HOLLYWOOD VAMPIRES, THE DARKNESS - MG, Sparkassenpark 14.06.2018

Nun bin ich eigentlich kein großer Freund von Open Air Konzerten oder Stadion Veranstaltungen, aber die Hollywood Vampires wollten wir uns nun mal nicht entgehen lassen. Und wie könnte es anders sein, auf dem Weg zum Sparkassenpark nach Mönchengladbach schüttet es wie aus Eimern, obwohl die Wetter App eigentlich nur etwas Bewölkung ansagt. Nun gut, scheinbar die falsche App rausgesucht. Erfreulicherweise gibt es für die Presse schon mal einen kostenlosen Parkplatz direkt vor dem Hauptportal, den roten Teppich suche ich zwar vergebens, aber so brauchen wir zumindest nicht im Regen stehen bis zum Einlass. Glücklicherweise hat der Wettergott aber ein Einsehen, und stellt kurz vor Showbeginn den Wasserspender ab. Etwas Verwirrung gibt es beim ersten Fotocall, aber letztlich wird dann doch noch alles gut.

Pünktlich um 20:00 stürmen dann auch The Darkness auf die Bühne, und beginnen ihre kunterbunte Bubblegum Show. Die Spandexanzüge der Anfangszeit trägt Sänger Justin Hawkins zwar nicht mehr, aber dafür glänzt Bass Spieler Frankie Poullain durch sein modebewusstes Auftreten mit Afrolook und quietschgelben Outfit. Die Jungs zocken auch direkt los und spielen ihre Glam Rock orientierten Songs frisch und voller Spielfreude runter. Justin versucht immer wieder mit dem Publikum zu interagieren, aber das ist scheinbar nicht wirklich der englischen Sprache mächtig und versteht die humoristischen Einlagen nicht unbedingt. Jedenfalls bleiben die erwarteten Lacher größtenteils aus. Aber egal, die Jungs machen Spaß und es kommt nicht von ungefähr, dass ich das eine oder andere Mal an eine liebevolle Hommage an Queen denke. Immerhin sitzt mit Rufus Taylor einer der Söhne Roger Taylors am Schlagzeug. Die zurückliegenden Querelen innerhalb der Band sind jedenfalls Schnee von gestern, man hatte sich ja seinerzeit vom Sänger getrennt, ist aber seit 2011 wieder am Ball, wie auch das 2012 erschienene Album „Hot Cakes“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Ein schöner Gig auf alle Fälle, der zeitlich allerdings keine Zugabe mehr vorsieht. Ein straffer Zeitplan zwingt The Darkness leider von der Bühne.

Setlist: Solid Gold, Growing on Me, Love Is Only a Feeling, Japanese Prisoner of Love, One Way Ticket, Barbarian, Buccaneers of Hispaniola, Get Your Hands Off My Woman, I Believe in a Thing Called Love

Nach raschem Umbau erscheint nun die wohl derzeit am besten bezahlte Coverband der Welt, die Hollywood Vampires in der Besetzung Alice Cooper, Johnny Depp, Joe Perry, Chris Wyse, Tommi Henrikson, Glen Sobel und Buck Johnson auf der Bühne. Nach dem Intro von Bela Lugosi's „Dead, The Last Vampire“ kristallisiert sich ziemlich schnell heraus, dass ein Großteil des Publikums wegen Johnny Depp und Alice Cooper gekommen ist. Und der wie immer äußerst charismatische Alice hat die Menge auch direkt in der Hand, egal ob er mit seinem eigenen Programm auftritt oder wie heute eben als Teil der Vampires. Somit steht der ultimativen Vollbedienung mit Gassenhauern von Supergroups wie Aerosmith, The Doors, AC/DC, The Who und vielen anderen nichts mehr im Wege. Und zu meinem Erstaunen glänzt auch Piratenkönig Johnny Depp durch virtuoses Spiel und hervorragenden Gesang. Es gibt nicht viele Musiker, denen ich zugestehen würde „Heroes“ von David Bowie zu covern. Gut, Lemmy Kilmister durfte das, ich denke er sitzt mit Bowie jetzt sowieso an der Bar irgendwo im Universum. Aber Johnny Depp macht seine Sache extrem gut und interpretiert den Song wirklich beeindruckend mit echtem Gänsehautfeeling. Überhaupt kommen die Klassiker der Rockgeschichte unheimlich frisch rüber, mit viel Spielfreude und Liebe interpretiert. Genial auch die Videoshow zu „People Who Died“, die auf der großen Leinwand alle unsere liebgewonnenen Helden der Vergangenheit zeigt. Einerseits traurig alle diese großen Charakteren von Jimi Hendrix über David Bowie bis hin zu Lemmy Kilmister noch einmal übergroß zu sehen, immer mit dem Bewusstsein dass sie nie wieder auf der Bühne stehen werden, gut außer Alice Cooper als letzter der Untoten, wie er so schön zwischendurch anmerkte. Das hat schon etwas Ergreifendes, und man sieht die eine oder andere Träne kullern. Und wenn man schon Joe Perry dabei hat, müssen natürlich auch Aerosmith Klassiker wie „Sweet Emotions“ zum Besten gegeben werden, gar keine Frage. Selbst diese Stücke funktionieren hervorragend gut, auch ohne Steven Tyler. Selbst Gitarrist Tommi Henriksen, der jetzt nicht durch die große Bühnenpräsenz glänzt, versteht sein Handwerk vortrefflich. Spielte er doch schon mit Doro, Lady Gaga, George Lynch und vielen anderen zusammen. Das ganze Ensemble lässt keine Minute das Gefühl aufkommen, das sich hier ein paar alternde Rockstars wegen des Geldes zusammen getan haben, sondern einfach aus Spaß am gemeinsamen Musizieren. So geht eine kurzweilige Show dann leider zu Ende. Aber es gibt ja noch eine Zugabe, ja und wenn Alice Cooper auf der Bühne steht kann ja eigentlich nur noch „Schools Out“ folgen. Dazu werden riesige Luftballons in die Menge geworfen, und das wachsame Auge bemerkt sofort, das man selbst für diesen Job eine prominente Mitarbeiterin angeworben hat. Als amtliche Ballonschubserin war nämlich Jen Majura, die Gitarristin von Evanescence mit am Start. Alles in allem ein wunderbares Konzerterlebnis, das mit dem Outro „Anarchy In The UK“ von den Sex Pistols würdig ausklang.

Setlist: I Want My Now, Raise the Dead, Five to One / Break On Through (The Doors cover), The Jack (AC/DC cover), Ace of Spades (Motörhead cover), Baba O'Riley (The Who cover), As Bad As I Am, The Boogieman Surprise, I'm Eighteen (Alice Cooper cover), Combination (Aerosmith cover), People Who Died (The Jim Carroll Band cover), Sweet Emotion (Aerosmith cover), Heroes (David Bowie cover), Train Kept A-Rollin' (Tiny Bradshaw cover), School's Out / Another Brick in the Wall

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