dancing On A Razorblade, 2nd 1st Time, For A While, It's A Long Way, Whiskey Nightmare, Life Ain't Easy (For A Boy With Long Hair), Gimme Your Love, She's Gone, What If It Was You, Devil's Toys, One More for the Road, Thirsty, Without A Trace, Old Time Rock & Roll (Bob Seger Cover)

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