Lucid Dreaming - Till (Sept. 2013)

LUCID DREAMING ist das jüngste Kind von ELVENPATH-Gitarrist Till Oberboßel. Am Rande des Metallergrillens fanden wir Zeit, um ein wenig über das kürzlich erschienene Konzeptalbum "The Chronicles Pt. 1" zu plaudern.

Honk: Schönen guten Tag. Ich muss zugeben, ich musste erstmal bei Wikipedia und so schauen, worum es bei der Story von "The Chronicles Part 1" geht. Könntest du für die Leute, denen es ähnlich geht wie mir, kurz die Handlung oder das Konzept deiner Metaloper beschreiben.

Till: Also, Grundlage ist ein Fantasyzyklus, eine Pentalogie, „Die Chroniken von Prydain“ von dem Autor Lloyd Alexander, ich glaube aus den Sechzigern. Im Mittelpunkt steht der Junge Taran, der im Laufe der Geschichte heranwächst, zum Mann wird, viele Menschen trifft und einen tollen Aufstieg vom Schweinejungen zum König vollzieht. Das ist wohl eigentlich eher für jüngere Leser, aber Erwachsene können sich dafür auch sehr begeistern, denke ich. Ich selber habe das mehrmals im Laufe der Jahre gelesen. Das Album "The Chronicles Pt.1" behandelt jetzt die ersten beiden Bände dieses Zyklus´. Im Groben geht es im ersten Teil darum, dass Prydain, wo die Geschichte spielt, vom Bösen bedroht wird und Taran ein magisches Schwein finden muss, welches eine Prophezeiung sprechen kann, wie man dieser Gefahr Herr wird. Und im zweiten Band geht es um den schwarzen Kessel, mit dem Tote als Krieger für das Böse wieder zum Leben erweckt werden können. Dieser Kessel muss gefunden und zerstört werden. Das war jetzt ein ganz kurzer Abriss. Es gibt aber zumindest im englischen Wikipedia eine genaue Beschreibung, aber natürlich kann ich jedem nur empfehlen, die Bücher zu lesen. Es lohnt sich wirklich.

Honk Du hast gesagt, du hast dich lange dafür begeistert. Wie ist denn die Idee entstanden, das Buch musikalisch umzusetzen? Bist du mit deiner Band ELVENPATH noch nicht ganz ausgelastet oder warum hast du dir gedacht, ich setze mich daran und mache das?

Till: Das war umgekehrt. Ich wollte ein Projekt machen mit verschiedenen Sängern und erst als dieser Entschluss gefasst war, hab ich mir überlegt, was denn das Thema dieses Projektes sein soll. Grundsätzlich kann ich sagen, dass ich ein Fan von Konzeptalben bin und es sehr mag, wenn über ein komplettes Album eine Geschichte erzählt wird. Und als das jetzt so populär wurde, verschiedene Sänger die Charaktere einer Geschichte darstellen zu lassen, hat mich das sehr begeistert. Also AVANTASIA und AYREON sind ja jetzt die Marktführer in diesem Genre, wenn man so will, das sind auch zwei Acts, die ich sehr gerne mag. Und ich dachte irgendwann, Mensch, das möchte ich auch mal probieren. ELVENPATH ist eine feste Band mit fünf Mitgliedern und einem Sänger, da ging das also nicht. Und obwohl mich die Band ganz gut auslastet, wollte ich mal versuchen, so ein Projekt zu realisieren und hab dann überlegt, was das Thema dieses Projektes sein könnte. Und nach einigem Überlegen kam ich dann auf die „Chroniken von Prydain“. Dann hab ich angefangen, daran zu arbeiten, zu komponieren und hab überlegt, welcher Sänger wen darstellt. Und so kam das halt über einen langen Zeitraum Schritt für Schritt zusammen.

Honk: Wie lange hat es ungefähr gedauert, von der Idee bis zum fertigen Album?

Till: Also das Songwriting hat sich etwa über drei Jahre gestreckt. Ich hab aber nicht konstant dran gearbeitet, sondern mal sehr konzentriert dran gearbeitet und es dann mal ein paar Monate auf Seite geschoben, je nachdem, wie ich Zeit hatte und ich inspiriert war. Aber insgesamt kann man sagen, die Songs haben etwa drei Jahre gebraucht. Die Aufnahmen haben dann nochmal zweieinhalb Jahre gebraucht. Im Sommer 2010 haben die Aufnahmen begonnen. Schlagzeug und Gitarren waren recht schnell im Kasten und dann hat es sich halt gezogen, bis elf Sänger ihre Parts eingesungen hatten. Die waren natürlich auch mit ihren eigenen Sachen beschäftigt. Und im Dezember 2012 haben wir dann den finalen Mix gemacht. Es ist lange Zeit vergangen und ich bin wirklich froh, dass es jetzt fertig und veröffentlicht ist.

