ENEMY INSIDE

Man muss einfach auf dem Boden der Tatsachen bleiben, damit man später nicht enttäuscht wird

Enemy Inside, eine junge Band aus Aschaffenburg spielte zusammen mit unseren Freunden von Wolfen. Ein guter Zeitpunkt der Band mal auf den Zahn zu fühlen und ein Interview zu führen. Und so trafen wir uns vor dem Gig in der Groove Bar, um dann ein lauschiges Plätzchen zu finden, wo ich mich mit den beiden Gründern von Enemy Inside, Nastassja und Evan, ungestört unterhalten konnte.

Pistol: Hi! Könnt Ihr mir kurz etwas über die Entstehung der Band erzählen? Also wer darin mit spielt und so?

Evan: Also, am Anfang hat es als Zwei-Leute-Projekt angefangen. Nasti und ich haben ein paar Songs geschrieben, danach haben wir halt eine Platte aufgenommen. Ja, und dann haben wir irgendwie gemerkt, das gefällt uns doch ganz gut, was wir da machen. Dann wollten wir auch eine ganze Platte aufnehmen, was wir ja auch am Ende gemacht haben. Irgendwie kamen dann die anderen dazu, also haben wir uns entschieden, doch eine Band zu gründen. Es war uns schon wichtig, nicht nur ein Projekt zu haben, deswegen haben wir die anderen Leute dazu genommen. Erstmal haben wir Dominik gefunden, dann David und Feli, ja, und so sind wir zu Enemy Inside gekommen.

Pistol: Wenn ich richtig informiert bin, hast Du vorher bei Mystic Prophecy gespielt.

Evan: Ja, ich spiele immer noch dort.

Pistol: Also bist Du weiterhin in zwei Bands aktiv, nicht nur noch Enemy Inside?

Evan: Genau, Mystic Prophecy und Enemy Inside sind so die zwei Bands, wo ich spiele. Wobei Enemy Inside sozusagen mein eigenes Kind ist. Und Mystic Prophecy, die habe ich als Kind schon gerne gehört. Na ja, als die entstanden sind, war ich halt noch zu jung, bin dann aber später dort eingestiegen.

Pistol: Gut, wie ist denn Euer Background? Seid Ihr von der Familie so vorbelastet, eine Metal-Familie quasi?

Nastassja: Also, Metal-Familie nicht, aber mein Vater ist auch Musiker, jedoch eher im Blues Rock-Bereich. Daher kommt auch bei mir so dieses Interesse für Musik. Er hat mich relativ früh mit ins Tonstudio genommen, wo ich dann auch mit aufgenommen habe. So hat das bei mir dann mit der Musik angefangen. Zum Metal bin ich dann so mit zwölf, dreizehn etwa gekommen, ja, in der Pubertät, weil ich ja rebellieren wollte. Also gerade die ganze Nu Metal-Szene, da hat es bei mir eigentlich mit angefangen.

 

Evan: Bei mir war es so, also meine Eltern sind keine Musiker. Okay, mein Vater war Hobbymusiker. Irgendwie hat er öfter versucht, mir ein bisschen Keyboard beizubringen, wofür ich aber nie wirklich Interesse gezeigt habe. Danach war ich irgendwann auf einem Scorpions-Konzert, so mit elf, und das war so für mich „World Changing“.

Pistol: Die Initialzündung sozusagen?

Evan: Genau, ich hab´ gedacht, ich will so werden wie der mit der Flying V…

Pistol: So wie der Schenker, haha?

Evan: Genau, und am nächsten Tag habe ich gesagt, ich will genauso werden wie der Schenker und habe meinen Vater gefragt, ob er mir eine Flying V-Gitarre kaufen würde (Na, definitiv besser als eine Playstation! - Anm. des Verfassers), ja, und dann habe ich angefangen, Gitarre zu lernen. So von Anfang an war mein Traum auf der Bühne zu stehen und ist seitdem auch gleich geblieben.

Pistol: Und welche Bands haben Euch beeinflusst? Von der Musikrichtung her waren es ja wahrscheinlich nicht unbedingt die Scorpions?

Nastassja: Ich glaube dadurch, dass halt jeder seine eigenen Vorstellungen mit reinbringt. Klar gibt es Parallelen zu anderen Bands, die wir halt mögen. Ich finde, dadurch ist es doch total vielfältig. Also, was mich jetzt so bewusst beeinflusst hat, kann ich gar nicht sagen. Ich denke, was ich eben gerne in meiner Jugend gehört habe, das wird mich wahrscheinlich im Unterbewusstsein beeinflussen. Aber so direkt kann ich Dir nicht sagen, ob es die oder die Band gewesen ist.

