Addict/ Centrate/ Cervet, Mayen Highlander Pub 08.04.2017

Egal ob Frauentausch oder das gegenseitige Einladen in den eigenen Schlemmertempel, Tauschen und Austauschen scheint in der aktuellen TV-Welt der letzte Schrei zu sein. Im metallischen Underground funktioniert dieses System schon lange. Bands verabreden sich gegenseitig zu Gigs in der jeweiligen Heimregion. Der Vorteil liegt auf der Hand: Auf diese Weise schaffen es auch unbekanntere Bands ihre Duftmarken weiter zu verstreuen.

Ein solcher Gig ist auch das als Thrash Attack betitelte Konzert mit ADDICT (Koblenz), CENTRATE (Dillenburg) und CERVET (Aschaffenburg) in Mayen. Die Location, der Highlander Pub, stellt sich als gemütliche Kneipe mit äußerst fairen Getränkepreisen in der Fußgängerzone von Mayen raus. Die "Bühne" – nun ja, eigentlich hat man das Equipment nur in einer Ecke aufgebaut - befindet sich in einem Nebenraum. Und als besonderes Gimmick gibt es eine verglaste Wand zur Fußgängerzone, die dem ein oder anderen abendlichen Passanten zumindest einen neugierigen Blick, teilweise begleitet durch ein leichtes Kopfnicken erlaubt.

Leider birgt die Lage der Kneipe aber auch ein kleines Problem: Metalkonzerte sind tendenziell halt etwas lauter und so machte ein aufmerksamer Nachbar bereits beim Ausladen der Instrumente auf seine wohlverdiente Nachtruhe aufmerksam. CERVET mussten daher bereits eine halbe Stunde vor dem geplanten Beginn starten. Dank der sozialen Netzwerke war der Pub mit etwa 70 zahlenden Gästen aber durchaus gut gefüllt. Offensichtlich hatten CERVET einige Fans aus der Heimat mit nach Mayen gebracht, die schon von Beginn an für Stimmung sorgten. Aber innerhalb kürzester Zeit war auch der Rest der Zuschauer auf Betriebstemperatur. Manchmal sind knappe siebzig Fans halt euphorischer und lauter als ein Stadion voller Zuschauer. Der schleppende Thrash der Band, der wahrscheinlich nicht ganz ungewollt an SLAYERs "South Of Heaven" erinnerte, donnerte soundmäßig überraschend gut aus den Boxen. Insbesondere das filigrane und punktgenaue Schlagzeugspiel und die Basslinien kamen gut zur Geltung. Die Spielfreude der Band tat ihren Teil dazu bei, dass mit der Bandhymne 'Yes We Bang', die durchaus das Motto des Abends sein konnte, nach etwa vierzig Minuten ein sehr sehens- und hörenswerten Auftritt der Aschaffenburger endete.

Bei CENTRATE wurde es stilistisch etwas schneller. Leider stieß der Highlander Pub beim Material der Band aber soundmäßig an seine Grenzen, so dass die Songs leider etwas im Soundbrei untergingen. Leider machte auch das Mikro phasenweise schlapp, ein Manko, dass sich leider auch den restlichen Abend nicht wirklich beheben ließ. Auch viele Ansagen waren leider kaum verständlich. Dies machte sich auch am Publikumszuspruch bemerkbar: Die Zuschauerbereich leerte sich etwas und die Resonanzen fielen merkbar verhaltener aus. Schade, denn am Engagement der Band ließ sich nichts aussetzen. Aber die Technik und der Sound verhinderten an diesem Abend, dass CENTRATE wirklich überzeugen konnten.

Nun hieß es Gas geben, denn die Uhr zeigte schon 22:30 Uhr, als ADDICT starteten. Und die Curfew um 23 Uhr schwebte wie ein Demoklesschwert über der Band. Soundmäßig lief es für den Vierer zwar besser als bei CENTRATE, aber leider auch nicht optimal. Und auch ADDICT litten unter den Ausfällen des Mikros. Die Band ließ sich hiervon aber nicht beirren, sondern machte das beste aus der Situation und trashten sich schlanke dreißig Minuten durch ihr Material. Mit 'Sick Masses', 'Bang Or Die' und 'End Time' standen auch drei neue Stücke auf dem Programm, interessant besonders für die Zuschauer, die ADDICT bereits kannten. Abschließend beendete ein etwas schneller gespieltes 'Breaking The Law' einen sehr kurzweiligen Konzertabend.

Honk

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