Jon Oliva´s Pain - Jon Oliva (März 2007)

Wenige Stunden bevor für JON OLIVA und seiner Band JON OLIVA´S PAIN die "Maniacal Renderings"-Tour began, traf ich den bestens aufgelegten Sänger in den Backstageräumen der Bonner Klangstation zum gemütlichen Plausch.

Honk: Wie geht´s Dir heute?

Jon: Großartig. Ich bin vom Fliegen was müde, meine Arme sind müde, weißt du.

Honk: Aber mit Deiner Stimme ist alles in Ordnung?

Jon: Stimme ist optimal, haha.

Honk: Ich hab dir diese Frage gestellt, weil die Texte Deiner aktuellen CD vermuten lassen, dass du momentan sehr pessimistisch auf die Welt siehst, beziehungsweise auf das was, hier passiert.

Jon: Natürlich, du nicht? Ja, da sind viele Songs, die solche Themen behandeln. Ich beschreibe die Welt so, wie ich sie sehe. Und da sind viele Dinge, über die ich unglücklich bin. Viele Sachen laufen falsch und das ist mein Weg, Leuten dies mitzuteilen. Es ist halt wie es ist. Was kann ich tun, außer darüber zu reden?

Honk: Vielleicht fangen einige Leute an, darüber nachzudenken.

Jon: Ja, vielleicht mach ich Leute damit nachdenklich.

Honk: Was ich an der CD interessant finde ist, dass Du viele Ideen Deines Bruders miteingebaut hast.

Jon: O ja, einige.

Honk: Könntest Du uns was über den Schreib- und Aufnahmeprozess der CD erzählen?

Jon: Ja, ich hab, oder besser meine Frau hat viele Tapes gefunden. Wir haben damals immer Tapes getauscht, weißt du, er hat seine Ideen auf Kassette aufgenommen und ich meine und dann hab ich ihm meine Kassette gegeben und er mir seine. Ich hab die ganzen Kassetten weg getan und vergessen. Aber meine Frau, eine intelligente Person wie sie nun mal ist, hat alle alten Sachen, Kassetten, Bühnenklamotten und so in eine Kiste getan. Als wir umgezogen sind, kamen diese ganzen Kisten zum Vorschein. Ich hab sie auf gemacht, in einer waren Stiefel, in einer anderen Bühnenklamotten, aber was war hier. Ich öffnete die Kiste und fand diese ganzen Kassetten und dachte „Oh mein Gott, was ist das?“. Das waren alles Ideen, die für SAVATAGE gedacht waren. Und da ist noch viel mehr, wir werden in der Zukunft noch mehr verarbeiten.

Honk: Würdest Du dich selber als Workaholic bezeichnen?

Jon: Als Alkoholic, ja. Als Workaholic weniger. Ja gut, ich arbeite die ganze Zeit.

Honk: Gibt es beim Komponieren für Deine aktuellen und ehemaligen Bands und Projekte Unterschiede? Gehst Du direkt mit einer bestimmten Soundvorstellung an jede Band heran?

Jon: Mit dieser Band (Anm. Honk: Gemeint ist JON OLIVA´S PAIN) kann ich verschiedene Stile spielen. Bei SAVATAGE haben wir mehr das gemacht, was wir schon vorher gemacht haben. Mit Paul O´Neill haben wir diesen Sound entwickelt, mit den ganzen Rockopern, und sind dabei geblieben. Viele neue Alben haben sich für mich gleich angehört. "Dead Winter Dead", "The Wake Of Magellan", "Poets & Madmen", die hätten alle auf demselben Album stehen können. Bei dieser Band ist das anders. Die Musiker sind alle sehr vielseitig, sie kommen aus verschiedenen Musikrichtungen. Matt, der Gitarrist, war Lehrer, weißt Du, er kann Jazz spielen, Blues, Rock´N´Roll, Heavy Metal, Death Metal. Auch die anderen Bandmitglieder können verschiedene Musikstile spielen. Das war es, wonach ich gesucht hab. Ich will nicht nur Heavy Metal spielen, das hab ich 20 verfluchte Jahre gemacht. Es ist eine sehr vielseitige Band, viel vielseitiger als SAVATAGE. Das ist nicht gegen SAVATAGE, eine großartige Band, aber mit SAVATAGE hatten wir unseren Sound, diese ganzen Rockopern. Du konntest mit SAVATAGE keinen Blues machen oder einen Song wie 'End Times' hätte ich nie mit SAVATAGE machen können. Das ist der große Unterschied.