Pistol: Wie würdet Ihr Enemy Inside beschreiben für jemanden, der Euch nicht kennt?

Nastassja: Oh, gute Frage! Wir versuchen zu vermeiden „Es klingt wie…“, aber viele brauchen das irgendwie, so es ist jetzt für Fans wie Lacuna Coil zum Beispiel, oder für Fans von bla bla bla (lacht). Ich würde es als Kombination aus harten Gitarrenriffs mit weiblichem klarem Gesang, bezeichnen, und trotzdem sehr catchy gehalten; auch viele Pop-Einflüsse dadurch, dass es eigentlich auch sehr melodiös ist.

Evan: Genau, oder anders ausgedrückt: Sieh es als modernen Dark Rock. Also, Du kannst es nicht als normalen Dark Rock bezeichnen, da wir noch mehr Metal-Elemente darin haben, na, eben modern.

 

Pistol: Ja, die Leute brauchen ihre Schubladen, sonst geht gar nichts. Totaler Quatsch eigentlich.

Nastassja: Ja, genauso ist es aber.

Pistol: Was erwartet die Leute auf einer Enemy Inside-Show? Warum sollten die dorthin gehen?

Nastassja: Also, wir versuchen immer, unser Konzept nicht nur musikalisch umzusetzen, sondern eben auch die Showelemente daran anzupassen. Wir arbeiten gerade daran, dass wir in Zukunft noch mehr mit Lichtshow machen wollen. Für die paar Shows, die wir bis jetzt gezeigt haben, glaube ich aber, das wir schon ganz gut etwas auf die Beine gestellt haben.

Evan: Wir sind auch nicht die fünf Musiker, die so über ihrem Instrument stehen, sondern das gleichzeitig Auge und Ohr mit bedient wird.

Nastassja: Es fängt ja schon bei dem Outfit an und hört bei dem Stage-Bild auf. Wir machen auch wirklich fast alles alleine, egal ob Outfit Design oder auch, wie sich der Merchandise Stand präsentiert.

Pistol: Also eine richtige „Do It Yourself”-Band?

Nastassja: Genau richtig, „Do It Yourself”, und das ist uns auch sehr wichtig! Es soll halt alles bei uns bleiben, weil wir ja schließlich die Vision dazu haben.

Pistol: Das Songwriting macht Ihr beiden, nehme ich jetzt mal an?

Evan: Für die erste Platte haben wir beide das gemacht. Aber das heißt nicht, dass es unbedingt so weitergehen muss. Es hat halt so angefangen, weil zum Zeitpunkt des Songwritings die anderen noch nicht dabei waren. Mal sehen, wie es sich jetzt so entwickelt.

Nastassja: Wir kannten ja, wie schon gesagt, die anderen noch gar nicht. Ein Zwei-Mann-Projekt, und dann war es eben fertig, und ob das immer so bleibt, weiß man sowieso nicht.

Pistol: Aber Ihr probt noch old school, so richtig im Proberaum?

Nastassja: (lacht) Ja, noch nicht über Skype, haha!

Pistol: Ja, Du hast ja heute Bands, wo die Musiker hunderte Kilometer auseinander wohnen. Da geht es ja teilweise gar nicht anders.

 

Nastassja: Bei uns ist das Gott sei Dank nicht so, und das war uns auch wichtig. Die Jungs kommen alle aus dem Umkreis, und wir verstehen uns auch so gut und machen schon mal Dinge zusammen.

Pistol: Ihr habt jetzt ein gutes Jahr, wo Ihr zusammen seid. Wie kommt man so schnell dazu, ein Album aufzunehmen und ein - wie ich finde - exzellentes Video dazu?

Evan: Ja, etwas weniger, seit Dezember 2017, um genau zu sein.

Nastassja: Also, das Album war ja eigentlich schon vor der Bandgründung fertig, das heißt, die Songs standen ja schon, so wie sie sind.

Evan: Dieses Jahr dazwischen war einfach die Zeit, die wir brauchten, um das Ganze ein wenig zu organisieren. Weil vom dem Zeitpunkt, wo dein Album fertig ist, und bis du es dann letztlich herausbringst, sind tausend Sachen dazwischen. Und du denkst, es kann doch nicht sein, dass es noch so weit weg ist. Aber am Ende ist es wirklich so weit weg, bis es dann raus ist.

