Sabaton - Joakim (Juli 2007)

SABATON sind momentan eine der Bands der Stunde. Ich traf mich mit dem sehr relaxten und sympathischen Frontmann der Schweden, Joakim Brodén, während der Heavy Summernight in Euskirchen zu einem kleinen Interview.

Honk: Ihr seid der wahrscheinlich heißeste Newcomer im traditionellen Metalbereich der letzten Jahre. Ich erinnere mich an das Swordbrothers Festival, als euch nur wenige Leute kannten. Und wenn man jetzt in irgendwelche Internetforen geht, reden alle Leute über SABATON. Seid ihr über den Erfolg überrascht?

Joakim: Ja, wir sind tierisch überrascht. Wie du gesagt hast, das Swordbrothers ist noch keine zwei Jahre her. Und vorher haben wir noch nie außerhalb Schwedens gespielt. Das Swordbrothers Festival ist ein bekanntes Undergroundfestival und wie spielten da vor 200 – 300 Leuten. Wir haben nicht gedacht, dass dieses Festival einen so großen Einfluss auf unsere Karriere hat, aber noch heute kommen Leute an und sagen „Hey, ich hab euch damals beim Swordbrothers 2004 gesehen.“

Honk: 2005.

Joakim: Ja, 2005, richtig. Und danach haben wir die Tour mit EDGUY und DRAGONSFORCE gespielt. Das war für uns ein sehr gutes Package. Verschiedene Musikstile und alles hat optimal geklappt. Ich denke, dass diese Tour alles ins rollen brachte. Dann hatten wir zwei eigene Headlinertouren. Ja, und wir sind immer noch überrascht, dass so viele Leute kommen.

Honk: Gibt es in der Bandgeschichte ein Datum oder Event, von dem Du sagen würdest, dass dies bisher das wichtigste ist?

Joakim: Vermutlich war die "Primo Victoria"-CD und die Tour mit EDGUY für unsere Karriere am wichtigsten. Auch als wir den Song 'Primo Victoria' aufgenommen haben und zum ersten Mal den abgemixten Refrain gehört haben, das war für mich ein ganz emotionaler Moment. Und letzte Woche haben wir in Tschechien beim Monsters Of Rock vor 15.000 Leuten im Publikum gespielt. Das war ein ganz großer Augenblick.

Honk: Okay, lass uns über Eure Texte sprechen. Fast alle Eure Texte handeln von Krieg, besonders vom 2. Weltkrieg. Was fasziniert Dich am Krieg generell und speziell am 2. Weltkrieg?

Joakim: Ich interessiere mich für Geschichte. Mein Interesse liegt nicht speziell beim 2. Weltkrieg, aber es gibt da sehr viel Material. Es gibt viele Bilder und Filme, wo du diesen Krieg real sehen kannst. Wenn man zurück zum 1. Weltkrieg geht, gibt es da nicht so viele Bilder, Briefe und Bücher der Soldaten. Daher ist es da anstrengender, Material zu finden. Über den 2. Weltkrieg kann man einfacher schreiben. Jeder hat davon gehört, jeder weiß etwas darüber und deswegen kann man einen besseren Kontakt zum Zuhörer aufbauen. Wenn wir jetzt irgendwie „Kill The Dragon“ singen würden, würde niemand wissen, was für einen Drachen wir meinen. So denke ich, dass das Zuhören realer wird.

Honk: Gibt es manchmal Probleme, wenn Leute Eure Texte missverstehen? Ich erinnere mich an Leute, die damals, als die "Primo Victoria"-CD auf den Markt kam, sagten, dass sie die Musik zwar geil finden, aber mit den Lyrics absolut nicht klar kämen.

Joakim: Ja, das ist bekannt. Als unser deutscher Vertrieb 'Primo Victoria' zum ersten Mal hörte, stoppte er die CD, rief unser Label an uns sagte, dass er diesen Neonazischeiß nicht ausliefern würde. Wir dachten nur „Was, wir sind keine Nazis!“. Der Song ist ein Tribut an die Alliierten, die 1944 landeten. Wenn wir jetzt ein Album in Deutschland veröffentlichen, müssen wir die Texte immer zuerst an unseren Vertrieb schicken, damit sie diese lesen können.

Honk: Aber es gibt ja gerade im Death- und Blackmetalbereich viele Bands, die über Krieg singen. Fühlt Ihr Euch da manchmal missverstanden oder ungerecht behandelt, im Vergleich zu anderen Bands?

Joakim: Ja, denn wenn Du ein Album für die Blackmetalszene veröffentlichst, wird es in anderer Weise gehört. Unsere Zuhörer unterscheiden sich von denen der Death- und Blackmetalbands. Diese Leute sind das gewohnt, sie wissen, dass man die Texte lesen muss und nicht nur ein Wort nehmen und interpretieren kann, du musst die Texte komplett lesen. Daher denke ich, dass die Vertriebe diese CDs nicht so zögerlich vertreiben.

Honk: Meine letzte Frage: Was sind Eure Pläne für die Zukunft?

Joakim: Oh, wir haben viel vor. Wir werden diese Tour beenden, das waren dieses Jahr schon 60 Gigs. Ich glaube, wir haben noch zehn vor uns. Diesen Herbst werden wir das nächste Album zuende schreiben und es dann aufnehmen. Vielleicht spielen wir hier und da eine Show, machen aber keine Tour. Dann machen wir Pause, weil wir jetzt etwa anderthalb Jahre auf Tour waren und nur kurze Pausen hatten. Und wenn im April 2008 das Album erscheint, werden wir zum Festivalsommer aufbrechen und danach wieder auf Tour gehen.

Honk: Alles klar, vielen Dank und viel Spaß hier in Euskirchen.

Honk

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