Pyracanda, Metal Inquisitor, Angel Dust, Addict - Juz Andernach 08.02.2020

Eine richtige Besonderheit stand im Andernacher Juz ins Haus. Schlanke 25 Jahre herrschte Ruhe um die Andernacher Thrasher von PYRACANDA, die Anfang der 90er mit zwei Alben überregional Bedeutung erlangten. Nach dem Entschluss zur Reunion lag es natürlich nahe, diese - nach Konzerten im alten Juz zu früheren Zeiten - im neuen Andernacher Juz auf die Bühne zu bringen.

 

Zunächst gab es aber von ADDICT 30 Minuten Old School Thrashmetal ohne Palaver auf die Ohren. Da das erste Album der Band in Kürze erscheinen wird, nutzte man die Gelegenheit, den ein oder anderen Song bereits auf Livetauglichkeit zu überprüfen. Und das funktionierte gut. Denn während sich die Halle im Laufe des Gigs immer mehr füllte, konnte der Vierer neben den ersten Reihen auch das Publikum im hinteren Teil der Location immer mehr für sich gewinnen. Als besonderes Schmankerl verteilte das Bandmaskottchen Addictus zum abschließenden 'We Want More' das obligatorische Bierchen in coolen ADDICT-Dosen. Punktlandung!

 

Als ANGEL DUST Ende 2018 letztmalig Gast in Andernach waren, konnte man im Anschluss mit Fug und Recht von einem wahren Triumphzug der Band sprechen. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an diesen Abend. Soundprobleme zu Beginn der Show, insbesondere beim Gesang von Dirk Thurisch, sorgten so allerdings für einige kritische Blicke. Nach der ein oder anderen Nachjustierung waren diese aber schnell verflogen. Die Bands zeigte sich wieder bester Laune und supersympatisch. Und mit Songs wie 'Nightmare' , ' Border Of Reality' oder dem überragenden 'Bleed' konnte eigentlich nichts schiefgehen. Der von vielen Fans geäußerte Wunsch nach Songs aus der speedigen Frühphase der Band wurde von ANGEL DUST leider wieder nicht erhört und von Gitarrist Bernd Aufermann mit dem Einstig des neuen Bassisten Marc Herrmann begründet. Quasi als „Entschädigung“ kam man aber überraschend mit der Ankündigung eines neuen Albums ("Ghost") um die Ecke und hatte mit 'Sick' auch direkt eine Neukomposition am Start. So waren ANGEL DUST, auch wenn sie ihren überragenden 2018er Gig nicht wiederholen konnten, wieder eine recht geile Kiste.

 

Zugegeben: METAL INQUISITOR hatte ich an diesem Abend gar nicht auf der Rechnung. Nicht, dass ich der Band ihr Können absprechen würde, Gott bewahre. Aber der traditionelle NWOBHM-Sound der Koblenzer schien mir in diesem Billing etwas unpassend. Aber unverhofft kommt bekanntlich oft. Denn was METAL INQUISITOR, die an diesem Abend nochmal mit dem eigentlich bereits ausgetretenen Drummer Havok auftraten, auf die Bühne brachten, war ein Lehrbeispiel in Sachen Spielfreude. Allen voran Sänger El Rojo lebte jede Textzeile und jede Note mit jeder Faser seines Körpers aus. Da machte es einfach Spaß, der Band bei der Arbeit zuzusehen. Entsprechend war die Stimmung im Andernacher Juz, immer wieder auch durch Ansagen im regionalen Dialekt befeuert, absolut bestens. So revidiere ich meine anfängliche Skepsis gerne und ziehe meinen Hut vor der Leistung der Band. Im Gegenteil: Gerne hätten METAL INQUISITOR den ganzen Gig nochmal wiederholen können. Absolut geil.

 

 

Aber natürlich stand der Abend im Zeichen von PYRACANDA. Und viele Fans in teilweise nicht mehr ganz sitzenden Bandshirts warteten gespannt auf den Auftritt der Band. Leider sollte das Warten aber noch etwas andauern. Keine Ahnung, was der Grund für die lange Pause war. Aber in Verbindung mit den T-Shirt-Preisen bei PYRACANDA verglichen mit den anderen Bands und dem Platz, den die drei vorherigen Bands auf der Bühne hatten (alle Bands spielten vor dem Schlagzeugpodest von PYRACANDA) sah das schon sehr nach Rockstarallüren aus!

Nun aber zur Musik: Denn auch nach langer Pause zeigten sich PYRACANDA mit den drei Originalmitgliedern Dennis Vaupel an der Gitarre, Dieter Wittbecker am Bass und Hansi Nefen am Mikro fit wie ein Turnschuh und bestens aufeinander eingespielt. Das war ein Thrashgewitter, das sich gewaschen hatte. Und das Frontmann Hansi bei seinem exorbitanten Bewegungsdrang nicht während des Sets kollabierte, war schon fast ein Wunder. Den Publikumsreaktionen nach zu urteilen, wurden die Erwartungen der Fans an diese Reunion definitiv erfüllt. An dieser Stelle sei auch noch angemerkt, dass viele, gerade auch jüngere Fans, welche die Band Anfang der 90er Jahre kaum erlebt haben konnten, erstaunlich material- und textsicher waren. Oder wie es ein Anwesender so schön formulierte: „Fühlt sich an wie eine Zeitkapsel. Wie früher eben.“

 

Honk

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