Pistol: Welche Erwartungen setzt Ihr in Euer Debüt-Album?

Nastassja: Also, ich für meinen Teil versuche, ganz realistisch daran zu gehen, und gar nicht erst so hohe Erwartungen zu setzen. Ich bin generell ein Mensch, der sich keine großen Erwartungen setzt, einfach damit ich nicht enttäuscht werde. Da lasse ich mich lieber positiv überraschen. Natürlich hofft jeder Musiker, der ein Album macht, dass es sich relativ gut verkauft, aber man muss heutzutage einfach realistisch bleiben. Wir hoffen für die Zukunft jetzt erst einmal, dass wir viel live spielen können. Ja, das wir uns eine Fan Base erspielen können, und dann hoffentlich bald auch eine Tour planen können.

Pistol: Womit wir bei der nächsten Frage wären: Viele Bands spielen heute um jeden Preis, in schäbigen Locations für ein Bier und ein Butterbrot oder für gar nichts und müssen teilweise noch die Technik stellen und werden dann als Support verheizt. Würdet Ihr darauf eingehen, oder sagen „Nein Danke, so ein Angebot brauchen wir nicht.“?

Nastassja: Ich finde und ich denke, ich kann da für alle sprechen: Es muss irgendeinen Nährwert für die Band haben. Also für Butterbrot und Bier würden wir jetzt sicher nirgendwo spielen. Es muss eben irgendeinen positiven Effekt für die Band haben.

Evan: Genau, und es muss auch ein gewisses Maß an Respekt da sein.

 

Pistol: Wie weit würdet Ihr für den Erfolg gehen? Und wo wäre die Grenze?

Nastassja: Hm, wie weit würde ich für den Erfolg gehen? Also, für meinen Teil einfach hart arbeiten, mir den Arsch aufreißen, aber nicht so, dass man seine Seele verkauft.

Pistol: Ja genau, so meinte ich das, also nicht in anderer Hinsicht; so nach dem Motto: Ihr müsst jetzt das so und so machen, das ist besser.

Nastassja: Nein, da war uns auch bei der Label-Findung sehr wichtig, dass wir eben ein Label finden, das uns unsere künstlerische Freiheit lässt. Wir hatten auch einige andere Angebote, aber da sollte dann etwas an den Songs verändert werden, das Image der Band oder dieses oder jenes.

Pistol: Dann bist Du Angestellter der Plattenfirma.

Nastassja: Genau, und da hatten wir keine Lust drauf. Das ist so etwas, das wird sich bei uns auch nicht ändern, glaube ich. Wir sind viel zu viele Sturköpfe in der Band und wollen das genauso haben, wie wir das eben haben wollen. Nee, das ist nicht unser Ding.

Pistol: Aber der Traum ist es, eines Tages von der Musik leben zu können, oder seht Ihr das eher nüchterner?

Evan: Das Ding ist, wir brauchen das nicht, und das macht auch die Band so, wie sie ist. Wir brauchen keinen Hit zu schreiben oder ein Album, das auf Platz zwei der Charts einsteigt.

Nastassja: Ist natürlich wünschenswert (lacht herzlich)! (Na, das will ich aber auch meinen! - Anm. des Verfassers)

Evan: Ja, natürlich wird das sehr schön sein, wenn es sich ergibt, es ist aber nicht so, dass wir fest daran glauben…

Nastassja: Davon auszugehen, dass das jetzt so eintritt, ist in der heutigen Zeit auch etwas utopisch.

Evan: Und es gibt so viel, viel größere und ältere Bands, die schon ewig unterwegs sind und es immer noch nicht geschafft haben, davon zu leben

 

Pistol: Die ewigen Supporter eben.

Nastassja: Also, ich glaube, da muss man einfach realistisch bleiben. Natürlich wünscht man sich das, und klar, das ist bei uns allen ja ein Kindheitstraum, aber man muss einfach auf dem Boden der Tatsachen bleiben, damit man später nicht enttäuscht wird.

Pistol: Sex, Drugs and Rock ’N’ Roll. Wie ist eure Einstellung dazu?