Honk: Du hast eben gesagt, dass du überlegt hast, wie du die einzelnen Charaktere darstellst. Hattest du denn beim Komponieren für die einzelnen Charaktere schon Sänger im Hinterkopf, auf die du quasi den Gesangspart oder die Melodie zugeschnitten hast?

Till: Ich musste natürlich entscheiden, welche Charaktere aus der Geschichte ich auf das Album nehme, denn sonst wären es schlussendlich nicht elf, sondern 25 Sänger geworden. Als dann aber die Auswahl getroffen war, hab ich mir schon überlegt, wer da so passen würde. Nicht so von der Melodieführung her, sondern eher welche Stimmfarbe zu welchem Charakter passt. Also ist das ein König oder ein Barde oder ein Junge? Muss das jetzt eher eine alt klingende Stimme sein? Das ist ein bisschen, als wenn man einen Film dreht. Der Schauspieler muss ja auch zum Charakter passen. Du kannst nicht Titanic drehen und einen jugendlichen Liebhaber haben und dafür Sean Connery nehmen. Da hab ich mir dann überlegt, was könnte passen. Zum Teil war es so, dass es recht schnell kam. Zum Beispiel als ich die Textzeilen für Taran geschrieben hab, da hab ich direkt Leos Stimme im Kopf gehabt. Also man kann wirklich sagen, Taran hat mit Leo Stivalas Stimme in meinem Kopf gesungen. Klingt jetzt komisch, aber war echt so. Ich musste einfach ihn haben. Der Leo ist ein guter Freund von mir und ich mag auch seinen Gesang total gerne und als ich ihn gefragt habe, ob er Interesse hat, hat er auch sofort zugesagt. Bei anderen hab ich etwas länger überlegen müssen, welche Stimme passen könnte und welche Sänger es in meinem Bekanntenkreis und darüber hinaus gibt. Von den Sängern kannte ich fast alle persönlich, bis auf den Jason von SKELATOR. Den hab ich bis heute nicht persönlich getroffen, aber ich kannte halt seine Musik und höre seine Stimme sehr gerne. Bei einigen ging es recht schnell, bei anderen hat es etwas länger gebraucht. Aber mir war halt wirklich wichtig, dass die Stimme den Charakter zum Leben erwecken kann.

Honk: Wenn wir beim Aufnahmeprozess bleiben: Du hast grade gesagt, den Jason hast du noch gar nicht persönlich kennen gelernt. Generell bei elf Sängern: Ist es für dich als den kreativen Kopf im Hintergrund nicht unglaublich schwer, den Sängern – auch über geographisch weite Entfernungen – so vermitteln, wie du dir den Gesangspart vorstellst oder hast du ihnen erstmal frei Hand gelassen um mal zu schauen, was herauskommt?

Till: Quasi irgendwo in der Mitte. Ich hab von allen Gesangsparts eine Demoversion eingesungen, die ich im Kopf hatte. Aber ich hab auch allen Sängern gesagt, dass das jetzt nicht in Stein gemeißelt ist und sie gerne auch Variationen einbringen können. Ich bin jetzt auch kein so guter Sänger, dementsprechend konnte ich auch manches nur andeuten, was ich so im Kopf hatte. Manche Parts sind jetzt genauso geworden, wie ich mir das vorgestellt habe, manche sind total anders geworden. Aber im Endeffekt war ich wirklich total zufrieden, mit dem was die Sänger rübergebracht haben und musste ganz selten sagen, dass mir irgendwas nicht gefällt und der Sänger das bitte anders machen soll. Das kam ganz selten vor. Ich mein klar, jeder Sänger bringt seine Persönlichkeit, seine Stimmfärbung und seinen Stil mit rein, aber das ist dann auch das Flair, wenn verschiedene Personen das Album auch ein Stück beeinflussen. Ich war bei etwa der Hälfte der Aufnahmen dabei im Rhein/Main-Gebiet. Andere, die jetzt in den USA, der Schweiz, auf Malta oder in Hamburg wohnen, klar, die haben bei sich aufgenommen und haben uns dann das Ergebnis zugeschickt. Aber im Endeffekt bin ich wirklich sehr glücklich mit allen Performances der Sänger, also da gibt es jetzt wirklich keinen, wo ich sagen könnte, das hätte jetzt besser sein können. Das war wirklich klasse.

