Gun Barrel (Februar 2008)

GUN BARREL sind in Köln eine Institution. Mit 'Outlaw Invasion' präsentiert die Band ihr inzwischen viertes Album, das am 11. April 2008 weltweit in die Läden verfrachtet wird. Am Rande der Listeningsession in einer Kellerkneipe im Herzen Kölns, bei der auch das Ordnungsamt der Stadt gegen 19.00 Uhr (sic!) auf einen Sprung vorbeikam, setzten wir uns zu einem unterhaltsamen Gespräch zusammen.

Honk: Nach einem Durchlauf find ich Euer neues Album ziemlich

Toni: Scheiße!

Honk: Das wollt ich jetzt so nicht sagen. Ich find´s eigentlich ziemlich geschmeidig. Der Sound ist top und was ich besonders gut finde, ist dass jeder Song seinen eigenen Charakter hat. Am Anfang direkt ein ziemlich heftiges Stück, dazwischen auch wieder ruhige Töne, gefällt mir sehr gut. Erste Frage: Warum der Titel 'Outlaw Invasion'? Eigentlich seid Ihr doch ganz nette Jungs. 

Rolf: Das weißt du, aber andere Leute nicht.

Toni: Die letzte Nummer, die erklärt alles. Sowohl lyrisch als auch musikalisch.

Tomcat: Und das wir nette Jungs sind, da hat der Rolf recht, das weißt du. Die anderen wissen das gar nicht.

Toni: Ich bin der Meinung, dass sich in der Nummer "Outlaw Invasion" alle Charaktere, die irgendwo vorher gezeigt wurden, wiederspiegeln.

Rolf: Wenn du das auf den Titel beziehst, kannst du sagen, dass sind die Outlaws sind. Wir sind nicht trendy, werden nicht von Millionen Leuten gehört, machen unser Ding und wollen jetzt mit diesem Album durchstarten. Und das ist die Invasion.

Xaver: Genau so ist das.

Honk: Ich hab irgendwann, als ich in Slowenien war, ne Mail bekommen, dass die CD zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt kommen sollte. Jetzt haben wir März, im April kommt die Scheibe raus. Was hat die Veröffentlichung so verzögert?

Tomcat: Aber Weihnachten wird das Ding im Laden stehen.

Honk: Aber 2008 und nicht 2007.

Toni: Verzögert haben die CD unsere ganzen Nebenprojekte.

Rolf: Es hat terminlich einfach nicht hingehauen. Es wurde immer nach hinten geschoben. War uns auch sehr unangenehm, dass wir den Leuten gesagt haben am 15. Oktober, am 18. November. Wir hatten ne Deadline, die hat auch nicht hingehauen, weil der Produzent einfach zu viele Termine hatte. Und dadurch wurde immer unterbrochen und wieder neu angesetzt und so weiter. Dann war es ganz ruhig, wo wir gedacht haben, es geht gar nicht mehr weiter. Teilweise waren wir jeder zwei Mal in Hamburg, obwohl wir nur einmal da sein sollten. War eigentlich ne ziemlich nervige Sache, aber letztendlich, wenn die CD dann fertig ist, hast du das schnell vergessen.

Honk: Aber was lange wärt, wird dann auch gut und Ihr seid zufrieden?

Rolf: Wir sind alle zufrieden. Also in diesem Fall kann man das Sprichwort wörtlich nehmen.

Toni: Wir ja, ob ihr es auch seid, das ist die Frage.

Xaver: Wir sind mehr als zufrieden. Die ganzen Leute, die da mitgearbeitet haben, inklusive dem Produzenten, der das ganze dann noch geschliffen hat, im Vorfeld, im Nachhinein und im Studio. Der Dirk Illing, der das Cover gemacht hat, der Tom Hansen, der das Mastering gemacht hat. Yenz, der das wunderbar abgemischt hat. Und das siehst du auch ganz richtig, die ganze Platte ist sehr facettenreich geworden, und das wollten wir auch so haben. Das sollte nicht einfach nach dem Schema „anmachen, durchdröhnen, fertig“ sein. Dann weißt du nach der fünften Nummer nicht mehr, war´s jetzt die erste oder dritte. Und das ist von unserer Seite sehr gelungen. Mit Intro, Outro, mit Celli. Also Dingen, die man im Vorfeld von GUN BARREL nicht gewöhnt war. Wir haben uns weiterentwickelt, haben die Dinger zusammen entwickelt, geschrieben und reifen lassen. Wir haben uns auch die Zeit dafür genommen. Von der 'Bombard Your Soul' bis heute ist ja auch einige Zeit vergangen. Wir haben nicht den Druck, das zu machen, wir leben nicht davon. Das ganze Ding konnte wunderbar reifen und die Suppe schmeckt sehr lecker.