Honk: Und woher nimmst Du Deine Inspiration?

Jon: Drugs! (großes Gelächter) Von überall her, durch das Leben. Toi, toi, toi, dass ich es kann. Gott hat mich damit gesegnet, großartige Musik schreiben zu können und ich bin sehr glücklich darüber. Es kommt einfach zu mir. Viele Songideen stammen aus kleinen Fetzen, weißt du, ich spiele Klavier und dann ergibt sich das. Normalerweise ist da eine kleine Melodie, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht, auf der dann ein Song basiert. Und Drogen können natürlich auch eine Rolle spielen (wiederum großes Gelächter).

Honk: Heute ist das erste Konzert der Tour. Was erwartest Du von dieser Tour?

Jon: Nach diesem Soundcheck erwartet ich totales Chaos, um ehrlich zu sein. Aber es wird lustig. Du erste Show jeder Tour ist immer ein verdammtes Chaos. Irgendwas passiert immer: Die Saft für die Anlage wird fehlen, das Keyboard wird explodieren, der Gitarrist von der Bühne fallen, der Drummer sich die Hand brechen... Irgendeine Katastrophe wird passieren. Die erste Show ist immer ein Alptraum. Aber genieße sie und hab Spaß.

Honk: Eine Frage, die Dir wahrscheinlich momentan viele Leute stellen: Wie sieht´s mit der SAVATAGE Abschiedsshow aus?

Jon: Nächstes Jahr. Ich hab keine Ahnung. Das hat ne Menge mit dem Management und dem Label zu tun, welche die Rechte am Namen SAVATAGE haben. Wir müssen alle Leute zusammen bekommen und alle müssen es wollen. Ich kann da nicht sehr viel machen. Ich hab 2-3 Jahre gewartet und nichts ist passiert. Wenn es passiert, passiert und ich wäre darüber glücklich. Aber in der Zwischenzeit mache ich was ich tue. Ich hab alle SAVATAGE-Sachen komponiert, daher gehören die Titel mir und ich spiele sie. Diese Band fühlt sich für mich mehr nach SAVATAGE an als SAVATAGE. Nach dem Tod von Chriss war SAVATAGE für mich nie wieder SAVATAGE, es war nur ein Name und wir hatten jedes Jahr andere Leute. Wir haben immer nur das gleiche gemacht. "Dead Winter Dead", "The Wake Of Magellan", "Poets & Madmen" – das sind alles gute Scheiben, aber sie hören sich alle gleich an. Der Sound ist gleich, der Aufnahmeprozess, vielleicht ist es so am Besten. Wenn wir uns jetzt für eine große Show treffen wäre jeder frisch und jeder wäre aufgeregt. Wenn du 20 Jahre bist langweilen sich die Leute. Da kannst du nichts gegen machen, das ist halt so. Die SAVATAGE-Fans sollten das lieben, was ich jetzt mache, weil es mehr nach SAVATAGE klingt als die letzten SAVATAGE-Alben.

Honk: "Maniacal Renderings" erinnert mich sehr an SAVATAGE-CDs wie "Hall Of The Mountain King", "Gutter Ballet" und besonders "Streets".

Jon: Das ist was, was ich machen wollte.

Honk: War ein solcher Sound geplant?

Jon: Ich denke, dass Chriss´ Ideen geholfen haben, diesen Sound und das Gefühl zurück zubringen.

Honk: Letzte Frage: Ist es nicht manchmal nervend, dass viele Leute die Songs von JON OLIVA´S PAIN mit den Songs von SAVATAGE vergleichen?

Jon: Och, das stört mich nicht. Alles was ich machen werde wird sich nach SAVATAGE anhören, weil ich an jedem SAVATAGE-Song der jemals aufgenommen wurde beteiligt war. Du kannst 20 Jahre nicht so einfach aus dem Fenster schmeißen. Meine Stimme ist meine Stimme. Es macht mich auch glücklich, weil es SAVATAGE nicht mehr gibt und JON OLIVA`S PAIN das nächste Ding ist. Du hast mich, du hast die Musik meines Bruders, also die beiden Gründungsmitglieder. Chriss ist unser heiliges Bandmitglied. Er hat an fünf Songs des Albums mitgeschrieben und auf der nächsten CD wird vielleicht noch mehr von ihm sein, da sind bestimmt noch 40-50 Tapes, die ich mir noch nicht mal angehört hab. Er ist wie mein heiliger Partner im Himmel, der mir seine Ideen sendet. Es ist großartig, er ist ein Teil unser Band, was für uns alle wichtig ist.

Honk

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