Honk: Gibt es denn Überlegungen, das auch mal live aufzuführen, gegebenenfalls mit anderen Sängern? Oder ist LUCID DREAMING erstmal als reines Studioprojekt gedacht?

Till: Es war von Anfang an als Studioprojekt geplant. LUCID DREAMING live aufzuführen würde ich auch nur machen wollen, wenn es lückenlos mit allen Sängern auf der Platte passieren würde. Und dann müssten erstmal jede Menge Terminkalender koordiniert werden, bis alle Zeit haben. Und dann müsste man die Leute einfliegen, man müsste Proben, das würde ne Menge Geld kosten. Also das könnte man wirklich nur machen, wenn auch entsprechen große Shows das rechtfertigen würden. Und das ist natürlich utopisch.

Honk: Wacken exklusiv?

Till: (lacht) Keep It True exklusiv wäre mir lieber. Oder auch andere coole Festivals. Aber ich bin ehrlich: Wenn mir Wacken ein gutes Angebot machen würde, dann würde ich das auch machen. Ich gehe aber jetzt nicht davon aus, weil die jetzt erstmal wieder DORO und AMON AMARTH holen müssen. Von daher war LUCID DREAMING ein reines Studioprojekt und wird es auch bleiben. Ich möchte da eher Zeit und Energie in neue Alben stecken, als damit live rumzugurken. Heavy Metal fürs Wohnzimmer sozusagen.

Honk: Das war mein Stichwort: Du hast weitere Alben angesprochen und hast gesagt, "The Chronicles Pt. 1" umfasst die ersten beiden Bände des Zyklus. Gibt es schon Ideen und Pläne für eine Fortsetzung?

Till: Wo es einen Pt. 1 gibt, muss es auch einen Pt. 2 geben, das ist klar. Ich bin auch schon am Schreiben und auch das zweite Album wird sich wieder mit den Chroniken von Prydain beschäftigen. Es wird aber nicht einfach mit Band 3 weitergehen, sondern sich mit dem vierten Band beschäftigen. Das ist mein Lieblingsband aus dem Fünferpack und es geht darum, dass Taran auf Wanderschaft durch das Land Prydain geht, um seine Wurzeln zu suchen. Er kennt nämlich seine Eltern nicht und will seine Abstammung herausfinden. Es ist ein sehr interessanter Band. Taran trifft sehr viele Menschen, er macht seine Erfahrungen und das schreit einfach danach, in einem Konzeptalbum verwendet zu werden. Frag mich bitte nicht, wann es das Album geben wird. Ich hoffe, dass wir im Spätsommer/ Herbst nächsten Jahres mit den Aufnahmen anfangen können und dann wird man sehen. Aber es soll auf jeden Fall mindestens ein weiteres Album über Prydain geben. Und dann muss man gucken, wie es weitergeht. Es war viel Arbeit, das Album zu machen. Aber ich muss auch sagen, ich bin sehr stolz drauf und möchte es auf jeden Fall weitermachen.

Honk: Ok, ich wäre durch. Hast du noch was auf dem Herzen, was du kundtun möchtest?

Till: Ja, also vielen Dank an dich für dein Interesse an LUCID DREAMING.

Honk: Danke für deine Zeit!

Till: Ich hab da Zeit. Wir sind jetzt hier bei Metallergrillen und es sind noch über vier Stunden, bis ELVENPATH spielen. SPECTRAL möchte ich mir gerne anschauen, ist nicht nur ne coole Band, sondern sind auch coole Jungs. Und später müssen wir natürlich noch DRAGONSFIRE und LONEWOLF sehen, aber bis dahin ist noch viel Zeit und ich kann viel über meine Musik erzählen. Und ich möchte alle, die das jetzt lesen, einladen, einfach mal auf die Facebookseite von LUCID DREAMING zu schauen (facebook.com/luciddreamingmetal) und mal reinzuhören. Vielleicht gefällt es euch ja. Und wenn es euch gefällt, möchte ich euch einladen, dass Album auch zu kaufen statt runterzuladen. Ich weiß, der Markt ist total überlaufen und es gibt hundertmal mehr Alben als man sich kaufen kann. Aber das Album ist wirklich gut geworden und ist auch schön aufgemacht. Ich möchte auch alle einladen, mir eine kurze Mail zu schreiben, wie sie das Album finden. Ich freu mich immer über Feedback. Und ansonsten stay Metal!

Honk

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