Evan: Voll dagegen! (beide können sich aber ein Grinsen nicht verkneifen)

Nastassja: Ich glaube, wir sind da echt relativ spießig für unser Alter, muss ich sagen. Alkohol, klar, nach dem Gig. Ich bin da relativ streng und sehe nicht gerne, wenn vor dem Gig getrunken wird.

Evan: Ich mag auch Alkohol allgemein nicht so, und Drogen sowieso nicht! Das ist ein totales No Go (Sehr lobenswert! - Anm. des Verfassers)

Nastassja: Und Sex wird daheim gemacht! (laut lachend)

Pistol: Haha, so genau wollte ich das jetzt auch gar nicht wissen.

Nastassja: Ja, Spaß haben, aber man soll dabei das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Also jetzt nur im Proberaum sitzen, sich betrinken und denken, das ist Rock’n’Roll? Da wird wohl nicht so viel bei rumkommen wahrscheinlich.

Evan: Nein, wir hätten auch keinen in die Band genommen, der solche Ambitionen hat.

Nastassja: Nee, auf gar keinen Fall!

Pistol: Ich bin ja noch ein richtiger Oldie und habe am liebsten Tonträger auf Vinyl oder notfalls auf CD. Dabei wird ja heute alles gestreamt oder runtergeladen, meist noch illegal. Was bevorzugt ihr: Tonträger oder als alternatives Format Streamings und Downloads für Musik?

Nastassja: Also, wir sind selber Personen, die auf jeden Fall noch CDs kaufen. Ich glaube, das wäre auch ein wenig kontrovers, wenn man das als Musiker nicht macht.

 

Evan: Vinyl ist natürlich noch schöner!

Pistol: Die meisten Musiker, die ich kenne, sind nur noch bei Spotify und ähnlichen Plattformen.

Evan: Ja, ich muss sagen, dass ich parallel auch Spotify benutze. Es ist jetzt nicht so, dass ich das eine oder das andere nehme, sondern beides. Ich kaufe halt CDs, die ich dann im Auto oder so anhöre, aber auf dem PC, da brauche ich halt Spotify.

Pistol: Auf Tour ist das natürlich praktisch: Du machst Dein Smartphone an und gut.

Evan: Genau, wenn man das beides machen kann, ist es perfekt.

Nastassja: Und es ist ja auch manchmal ganz schön, neue Musik zu entdecken und zu sagen, okay, mir gefällt das sehr gut. Und dann kaufe ich auch die CD, weil ich den Künstler unterstützen möchte. Ja, und weil ich auch etwas in der Hand haben will (Du sprichst mir aus der Seele – Anm. des Verfassers).

Evan: Du kannst es besser filtern mit Spotify. Ich muss jetzt nicht die XY-Platte vom XY-Künstler, der seit den Achtzigern unterwegs ist, und wahrscheinlich seit zwanzig Jahren dieselben Songs rausbringt, dann blind kaufen. Ich kann es mir erst einmal anhören.

Nastassja und Evan gleichzeitig: Es ist auf jeden Fall viel, viel schöner, Musik in der Hand zu haben. Das hat einfach etwas.

Pistol: Jede Band lebt von ihren Fans, die das Merchandise kaufen, zu den Konzerten gehen und die Tonträger kaufen oder legale Downloads erwerben. Wie steht ihr zu der Sache mit den „Meet & Greet“-Tickets, zum Beispiel eine große amerikanische Band die für ihre Tour im nächsten Jahr Preise von 2200 €, für ein „Shake Hands“ und ein Foto, aufrufen?

Nastassja: Ich muss sagen, ich habe mir da noch nicht so megagroße Gedanken drüber gemacht, weil das für uns noch so ein bisschen weit weg ist. Und man sollte das immer so machen, dass es wertemäßig noch vertretbar ist. Also, jetzt jemanden auszunehmen, nur um mal Hände zu schütteln, also ich weiß nicht. Es gibt natürlich viele Fans, die so etwas auch möchten.

Pistol: Klar, sonst würde so etwas ja nicht angeboten, aber ich meine es ist schon recht dekadent.

 

Nastassja: Ja, aber ich denke, man muss das einfach mit seinen Werten vereinbaren.

Evan: Die Frage ist: Von welcher Perspektive ist es schlimmer? Von dem, der es anbietet oder von demjenigen, der es annimmt? Da hat wohl jeder seine eigene Sichtweise.

Nastassja: Und es gibt ja viele, die freuen sich da wahnsinnig drüber und geben gerne Geld dafür aus. Ja, okay.