Honk: Toni, du wolltest noch was dazu sagen.

Toni: Also, vorhin wollt ich noch sagen, wir sind eigentlich ne Band, die von Album zu Album immer bewiesen hat, dass wir uns nach nichts richten. Wir machen das, worauf wir Bock haben. Und das haben wir mit dem letzten Album, mit der 'Bombard Your Soul', schon mächtig bewiesen und die neue Platte tut es noch mehr.

Honk: Ihr seid gerade im Bereich Köln/ Bonn inzwischen ne richtige Hausnummer. Spürt man eine gewisse Erwartungshaltung seitens der Fans, wenn man eine neue Scheibe aufnimmt, die auch irgendwie lähmen kann?

Rolf: Ich persönlich bin nur gespannt, wie die neuen Sachen aufgenommen werden. Ob wir da immer noch die ersten Reihen Headbanger haben, ob da die Fäuste nach oben gehen, Pommesgabeln und alles. Und wenn du das von oben siehst, hast du es richtig gemacht.

Xaver: Dem kann ich nur beipflichten.

Rolf: Und das Schöne an der Sache ist, das sind Sachen von uns. Und wenn Leute oder Fans das von uns annehmen, ist das für uns ein riesen Kompliment. Wir haben letztens zum ersten Mal in Belgien gespielt, da haben die Leute unsere Refrains mitgesungen. Die kannten die Songs. Da haben wir auch blöd geguckt, da bekommst du ne Gänsehaut. Das war geil. Sobald einer dein Lied kennt und kann einen Teil vom Text mitsingen, dann hast du gewonnen.

Honk: Was sind eure persönlichen Faves auf der neuen Scheibe?

Toni: Es gibt eine Nummer, die könntest du vielleicht streichen. Aber ansonsten hast du nur Gassenhauer.

Rolf: Jeder hat seine persönlichen Highlights. Er hat einen Song, den er nicht mag, das ist eins meiner Highlights. Da sollte sogar, nach Tonis Vorschlag, ein Video zu gedreht werden. 

Tomcat: Der Rolf, wie er über die Welt geht.

(die gesamte Band legt sich vor Lachen unter den Tisch)

Toni: Das war ja fast meine Hymne.

Rolf: Der Toni hatte die Idee. Und wir drei wollen das jetzt auch, dass die Plattenfirma dazu ein Video dreht.

Xaver: Machen wir!

Rolf: Wir haben die CD jetzt so oft gehört, das muss jetzt zuerst mal sacken. Also das Intro find ich geil, weil ich generell auf Intros und Outros stehe. "Ghost Inside" ist für mich ne geile Nummer. Und "Outlaw Invasion“ sowieso, weil das ein richtiger Ohrwurm ist. Und alles andere macht einfach Spaß zu spielen.

Xaver: Für mich ist "Turn To Black" einfach mein Megafavourit, weil´s einfach ne persönlich Sache wiederspiegelt. "Keep On Movin´" fand ich von Anfang an gut. "Ghost Inside", "Tomorrow Never Comes" sind wunderbar. "Outlaw Invasion", der Titelsong. Das sind so meine Highlights.

Rolf: Also "Tomorrow Never Comes" hab ich eben vergessen, das ist für mich ne ganz fette Nummer: A, weil der Song für uns ungewöhnlich ist, B, weil es für uns mit dem Cello ein Experiment war und C, weil es einfach bombastisch schön ist. Wenn da ein Selbstmordkandidat ist, der hat echt ein Problem danach. 

Xaver: Der hat dann kein Problem mehr, der hängt dann.

Rolf: Wir haben dann eins, weil wir angezeigt werden, wie bei JUDAS PRIEST.

Xaver: Dann mach ich´s wie Rob Halford damals und sing die Nummer live. Und dann, ganz klar, Freispruch.

Honk: Bei der letzten Scheibe, bei der 'Bombard...', habt ihr die Musik geschrieben, bevor Xaver in die Band gekommen ist. Wie hat sich das beim Schreiben und Aufnehmen der neuen Platte bemerkbar gemacht?

