Nazareth, Tri State Corner - Juz Andernach 14.12.2019

In einer langen Schlange warteten die Besucher schon einige Zeit vor Einlass darauf, dass sich die Tür des Juz Andernach öffnete. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen - älteren und jüngere Kuttenträgern, Altrocker mit patinabeschichteter Lederjacke genauso wie Hemdträger mit Bügelfalte oder auch Eltern mit ihrem Nachwuchs - gab sich ein entspanntes generationenübergreifendes Stelldichein. Ein klarer Hinweis auf die Relevanz der heutigen Band, aber auch darauf, dass das Juz an diesem Abend richtig gut gefüllt sein würde.

 

Bevor diese allerdings zum Abschlusskonzert ihrer Giants Of Rock Tour 2019 die Bühne enterten, oblag es TRI STATE CORNER, das Publikum als Opener zu unterhalten. Und das machte die Band mit viel Einsatz auf sehr sympathische Weise. Trotzdem war das Publikum zwiegespalten: Während ein Teil das Zuschauer TRI STATE CORNER mit viel Applaus bedachten, sorgte der Auftritt der Band bei einem anderen Teil eher für wohlmeinendes Schulterzucken. Der moderne Rock-/ Metalsound der Band passte stilistisch kaum zum klassischen und erdigen Hard Rock des Headliners. Hinzu kam, dass die Bouzouki, die den Songs der Band ein Alleinstellungsmerkmal gibt, oftmals im Gesamtsound etwas unterging.

 

Im Anschluss an den knapp 40 minütigen Auftritt von TRI STATE CORNER und einer kleinen Umbaupause kündigte ein atmosphärisches Dudelsackintro NAZARETH an. Und der Rockdinosaurier zeigte eindrucksvoll, dass er auch nach 50 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen gehört. So wurden die anschließenden 90 Minuten zu einer wahren Lehrstunde. Das eröffnende 'Turn On Your Receiver', Bandklassiker wie 'Razamanaz', 'Hair Of The Dog', das unvermeidliche 'Love Hurts', aber auch 'Chance', 'Never Dance With The Devil' und 'Tattooed On My Brain' vom aktuellen 24. Studioalbum der Band kamen einfach perfekt von der Bühne. Hierzu hatte neben der spielerischen Leistung der Schotten auch der absolut glasklare, aber durchaus druckvolle Sound einen gewaltigen Anteil. Nebenbei bemerkt: Der dafür verantwortliche Mann am Mischpult feierte an diesem Abend Geburtstag und wurde schlanke 84 Jahre jung. You´re never to old to rock´n´roll.

Während sich die drei Instrumentalisten um das einzige verbliebene Originalmitglied Pete Agnew primär auf ihr Spiel konzentrierten, präsentierte sich Sänger und Frontmann Carl Sentance nicht nur stimmlich in Topform. Auch als Entertainer machte er einen super Job und unterhielt immer wieder mit kurzweiligen Ansagen. So lobte er beispielsweise die Vorzüge von kostenlosem Bier während einer Tour oder den Geschmack einer Banane, die ihm vor dem Zugabenteil von seinen Bühnentechnikern scherzhaft in die Mikrofonhalterung gesteckt wurde.

Anschließend beendete der Zugabenblock aus 'Miss Misery', 'Where Are You Now' und 'Go Down Fighting', einen großartigen Konzertabend und das Juz entließ den eingangs erwähnten bunten Haufen mit einem zufriedenen Lächeln in die Nacht. NAZARETH traten wieder einmal erfolgreich den Beweis an, dass gute Musik absolut zeitlos ist.

Honk

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