Evan: Man kann nicht sagen, ob es richtig oder falsch ist.

Pistol: Es steht ja vom Preis in keiner Relation, wenn es zwanzig oder dreißig Euro wären, aber doch keine zweitausend. Da gehen die meisten einen ganzen Monat für arbeiten.

Nastassja: Ja, das ist es, was ich meinte: Es müsste für mich noch vertretbar sein, zumindest ein Preis, wo ich sage „Ja“.

Evan: Hm, ich würde es nicht machen.

Pistol: Früher war Rock Musik immer ein Teil Revolution. Glaubt Ihr, dass Rockmusik heute noch irgendetwas bewirken oder verändern kann?

Nastassja: Schwierig… Evan, was sagst Du dazu?

Evan: Ja, schwierig… Ich finde, dass das Business gerade bei Rockmusik heute etwas anders ist, also nicht so offen, und es ist alles irgendwie kleiner geworden. Also, das weiß ich jetzt nicht wirklich, ob etwas passieren könnte, auf jeden Fall bleibt es immer so eine kleinere Revolution, da Rockmusik nicht wirklich Mainstream geblieben ist. Es ist nichts, was die dreizehn, vierzehnjährigen Kinder berührt. Es sind eher Leute, die Lust darauf haben und es als Hobby betreiben. Das ist an sich so eine kleine Revolution. Aber ob es nochmal ein Woodstock oder ähnliches geben wird, das glaube ich eher nicht.

Pistol: Das Musikerleben ist manchmal recht stressig, Auftritte, Proben, Studio, langweilige Interviews. (beide lachen und verneinen) Bleibt da noch Zeit für eine Beziehung oder ein normales Familienleben?

Nastassja: Ja! Klar, das muss manchmal zurückstecken, aber ich denke, das macht man dann auch gerne, wenn man seine Zeit für die Band opfert. Aber egal in welchem Bereich, wenn Du Zeit in Deine Arbeit investierst, muss immer wer zurückstecken. Aber wenn ich Zeit mit meiner Familie verbringen will, dann nehme ich mir einfach die Zeit dafür. Das ist ja das Gute am Musikerberuf: Man kann sich das ja einteilen; meistens, wie man möchte, aber klar, desto mehr Gigs anstehen, umso mehr muss das Privatleben halt zurückstecken.

 

Pistol: Jetzt mal abgesehen von der Musik: Was macht Ihr denn so im Privatleben? Womit beschäftigt Ihr Euch denn, wenn mal keine Musik ansteht, zum Beispiel Hobbys und sowas?

Evan: Also, wir machen nur Musik… (lacht)

Nastassja: Also, was ich ganz gerne mache, obwohl das auch wieder sehr Band bezogen ist: Ich habe so ein kleines Hobbyzimmer, da bastele ich dann zum Beispiel Haarkronen, ich mache Outfits…

Pistol: Haarkronen?

Nastassja: Ja, zum Beispiel die auf dem Cover, die habe ich selber angefertigt. Ich lebe mich da kreativ komplett aus. Ich nähe, ich schneidere an den Outfits herum.

Pistol: Also wirklich alles „Do It Yourself“?

Nastassja: Ja, definitiv! Da lebe ich mich so ein bisschen aus. Das ist für mich dann in dem Moment auch keine Arbeit, sondern mehr so ein Hobby. Alles, was kreativ ist, mache ich einfach gerne.

Evan: Was ich gerne mache, ist Sport, beziehungsweise Fußball eher. Ich gehe auch gerne ins Stadion und schaue zu, also wenn ich Zeit habe oder mal in Griechenland bin. Ich bin aber auch gerne mal in meiner freien Zeit mit Leuten zusammen, die nichts mit Musik zu tun haben; auch auf dem Job. Wir sind halt beide Musiker beruflich, und da will man sich in der Freizeit auch mal mit etwas anderem beschäftigen.

Pistol: Engagiert Ihr Euch auch für andere Projekte, also beispielsweise im Umweltschutz, politisch oder für caritative Zwecke?

Nastassja: Ich bin auch Mitglied bei PETA, wo ich monatlich spende und mich im Moment immer mehr rein lebe. Ich bin auch seit 21 Jahren Vegetarierin…

Pistol: Seit 21 Jahren? Hat man Dir als Kind Fleisch verweigert? Ich denke, mit vier Jahren kann man das doch noch nicht selber entscheiden?

