Gun Barrel/ Universe, Siegburg Kubana 06.01.2017

Nein, Fortuna war den Kölnern GUN BARREL in den letzten Jahren nicht wirklich hold. Im Sommer 2005 wurde bei Gitarrist und Urmitglied Rolf Tanzius ein Aneurysma festgestellt, das ihn erstmal zu einer Auszeit zwang. Eine kleine Headlinertour durch Europa im April 2016 wurde kurzfristig gecancelt. Aber auch bei den wenigen Liveauftritten konnte die Band selten die Power der vergangenen Jahre entwickeln. GUN BARREL wirkten oftmals spürbar eingerostet.

Im Herbst des vergangenen Jahres häuften sich dann die Neuigkeiten aus dem GUN BARREL-Lager: Sänger Patrick Sühl verließ aus zeitlichen Gründen die Band. Für ihn wird Thomas Nathale zukünftig den Job am Mikrophon übernehmen, der seinen Einstand bereits im letzten Jahr bei einem tschechischen Festival gab. Kurze Zeit später stieg Fernsehdoc Heiwi Esser als zweiter Gitarrist bei der Band ein.

Am 06.01.2017 war dann Gelegenheit, die neugierige und vielleicht auch etwas bange Frage, ob GUN BARREL im neuen Line-Up überzeugen und wieder Boden gut machen konnten, zu beantworten. Schauplatz hierfür war das Siegburger Kubana, das sich in den letzten Jahren immer mehr zur Homebase der Band entwickelt hat, und bestens gefüllt war.

Als Opener fungierten UNIVERSE aus dem bergischen Wuppertal. Bereits seit zweieinhalb Dekaden im Geschäft, gab die Band ihr Siegburgdebüt. Natürlich können UNIVERSE auf jede Menge Erfahrung zurückgreifen und gingen dementsprechend routiniert zu Werke. Und dies wurde vom Publikum auch mit begeistertem Applaus honoriert. Mit der Zeit ließ das Interesse seitens der Zuschauer aber etwas nach. Das virtuose und gefühlvolle Spiel der beiden Gitarristen George Dallino und Tommy Schwarz war zwar definitiv sehens- und hörenswert. Mit der Zeit boten die oft recht ähnlich strukturierten Songs aber zu wenig Aufhorchmomente, so dass der Auftritt begann vor sich hinzudümpeln.
Trotzdem: Nicht nur die vielen Zugaberufe, die von Seiten der Band auch gerne erfüllt wurden, machten deutlich, dass UNIVERSE diesen Auftritt nicht nur als Achtungserfolg verbuchen kann.

Nach einer kurzen Umbaupause ist es dann endlich soweit: Das altbekannte Intro kündigte GUN BARREl an, die mit 'Front Killers' die Bühne enterten und von Beginn an einfach alles wegknallten. Da waren sie wieder, die Energie und der Rotz, die in der Vergangenheit teilweise schmerzlich vermisst wurden.
Die Idee einen zweiten Gitarristen mit an Bord zu holen, erwies sich als richtige Entscheidung: Eine geballte und drückende, aber transparente Gitarrenwand war die Folge. Voller Spielfreude, bestens aufgelegt und aufeinander eingespielt zockten sich GUN BARREL durch ihre Setlist. Und die beiden Neuen in der Band zeigten sich bereits bestens integriert. Zwar bemängelte der ein oder andere Zuschauer, dass Sänger Thomas Nathale hier und da noch das richtige Gefühl in den Songs fehlen würde. In Anbetracht der Tatsache, dass er mit GUN BARREL erst seinen zweiten Gig absolvierte, war dies aber Jammern auf extrem hohen Niveau. Denn nicht nur stimmlich, sondern auch mit seinen passenden Ansagen liefert er eine absolut souveräne Leistung ab.
Neben ihren beiden Mitstreitern hatten GUN BARREL aber noch mehr Neues im Gepäck. Neben vielen Songs der letzten beiden Alben "Brace For Impact" und "Damage Dance" sowie Bandklassikern wie 'Brother To Brother' oder 'Roll Of The Dice' hatten es auch zwei noch unveröffentlichte Songs auf die Setlist geschafft. Und auch 'Fire' und das mit einem für GUN BARREL eher untypischen Rhythmus daherkommende 'Dynamite Forces' wurden vom Publikum begeistert abgefeiert.


Natürlich konnten auch GUN BARREL die Bühne nicht ohne Zugabe verlassen. Beim abschließenden 'Battle-Tested' gaben Band und Fans nochmal richtig Vollgas, bevor sich GUN BARREL sichtlich erleichtert verabschiedeten.
Und am Ende gab es keine zwei Meinungen: In dieser Verfassung waren und sind GUN BARREL wieder eine Macht. Willkommen zurück!

Honk

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