Alpha Tiger/ Delirious/ Space Chaser/ Addict, Andernach Juz 20.01.2018

Das neue Jahr begann ähnlich, wie das alte Jahr aufgehört hat: Mit ordentlich Gedresche bei einer weiteren Ausgabe des Masters Of The Underground im Andernacher Jugendzentrum. Leider setzte sich aber auch der geringe Publikumszuspruch im neuen Jahr fort. Dazu aber später mehr.

 

Erstmal zur Musik in Form der Mülheim-Kärlicher Formation ADDICT, die an diesem Abend den Opener geben. Leider lief es für die Thrasher an diesem Abend nicht so wirklich rund. Offensichtlich konnte sich die Band auf der Bühne nicht optimal hören, was hier und da zu kleinen Timingungenauigkeiten beim Gitarrenspiel führte. Auch vor der Bühne war der Sound nicht gerade zum Besten bestellt, insbesondere der Gesang von Patrick Schöne war zu leise. Diese Schwierigkeiten können ADDICT aber durch ihre Unbekümmertheit und Spielfreude wettmachen, so dass die Band den Gig nach der fälligen Zugabe, einer räudigen Version von 'Breaking The Law' durchaus als Erfolg verbuchen konnte.

 

Ähnlich wie DUST BOLT bei der letzten Ausgabe des Masters Of The Underground war mit SPACE CHASER auch diesmal wieder ein Vertreter der jungen und wilden Generation an Thrashbands mit an Bord. Und besonders das Adjektiv „wild“ passte zum Auftritt der Berliner, die durch den Gesangsstil von Frontmann Siegfried Rudzynski auch gerne mal als ein thrashige Form von IRON MAIDEN bezeichnet werden, wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge. Wie die Derwische wirbelte die ganze Band über die Bühne. Ein Eindruck, der durch das krankhaft-wahnsinnige Mienenspiel des Frontmannes noch unterstrichen wird. Aber auch musikalisch brannte die Band ein verspätetes Silvesterfeuerwerk in Sachen Thrashmetal ab, bei dem von der ersten Minute an alles stimmte. So war es nicht verwunderlich, dass auch das inzwischen etwas größer gewordene Publikum bei SPACE CHASER direkt durch die Decke ging. Schade nur, dass der Auftritt der Jungs statt der im Vorfeld kommunizierten 55 Minuten bereits nach etwa 40 Minuten beendet war.

 

Mit DELIRIOUS aus Hamm in Westfalen stand die dienstälteste Band des Abends auf dem Programm. Seit immerhin fast drei Dekaden ist die Band bereits in Sachen Thrashmetal unterwegs. Während ADDICT ihren Thrash gerne roh und ungeschliffen mochten und SPACE CHASER gerne den Blick Richtung Crossover richteten, standen DELIRIOUS an diesem Abend eher für den melodischen Sound der Bayarea. So hielten sich Nackenbrecher mit ruhigeren Parts die Waage und wechselten sich donnernde Riffs mit melodischeren Gitarrenleads ab. Auch beim Thema Gesang machte Frontmann Betty sowohl bei den aggressiveren Thrashvocals, als auch bei den cleaneren Gesangsparts eine ausgesprochen gute Figur, auch wenn er im Verlauf des Auftritts merklich kurzatmiger wurde. Kurze Zeit nach dem Gig in Andernach wurde bei ihm allerdings eine Lungenentzündung diagnostiziert. An dieser Stelle natürlich gute Besserung, Betty! Leider hatte sich das Publikum bei DELIRIOUS wieder merklich ausgedünnt. Pech gehabt, denn die Abwesenden verpassten eine astreine Show der Thrashveteranen.

 

ALPHA TIGER läuteten im Anschluss einen Stilbruch ein, der schon fast schmerzte. Statt Thrashmetal hallten powermetallische Töne mit extrem hohem Gesang durchs Juz. Wirklich punkten konnte die Band an diesem Abend in Andernach nicht. Die Band spielte zwar ein routiniertes und auch durchaus qualititiv gutes Set, allerdings wirkte der komplette Auftritt nach den vorherigen Bands recht blutarm und unauthentisch. Insbesondere die Versuche von Sänger Benjamin Jaino, das spärlich verbliebene Publikum mit großer Geste zu animieren, wirkten unfreiwillig komisch. Die Skurrilität dieser Szene unterstrich Moshpit einiger Fans, der wiederum so gar nicht zur Musik und dem Auftritt der Band passte.

 

Zum Schluss noch eine kleine und ganz persönliche Anmerkung zum bereits eingangs erwähnten geringen Publikumsinteresse: Schon klar, das Masters Of The Underground ist nicht Wacken und es spielen weder IRON MAIDEN, noch RAMMSTEIN oder SLAYER. Es ist eine Konzertreihe, bei dem bewusst auf die Topacts und ganz großen Namen verzichtet wird, um der zweiten oder auch dritten Reihe für kleines Geld eine berechtigte Auftrittsmöglichkeit zu bieten. Trotzdem ist es enttäuschend, beschämend und auch ein Stückchen peinlich, wenn sich an einem Samstagabend (!) ohne Konkurrenzveranstaltungen (!) bei vernünftigen Wetterverhältnissen (kein Schnee, kein Glatteis) (!) wieder keine 100 Nasen zu diesem Event einfanden. Oder kurz gesagt: Musikalisch ist der Underground quicklebendig, fantechnisch aber schon in einem kritischen Zustand. Nun liegt es an euch, dies zu ändern!

 

Honk

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