Nastassja: Nee, aber doch, das war meine Entscheidung. Meine Familie stammt zum einen Teil aus Italien, und ich war immer auf dem Dorf, auch im Urlaub. Ja, und mein Onkel hatte viele Hühner, und ich war immer von Tieren umgeben. Na ja, und irgendwann saßen wir mal bei McDonalds, und meine Tante hat mir erzählt, was so alles in meinen geliebten Chicken McNuggets drin ist. Das war für mich echt ein Schock, und da habe ich gesagt, nee, möchte ich nicht mehr. Das ist das, wo ich mich gerade immer mehr rein lebe, also auch nur noch Kosmetik benutze, die ohne Tierversuche hergestellt wird. Ich bin da jetzt aber noch lange nicht 100 Prozent und sehe mich als Samariter. Aber ich versuche halt, so ein wenig das zu beherzigen.

Evan: Also, ich spende bei UNICEF, ja, oder allgemein, wenn es um Krebshilfe oder so geht. Da bin ich auch dabei, das heißt ich helfe dann freiwillig auf Veranstaltungen gegen Brustkrebs zum Beispiel, oder auch Benefizkonzerte oder ein Marathon. Ansonsten, was Politik angeht…

Nastassja: Das ist eigentlich ein No Go-Thema! (lacht)

Evan: Es gibt schon Zeiten, wo ich mich damit beschäftige, aber es gibt auch Tage, an denen ich das total langweilig finde.

Pistol: Ich finde, man sollte sich als Band auch nicht da einspannen lassen; also nicht vor einen Karren spannen lassen, weil Du ganz schnell ins falsche Licht gerückt wirst.

Nastassja: Ja, Politik ist echt so ein Thema, das sollte man als Band nicht unbedingt mitmachen.

Evan: Vielleicht nur so als dritte Person oder Außenstehender, also nicht wirklich irgendwie selber aktiv werden.

Pistol: Gibt es eine Frage, die Ihr gerne beantworte möchtet, aber die euch noch nie gestellt wurde?

Nastassja: Das ist eine gute Frage! (Evan lacht laut) Die hat tatsächlich noch keiner gestellt! Nee, aber mir fällt jetzt spontan nichts ein, vielleicht fällt mir ja nach dem Konzert noch etwas ein… (lachend)

Evan: Mit welchem Act wollen wir zusammen spielen?

Nastassja: Das wurde schon mal gefragt.

 

Evan: Echt?

Pistol: Ja, das ist genau das Problem: In den meisten Interviews wird zwanzigmal das gleiche gefragt: Was meinst Du mit dem Song oder mit der Platte, zum Beispiel. Und ich finde das so öde, weil das liest irgendwann kein Mensch mehr. Du liest zehn Interviews und überall steht dasselbe. Das hast du im Pressetext ja schon alles drin.

Nastassja und Evan: Stimmt, aber Deine Fragen waren eigentlich alle mehr so auf uns bezogen, sehr persönliche Fragen.

Pistol: Gut, dann wären wir auch soweit. Ich bedanke mich für das Interview und wünsche Euch weiterhin viel Erfolg! Möchtet Ihr noch ein paar Worte an unsere Leser richten?

Nastassja: Klar, checkt unsere Facebook-Seite aus, hört euch unser Album an und schaut euch unsere Videos auf YouTube an!

Evan: Und unterstützt einig die Szene, denn die braucht das gerade!

Nastassja: Kauft Euch CDs! <p< Evan: Und allgemein: Hört Musik, weil das ist das Wichtigste, nicht nur beim Metal-Publikum! Es fehlt ein bisschen in dieser Zeit.

Pistol: Ja, es ist leider ein reines Konsumgut geworden, ein Wegwerfprodukt fast schon.

Nastassja: Es ist einfach zu leicht zugänglich geworden. Es gibt zu viel Angebot, und die Leute haben keine Geduld mehr, sich mal einen Song von drei Minuten anzuhören. Wenn die ersten zwei Sekunden nicht überzeugen, dann wird halt nicht angeklickt oder halt irgendeine Bloggertante auf YouTube angeklickt.

Pistol: Ja, haha! Das Erlebnis hatte ich auf dem Rock Hard Festival. Da kam so eine Tussi und meinte, „Ich bin Influenza.“. Ich sagte, „Wat hast Du? Geh mal zum Arzt!“.

Nastassja und Evan lachen schallend!

 

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