Xaver: Der Unterschied ist ja klar: Als ich in die Band gekommen bin, war das genau der Schnittpunkt. Die CD war fertig und ich musste darauf schreiben. Was jetzt nicht das Problem ist, die CD ist ja toll geworden, es hat gut geklappt. Aber vom Aufbau der Songs war halt ein anderer Sänger da, die Band hat ganz anders gearbeitet. Und hier, bei der 'Outlaw Invasion', konnte sich das entwickeln, jeder konnte sich einbringen. Natürlich wird da auch einiges umgeworfen, die Brücke zum Refrain, die willst du kriegen und die Strophe, bis das dann alles passt. Vieles landet dann natürlich auch im Müll, der eine knurrt mal. Das entwickelt sich, das geht nicht von Heute auf Morgen. Die Platte ist Step-By-Step entstanden, durch Arbeiten, durch Aufnehmen. Das ist natürlich ein ganz anderes Arbeiten, als wenn du mir ne CD hinlegst und sagst: „Sing jetzt mal.“ Da muss ich mich erst mal einlesen. Aber in der letzten Zeit, wo wir viel live gespielt haben, hat sich die ganze Band so zusammengerauft. Wir kennen uns untereinander, es ist ein riesen Spaßfaktor auch dabei, ganz klar. So ist die 'Outlaw Invasion' ne ganz andere Scheibe als der Vorgänger.

Honk: Du hast gerade schon die vielen Liveauftritte angesprochen. Berücksichtigt Ihr beim Songwriting, beim Aufnahmeprozess schon, wie eine Nummer live wirken könnte?

Tomcat: Immer!

Xaver: Immer schon. Wenn du sie im Proberaum spielst, stellst du dir ja schon vor, wie du sie später präsentierst. Wie kann das klingen, wie kannst du das rüberbringen. Da machst du dir von vornherein Gedanken. Bei der 'Bombard Your Soul' gibt´s tatsächlich auch Nummern, wo du sagst, dass das ganz klar ne Studionummer  geworden ist. Die ein oder andere kam dann einfach nicht so rüber.

Rolf: Haben wir ausprobiert.

Xaver: Ja, haben wir ausprobiert. Aber das hat dann wirklich mit dem Songwriting zu tun. Wenn du die Scheibe von vornherein zusammen schreibst, reifen lässt, dir Zeit lässt, spielst du immer mit dem Gedanken, wir die Nummer live kommt. Das beziehst du immer mit ein, schon beim Schreiben. Und deswegen ist die 'Outlaw Invasion' auch für uns durchgängig live spielbar.

Tomcat: Und das werden wir unter Beweis stellen.

Honk: Ich kann mich erinnern, irgendwann 1999 oder 2000 hab ich ein Demo namens 'Back To Suicide' von Euch bekommen. Vier Songs waren damals darauf. Jetzt haben wir 2008, ihr habt vier reguläre Alben herausgebracht mit zwei verschiedenen Besetzungen. Was sind die großen Unterschiede zwischen GUN BARREL damals und heute?

Rolf: Es ist immer noch ein großer Spaßfaktor, wie es immer war. Mit weniger Problemen, als wir damals hatten. Es gibt eine Entwicklung, die du auch selber spüren kannst, wo ich auch stolz drauf bin. Und die Band hat trotz einiger Höhen und Tiefen nie einen Rückschritt gemacht, da bin ich richtig stolz drauf. Wir hatten nie gedacht, dass das mal ne große Sache wird, weil wir einfach Musik aus Spaß machen. Jetzt hängen wir in der Mühle drin und es macht uns immer noch Spaß, auch die Mühle. Auch wenn das einer nicht richtig nachvollziehen kann, die Band ist richtig Arbeit geworden. Aber die Arbeit macht mir Spaß. Und solang wie ich das machen kann, auch die anderen, lohnt es sich, die Power reinzustecken. Wir bekommen es von den Leuten gedankt, wenn wir live spielen. Ich kann mich wirklich an keinen Gig erinnern, wo wir mit Tomaten beworfen worden sind. Es war viel Scheiße dabei, auch manchmal Kritik wo wir gespielt haben, weil wir alles einfach angenommen haben. Aber es hat alles dazu beigetragen, dass wir jetzt den Namen haben, den wir haben. Nichts auslassen, immer weitermachen und alle Tiefschläge wegstecken. Wir haben viel Humor in der Band, was auch unser großes Plus ist.

Honk: Das wars von meiner Seite. Habt Ihr noch was, das Ihr der weltweiten Internetgemeinde mitteilen wollt?

Rolf: Ja, ich freu mich, dass du wieder Rockembassy machst.

Honk: Ne, es heißt jetzt Embassy Of Rock.

Tomcat: Da freuen wir uns auch drüber.

Rolf: Wir haben gedacht, du wärst richtig weg, was schade gewesen wär. Und ansonsten wollen wir der Welt mitteilen

Xaver: Die 'Outlaw Invasion' wollen wir ihnen mitteilen.

Rolf: Genau, kommt auf unsere Gigs, schaut´s euch an.

Honk

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